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Kinoplakat: Waterworld
Katastrophendreh und Chaos
für einen guten Abenteuerfilm
Titel Waterworld
(Waterworld)
Drehbuch Peter Rader + David Twohy
Regie Kevin Reynolds & Kevin Costner, USA 1995
Darsteller Kevin Costner, Dennis Hopper, Jeanne Tripplehorn, Tina Majorino, Michael Jeter u.a.
Genre Abenteuer
Filmlänge 120 Minuten
Deutschlandstart
21. September 1995
Inhalt
Seit die Polkappen abgeschmolzen sind, liegen die Kontinente unter Wasser. Nur wenige Menschen haben die Katastrophe überlebt.

Auf selbstgezimmerten Atollen und schwimmenden Schrotthaufen dümpeln sie der letzten Hoffnung entgegen: dem Dryland, einem legendären Rest trockener Erde. Zu den Suchenden zählt auch der Mariner, ein mutierter Sonderling, der dank Kiemen unter Wasser atmen kann. Er scheut die Gesellschaft anderer Zweibeiner und gondelt allein über die endlosen Meere. Nur, um seine Vorräte aufzufrischen, legt er in einer jener künstlichen Atollstädte an.

Bei einem dieser Besuche trifft den Mutanten Misstrauen und Hass der notleidenden Bevölkerung. Man steckt ihn in einen Unterwasserkäfig, will ihn hinrichten. In just diesem Moment greifen die Smoker an, Piraten, die mit Speeder-Bikes die Ozeane kreuzen, und sich ihren Nachschub in den Atollstädten besorgen. In den Wirren der Smokers-Attacke wird Mariner von Helen befreit. Bedingung: Er nimmt sie - und ihre Ziehtochter Enola - mit hinaus aufs offene Meer und ... nach Dryland.

Eine Tätowierung auf Enolas Rücken soll angeblich den Weg ins verheißene Land weisen. Das wissen auch die Smokers, deren Boss Deacon die Jagd auf Mariner und sein Schiff freigibt ...

Was zu sagen wäre

Ein guter Abenteuerfilm. Unter Wert gelaufen. Der Film macht nichts falsch. Eine fremde Welt – genau: die Erde der Zukunft – neue Überlebensstrategien, eine neue Art Held – sozial dysfunktional –, große Schauwerte, große optische Effekte, gute Actionszenen, ein ungleiches Buddypaar – hier mit erotischer Mann-Frau-Komponente, ein sagenhaftes Geheimnis und schließlich eine klassische Abenteuerdramaturgie. Dass so etwas im Kino funktioniert, haben zahllose Abenteuerfilme demonstriert; und anstatt zu x-ten Mal irgendwelche Aztekenschätze aus dem Dschungel zu holen, erleben wir noch eine Welt, die nur aus Wasser besteht … mit all ihren obskuren Folgen. So nichtssagend das klingt: ein richtig ordentlicher Abenteuerfilm.

Manchmal macht schlechte Presse und die zynische Lust, einen Star, nunja, baden gehen zu sehen, einen Film zunichte. „Waterworld“ und die schlechten BoxOffice-Ergebnisse sind ein vitales Beispiel. Die Dreharbeiten dieses Films waren vom Pech verfolgt, Antreiber dieses Projekts war Kevin Costner, 1991 in Hollywood ein AAA-Star (Perfect World – 1993; JFK – Tatort Dallas – 1991; Der mit dem Wolf tanzt – 1990; Feld der Träume – 1989; No way out – Es gibt kein Zurück – 1987; Die Unbestechlichen – 1987; „Silverado“ – 1985). Es war Medien und wirtschaftlich entnervten Studios ein Fest, den Superstar scheitern zu sehen. 1991 war Costner in das schwindsüchtige Waterworld-Projekt eingestiegen; das hatte zu dieser Zeit schon eine mehrjährige Odyssee durch die Entwickungspipelines der Drehbuchhölle hinter sich.

Dass Waterworld eine teure Veranstaltung werden würde, hatte schon B-Filmer und Billig-Filmer-Legende Roger Corman geahnt, der die Ursprungs-Idee zum Film hatte: „Wenn wir den Film so machen, wie ihr wollt, kostet er fünf Millionen Dollar!“ Corman, der jeden Cent zwemal umdreht, ließ das Projekt also fallen; das war 1986. Im Laufe der Jahre fand das Drehbuch mehrere Interessenten, aber keine Abnehmer. Bis 1991 eben Kevin Costner kam. Der wollte die Regie erst selbst übernehmen, betraute dann aber seinen Freund Kevin Reynolds („Robin Hood - König der Diebe”) mit dem Posten. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Projekt in Hollywood heiß gehandelt.

Kinoplakat: Waterworld„Universal“ und „Warner Bros.“ stritten erbittert um die Rechte. Das Ende vom Lied: Universal zückte die dickeren Schecks und startete die Dreharbeiten am 27. Juni 1994 vor Hawaii; zum dem Zeitpunkt hatte Costner mit „Bodyguard“ (1992) den Kinohit schlechthin gelandet, die Studioschecks saßen entsprechend locker und das Corman-Projekt war zigmal umgeschrieben worden. Dann kamen die Katastrophen: Das 1:1-Modell der Atollstadt versank im Sturm und musste neu gebaut werden. Die Produktionskosten des ehemaligen 5-Millionen-Projekts beliefen sich am Ende auf 180 Millionen Dollar. Manche behaupten sogar, die 200-Millionen-Grenze sei überschritten worden.

„Kevin Costner“ und „Kostenexlosion“ und komplexe Dreh- und Stuntarbeiten – regelmäßig und in immer kürzeren Abständen erfuhr die Öffentlichkeit von den Katastrophen am Set und als der Film dann im Kino startete, kam da kein Abenteuerfilm, kein Fantasyfilm, kein Kevin-Costner-Film ins Kino, sondern der Film, den Costner in den Sand getrieben hatte. Das Warum war nicht mehr wicdhtig. Die öffentliche Wahrnehmung war: Der Film ist schlecht. Guck‘ ich nicht! Das weltweite BoxOffice lag am Ende bei etwa 264,2 Millionen US-Dollar. Ob Costner oder das Studio oder Hollywood das verdient haben, kann ich nicht beurteilen, der fertige Film hat es nicht verdient

Für 1994er Verhältnisse ist der Film (natürlich) viel zu teuer. Und Dennis Hopper (Speed – 1994; True Romance – 1993; „Blue Velvet“ – 1986; Rumble Fish – 1983; Apocalypse Now – 1979; Der amerikanische Freund – 1977; Easy Rider – 1969) als Chef der Piraten, die wegen ihrer Benzinmotoren „Smokers“ heißen, in egal welchem Produktionsjahr mehr alberne Nummer als eine wirkliche Bedrohung – aber die Piraten in diesem Film sind ohnehin nur dem Studio geschuldet, das meinte, so ein Film brauche einen echten Bösewicht, um dem zahlenden Publikum waffenklirrende Action zu bieten und bei 180 Millionen Dollar mag das auch sein.

Stellt man sich „Waterworld“ ohne diesen albernen Piratenquatsch vor, als eine Vision einer Wasserwelt mit von Menschenhand errichteten Atollen inklusive der falschen Fuffziger, stoischen Sheriffs und Irgendwie-Durchwuselern, und dann dem Mariner, seinem Boot, der tapferen Frau (Jeanne Tripplehorn – Reality Bites – Voll das Leben – 1994; „Die Firma“ – 1993; Basic Instinct –1992), das Mädchen mit der geheimnisvollen Tätowierung, dem eine religiös konnotierte Erlöserrolle zukommt (Jesus als Mädchen!) und mit der Dryland-Legende – der Film wäre ein echt großes Ereignis geworden.

Bis auf das Ende natürlich (bliebe es denn in meiner gedachten Version, wie es jetzt ist): Um ein Happy (romantic) End zu vermeiden, gibt‘s ein Einsame-Helden-Ende … aber Kevin Costner ist dann doch nicht John Wayne, der am Ende seiner Filme das Saloonmädel Saloonmädel sein lässt und allein  in den Sonnenuntergang reitet. Dass Costner und Reynolds ihren Mariner zurück aufs Meer treiben, weg von der Frau, hinein in die nasse Einsamkeit, ist plumpe Männerphantasie – ähnlich wie eine Stunde zuvor der plötzlich Sex auf dem schon fast untergegangenen Katamaran. Aber … wie gesagt … für 180 Millionen Dollar braucht‘s‚ am Ende wenigstens was zu gucken.

Wertung: 7 von 11 D-Mark
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