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Kinoplakat: Mission Impossible II
Fortsetzung ohne tieferen Sinn aber
mit schöner Musik und guter Action
Titel Mission: Impossible II
(Mission: Impossible II)
Drehbuch Ronald D. Moore + Brannon Braga + Robert Towne
nach der TV-Serie, geschrieben von Bruce Geller
Regie John Woo, USA 2000
Darsteller Tom Cruise, Dougray Scott, Thandie Newton, Ving Rhames, Richard Roxburgh, John Polson, Brendan Gleeson, Rade Serbedzija, William Mapother, Dominic Purcell, Mathew Wilkinson, Nicholas Bell, Cristina Brogeras, Kee Chan, Kim Fleming u.a.
Genre Action
Filmlänge 123 Minuten
Deutschlandstart
6. Juli 2000
Inhalt

Sean Ambrose war ehedem Kollege von Ethan Hunt, Agent der Geheimdienst-Behörde Impossible Mission Force (IMF). Heute lässt er ein Flugzeug abstürzen, lediglich, um an wichtige und nur unter den Codenamen „Chimera“ und „Bellerophon“ bekannte Objekte zu gelangen, den sein Erfinder in einer Ledertasche bei sich trägt. Was er mit diesem Virus vor hat, ist unklar. Die CIA schaltet Hunt und seine Leute ein, um das heraus zu bekommen.

Eine der Auflagen – neben den üblichen: „Wenn Sie diesen Auftrag annehmen …“, „Sollten Sie gefasst werden, wird der Minister jede Kenntnis abstreiten …“ usw. – lautet, die international gesuchte Diebin Nyah Hall für den Job zu rekrutieren. Ambroses einstige Geliebte scheint die Einzige zu sein, die nah genug an den Mann herankommen kann, um zu erfahren, was der Ex-Agent plant. Hunt macht sich an die Arbeit.

Gemeinsam mit dem Piloten Billy und Hacker Luther Stickell findet er schnell Einzelheiten heraus, die kein Abwarten mehr dulden. Nicht nur hat Ambrose längst seine überraschend heimgekehrte Ex-Geliebte als Trojanisches Pferd in seinem Bett entlarvt, zudem hat Hunt sich in Nyah verliebt. Ein Grund mehr, die Sache schnell zu Ende zu bringen.

Hunts IMF-Team wird Zeuge, wie Ambrose mit John C. McCloy, dem Chef des Pharmakonzerns „Biocyte“, offensichtlich ein zwielichtiges Geschäft einfädelt. Hunt findet heraus, dass bei Biocyte der bei oben erwähntem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene Molekularbiologe Dr. Vladimir Neckhorvich arbeitete und in McCloy’s Auftrag mit „Chimera“ einen tödliche Grippevirus entwickelte sowie mit „Bellerophon“ das dazugehörige Gegenmittel. Mit beidem wollte McCloy seine Macht vergrößern.

Ambrose hatte dieselbe Idee und lockte Neckhorvich daher in das Flugzeug. Was Ambrose aber nicht ahnen konnte: Neckhorvich schmuggelte „Chimera“ in seinem Körper, der vernichtet wurde. Sean besitzt nur das für ihn wertlose „Bellerophon“ und Hunt muss lediglich die letzten verbliebenen „Chimera“-Kulturen vernichten, um Ambrose Pläne zu durchkreuzen.

Allerdings ist das „nur“ nicht so einfach. „Wäre die Sache einfach“, sagt Mission Commander Swanbeck zu Hunt, „würden wir ja nicht Sie holen!“ …

Was zu sagen wäre

„Mission: Impossible“ als Ritterspiele. Auf dem Höhepunkt rasen die beiden Antagonisten Hunt und Ambrose mit Motorrädern aufeinander zu, wie zwei Ritter hoch zu Ross in einem Turnier. Sie kömpfen um ihr Leben, um einen MacGuffin, der hier ein Anti-Grippevirus ist – aber vor allem kämpfen sie um die Prinzessin. Die wird von Thandie Newton gespielt und ist eigentlich hochspezialisierte Diebin.

Die Liebesgeschichte zwischen ihr und Hunt, den Tom Cruise (Magnolia – 1999; Eyes Wide Shut – 1999; Eine Frage der Ehre – 1992; Tage des Donners – 1990; Cocktail – 1988) langhaarigbraungebranntslackig ohne dramaturgische Ecken spielt, tut der Geschichte gut, die eigentlich gar keine ist. In der Rolle des Prinzen kennt sich auch der hier als Schurke dienende Dougray Scott (Deep Impact – 1998) aus. Der hatte zwei Jahre vorher im Pluderkostüm für Auf immer und ewig um Drew Barrymore werben dürfen.

Kinoplakat: Mission Impossible IIDreharbeiten ohne Drehbuch

Das liegt daran, dass die Dreharbeiten zum Teil ohne Drehbuch stattgefunden haben sollen. In der offiziellen Filmdokumentation bestätigen Tom Cruise und Produzentin Paula Wagner, dass sie einen Großteil der Actionszenen bereits geplant hatten und dann später zu deren Realisierung John Woo als Regisseur verpflichteten. Die Figur der Nyah sei erst während der Dreharbeiten entwickelt worden. Und Drehbuchautor Robert Towne bestätigt, dass die Handlung um die bestehenden Actionsequenzen herum entwickelt wurde. Towne war es auch, der die Liebesgeschichte durchgedrückt hat, während Woo mehr daran gelegen schien, wieder ein Zwillingspaar aufeinander loszulassen.

Neben in Zeitlupe flatternden weißen Tauben sind die einander bekämpfenden Männerfreunde ein wiederkehrendes Stilelement in Woos Filmografie. Hier sind es die beiden Agenten Hunt und Ambrose, konturloser Superheld der eine, weichlich beleidigte Zweitbesetzung der andere. Der Schurke, Ambrose, ist ein ambivalenter Charakter. Immer im Schatten des großen Ethan Hunt. Selbst, wenn er mal selbst einen Auftrag hat, muss er ihn in der Maske Hunts ausführen; er darf maximal dessen Double sein. Das kann frustrieren, da will man schon mal ausbrechen. Und als er seine Nyah wiederhat, die ihn einst verließ, wird klar, warum der Mann als Agent in der IMF scheitern musste – er ist zu emotional. „Ich bin scharf auf sie!“, sagt Scott, bevor er seinem Adjutanten im Zorn den kleinen Finger kürzt.

Eine Frau als Prämie zweier Männer – Nyah wird zum Spielball einer Männerfantasie. Dabei sind die Rollen von Dougray Scott und Thandie Newton zu sexualisiert. Scott kann ich seine geniale Gaunerei schwer glauben, Newton, die ihrem Objekt zwischen zwei Männern dunklen, gehemnisumwölbten Charme gibt, darf nicht mehr sein als die scharfe Braut; immerhin eine, die zur richtigen Zeit mutig das Richtige tut. Obwohl Hunt ihr Engagement seitens der IMF seit der ersten gemeinsamen Nacht ablehnt. Sie sei nicht dafür ausgebildet, einen Exagenten und Verräter auszuspionieren. Darauf antwortet sein Einsatzleiter trocken: „Mit einem Mann schlafen und lügen? Sie ist eine Frau. Mehr Ausbildung braucht sie nicht.“ Ein heikler Satz. Eben eine Männerfantasie.

Der MacGuffin, der eigentlich darauf angelegt ist, ein einfacher Storydriver zu sein – etwas, das nicht weiter erklärt werden muss, die Figuren aber in Bewegung setzt – ist sehr kompliziert. Er ist ein Gegenmittel, das erst wertvoll wird, wenn ein Virus gebaut ist. Da geht dann zuviel Erzählzeit drauf, um beides zusammenzubringen, anstatt die Dynamik des Films zu pushen.

Hongkongs Action-König John Woo begann seine US-Karriere mit dem Jean-Claude van Damme-Film „Hard Target“. Gleich sein nächster Film brachte ihn mit Hollywood-Star John Travolta zusammen. Broken Arrow (1996) war Woos Visitenkarte: handfeste Action auf Speed, Männer, der Kampf Gut gegen Böse. Die zweite Zusammenarbeit mit Travolta, Im Körper des Feindes – Face/Off, wurde Woos Schlüssel zu den ganz großen Geldtöpfen Hollywoods.

Agenten-Krieg in Ritter-Manier

Sein „Mission: Impossible“-Franchise ist die moderne Variante klassischer Ritter-Action. Mit viel Zeitlupe überhöht der Mann aus Hongkong die recht übersichtliche Geschichte in mythologische Spähren. Der Soundtrack aus Hans Zimmers drogendurchsetzter Wuchtbrummen-Phase hört sich auch ohne Film gut an. „Sie meinen, es wäre schwierig!“, fragt Einsatzleiter Swanbeck zu Beginn.
Sehr!“, antwortet Hunt.
Naja … das ist nicht Mission: Schwierig. Das ist Mission: Unmöglich. Schwierig wäre für Sie zu leicht!

Wertung: 5 von 11 D-Mark
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