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Kinoplakat: Krieg der Welten
ein Kessel Buntes aus
der Spielberg-Suppe
Titel Krieg der Welten
(War of the Worlds)
Drehbuch Josh Friedman + David Koepp
nach einem Roman von H.G. Wells
Regie Steven Spielberg, USA 2005
Darsteller Tom Cruise, Dakota Fanning, Miranda Otto, Justin Chatwin, Tim Robbins, David Alan Basche, James DuMont, Yul Vazquez, Daniel Franzese, Amir Allak, Michalina Almindo u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 116 Minuten
Deutschlandstart
29. Juni 2005
Inhalt
Ray Ferrier arbeitet an den Docks in New Jersey. Er ist geschieden und seine Ex-Frau, Mary Ann, hat jetzt standesgemäß geheiratet, wie die Ex-Schwiegereltern sagen. Der Mann hat Geld, schöne Autos und ein geräumiges Landhaus; ein Paradies auch für die Kinder, Robbie und Rachel, die hauptsächlich bei Mom und ihrem neuen Mann leben, jetzt aber gerade zu einem der seltenen Wochenenden bei ihm sind – in seiner … Behausung, in der sie einst zu viert wohnten. Robbie und Rachel teilten sich damals das einzge Kinderzimmer. Das tun sie auch heute noch, wenn sie Pa besuchen müssen.

Es wird ein kurzes Wochenende in der einstmals gemeinsamen Wohnung, in deren Küche ein großer V3-Motor von Ford auf dem Tisch thront.

Es wird ein langes Wochenende auf der Flucht. Wesen von … irgendwoher … greifen die Menschen an. Wesen, die offenbar vor vielen Millionen Jahren ihre Raumschiffe unter unserem Boden versteckt haben und in diese nun per Blitz einfahren und zuschlagen. Die dreibeinigen, riesenhaften Stahlskelette hinterlassen verbrannte Erde und vaporisierte Menschen. Ray Ferrier, der in seinem Leben wirklich nichts richtig gemacht hat – außer vielleicht draußen an den Docks, das präzise Stapeln von Containern übereinander – muss von einer Sekunde auf die andere erwachsen werden – zumindest erwachsener als seine beiden halbwüchsigen Kinder.

Denn Ray muss seine Kinder vor den Wesen schützen. Das ist alles was zählt: Die Kinder schützen und sie zu Mom nach Boston bringen …

Was zu sagen wäre

Mit „Krieg der Welten“ verhält es sich, wie mit Titanic: Man weiß, wie's ausgeht. Man weiß vorher, dass die Wesen unbesiegbar scheinen und schließlich von Mikroben dahingerafft werden. Der Witz einer Neuverfilmung (nach Byron Haskins The War of the Worlds von 1953) besteht also darin, die Zwischenräume – also die Zeit zwischen dem Eingangsmonolog („Niemand hätte Anfang unseres Jahrhunderts geahnt, dass er beobachtet wird. Wie kleinste Organismen in einem einzelnen Wassertropfen …“ und den tödlichen Bakterien – mit neuem Leben und neuen Überraschungen zu füllen. Aber das tut Steven Spielberg nicht. Die einzige Überraschung, die uns seine Autoren Josh Friedman und David Koepp gönnen, ist Tom Cruise als Loser-Typ (Collateral – 2004; Last Samurai – 2003; Minority Report – 2002; Vanilla Sky – 2001; Magnolia – 1999; Eyes Wide Shut – 1999; „Interview mit einem Vampir“ – 1994; „Die Firma“ – 1993; Eine Frage der Ehre – 1992; Die Farbe des Geldes – 1986; Top Gun – 1986), der nichts auf die Reihe bringt und im Kühlschrank gerade eine Flasche Milch vorweisen kann … abgestandene Milch. Ein Typ auch, der bis zum Ende nichts Wesentliches dazu gelernt hat. Mit „Kinder zu Mom in Sicherheit bringen“ verfügt er in etwa über die Motivation des Terminators.

Spielberg'scher Zuckerguss und dumme Filmfehler

Dass Cruise seinen Auftrag am Ende unter Hinzuziehung der heldenüblichen Schrammen zur Zufriedenheit aller erledigt und sogar der im atomaren Feuer eigentlich weggeschmolzen-sein-müssende Sohn Robbie wieder auftaucht, ist der handelsübliche Spielberg'sche Zuckerguss. Seltsam aber, dass das Auftauchen der Wesen einhergeht mit Elektromagnetischen Wellen, die allen Strom im Umkreis lahm legen und die Magnetschalter aller Autos kaputt machen – bis auf die in dem Auto, in dem Big Tom seine Familie in Sicherheit bringt. Seltsam auch: Da tauchen am Horizont drei der Wesen auf und die Menschenmenge will unbedingt aufs Boot und darin den Fluss überqueren. Wäre der erste Impuls nicht der, am Ufer Deckung zu finden in der Hoffnung, die näher rückenden Wesen übersehen mich, anstatt in einer hektischen Fährfahrt zu versuchen, das andere Ufer zu erreichen und ich dabei andauernd der Gefahr ausgesetzt bin, von den Wesen weggelasert zu werden?

Kinoplakat: Krieg der WeltenHat vielleicht irgendjemand einen alten, vergilbten Vertrag aus einer Schublade gezogen und Spielberg damit gezwungen, „Krieg der Welten“ zu machen? Hat Spielberg vielleicht Krebs? Er habe unbedingt noch einen Alien-Film machen wollen, in dem nichts Niedliches à la E.T. auftaucht, hat er mediengerecht im Vorfeld des Filmstarts formuliert. Musste er sich wegen des mutmaßlichen Krebses übermäßig beeilen mit der Fertigstellung des Films? Was eine Erklärung dafür wäre, dass der über weitere Strecken aussieht, wie Independence Day ohne Will Smith, ohne explodierendes Empire State Building und ohne Action.

Lebensechte Charaktere sind Spielbergs Sache nicht

Hat Spielberg immer noch nicht gelernt, realistische, lebensechte Charaktere zu entwickeln? Einige hat er geschaffen – in Filmen aus den 80er Jahren. Und in den Filmen mit Tom Hanks. Aber da war es schon eher so, dass Hanks aus dem Wenigen Beeindruckendes gemacht hat. Tom Cruise als Loser-Vater Ray jedenfalls ist eine derartige Schablone, dass ich vermute, Spielberg hat irgendwann gemerkt, dass der Film nichts wird und dann seinem Megastar lieber nicht auch noch eine Entwicklung zugemutet – das könnte das sensible Publikum vielleicht von den teuren Spezialeffekten ablenken, die – gerade mal sechs Wochen nach dem Weltstart der Effekt-Schleuder Star Wars - Episode III ohnehin keinen vom Hocker reißen. Dass sich Ray so überhaupt nicht auf seine Kinder freut und einen Vater gibt, der unreifer ist als sein Nachwuchs, muss ich zunächst mal akzeptieren – dass seine Wohnung also aussieht, wie ein Saustall, der Kühlschrank vor sich hin schimmelt und ein öliger Ford-Motor herumliegt zeigt mir – Klischee, aber es funktioniert – warum ihn seine Frau verlassen hat. Eine deutliche Bildsprache.

Aber dass er zur Hälfte des Films immer noch nicht (wenigstens ansatzweise) versteht, was sein Teenager-Sohn eigentlich gegen ihn hat, wenn der respektlos nur „Ray“ ruft, anstatt „Dad“, das passt nicht und dass sein Sohn am Ende plötzlich wieder da steht und dann auch noch „Dad“ flüstert, das ist der Gipfel. Eine Basisstation vor diesem Gipfel war schon die Erkenntnis, dass Vater Ray zwar nichts dazu lernt im Film, aber der einzige ist, der den Wesen wenigstens ein bisschen weh tut und derjenige ist, der die gepanzerten Soldaten darauf aufmerksam machen muss, dass die Schutzschilder der Wesen offenbar abgeschaltet sind. Dieser Held! Ein einfacher Mann.

Nichts Neues zwischen Eingangsmonolog und tödlichen Bakterien

Schlimm genug, dass ich insgeheim schon dachte, das Sohn Robbie die Giga-Explosion wohl bestimmt irgendwie überlebt hat, weil es doch ein Film von Steven Spielberg ist. Und weil es ein Film von Steven Spielberg ist, gibt es natürlich ein paar Hübschheiten. Nicht zufällig ist Spielberg einer der herausragende Regisseure seiner Generation. Aber hier beschränken sich seine Überraschungen auf Kamerafahrten, die nach und nach eine unerwartete Katastrophe enthüllen, einen Dialog verfolgen oder Szenerien etablieren. Sonst nichts Neues zwischen Eingangsmonolog und den tödlichen Bakterien. Doch, eins noch: Haus-und-Hofkomponist John Williams soßt nicht jede Filmszene mit seinem Orchester-Score zu. Danke dafür, John!

Und die Idee, dass die Außerirdischen ihre Tripod-Maschinen schon vor Jahrmillionen auf die Erde geschleust haben und gar nicht, à la Independence Day, mit bildfüllenden Kuchentellern wie die Heuschrecken über uns herfallen, sorgt auf der Leinwand für einige hübsche Special Effects. Aber die Handlung ist da nicht nachvollziehbar – auch bei gänzlich fremdartigen Außerirdischen nicht. Wenn die so neidisch sind auf unserern schönen Planeten, warum haben sie ihn sich dann nicht damals einfach genommen?

Dieser „Krieg der Welten“ ist eine Aneinanderreihung von ausgelutschten Klischees über unglaubwürdige Figuren mit ganz netten Bilder für die Desaster-Film-Galerie.

Wertung: 2 von 6 €uro
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