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Plakatmotiv: Rio Grande (1950)
Ein musikalischer Familienfilm
in der Uniform der Kavallerie
Titel Rio Grande
(Rio Grande)
Drehbuch James Kevin McGuinness
nach einer Reportage in der Saturday Evening Post von James Warner Bellah
Regie John Ford, USA 1950
Darsteller John Wayne, Maureen O'Hara, Ben Johnson, Claude Jarman Jr., Harry Carey Jr., Chill Wills, J. Carrol Naish, Victor McLaglen, Grant Withers, Sons of the Pioneers, Peter Ortiz, Steve Pendleton, Karolyn Grimes, Alberto Morin, Stan Jones u.a.
Genre Western
Filmlänge 105 Minuten
Deutschlandstart
28. September 1951
Inhalt

Ein texanisches Fort im Jahr 1879: Lt. Col. Yorke lebt hier von seiner Frau getrennt. Allein schon die militärischen Probleme sind durch die ständigen Überfälle der Apachen immens groß, da es General Sheridan nicht erlaubt ist, die Indianer über den Rio Grande nach Mexiko zu verfolgen.

Dann wird auch noch Yorkes Sohn Jefferson, den er 15 Jahre nicht gesehen hat, als Rekrut in das Fort versetzt. Der Lieutenant Colonel behandelt seinen Sohn wie jeden anderen Rekruten; es gibt keinerlei Vergünstigungen für ihn. Das ist allerdings Jefferson auch sehr recht. Noch während seiner Ausbildung trifft Kathleen Yorke, die Ehefrau und Mutter, im Fort ein. Die Mutter will ihren Sohn heimholen, der Sohn will zeigen, was in ihm steckt, der Vater will seinem Sohn etwas beibringen.

Plakatmotiv (US): Rio Grande (1950)Zu allen anderen Problemen gesellt sich auch ein Sheriff, der den Soldaten Tyree verhaften will. Währenddessen haben sich die Apachen verstärkt und wollen das Fort wieder überfallen. Sheridan erteilt den Befehl zum Grenzübertritt, eine Vorausabteilung soll Frauen und Kinder in Sicherheit bringen …

Was zu sagen wäre

Manchmal wirkt der Film, als sei John Ford der Versuchung erlegen, seinem Kavallerie-Helden John Wayne in eine Art Musical zu setzen – mahrfach fängt eine Gruppe Soldaten an, gefühlvolle Balladen zu intonieren. Die Auftritte der Countrymusikgruppe „Sons of the Pioneers“ stehen ein wenig zusammenhangslos im Raum, aber letzten Endes – „Soldaten, singt ein Lied!“ – hat Ford nur den romantischsten Film seiner Kavallerie-Trilogie gedreht (1. Teil: „Bis zum letzten Mann“, 2. Teil: Der Teufelshauptmann).

Angereichert um ein paar Indianerangriffe ist „Rio Grande“ ein Familienfilm: John Wayne erhält Frau und Sohn – den er freilich erst von sich überzeugen muss, beziehungsweise für sich gewinnen muss; da hilft sie, nachdem sie sich als stolze Südstaatenpflanze in der Männerbastion nützlich macht („Ich habe Deine Uniform gewaschen und gebügelt“) und zwischendurch mal in Ohnmacht fällt, während er den harten Hund mit Herz einübt. Beide entzweit eine böse Vergangenheit: „Ich bedaure, dass Dein 'Pflichtgefühl‘ zwei wunderschöne Dinge zerstört hat. Bridesdale und uns“, klagt des Colonels Gattin – weil der einst im Sezessionskrieg, wie sich im Laufe des Films herausschält, auf Befehl von oben, das Anwesen seiner Frau, Bridesdale am Shenandoah River, hatte zerstören müssen, während sie mit dem kleinen Baby auf dem Arm daneben stand.

Plakatmotiv: Rio Grande (1950)Maureen O'Hara als klassische John-Ford-Schönheit begegnet Wayne durchaus auf Augenhöhe mit blitzendem Blick und Dickschädel, der den Kerlen Respekt einflößt und Manieren beibringt – vor der gestrengen Mutter hat einst selbst der bärbeißigste General mal mit vollgeschissener Windel gelegen; so funktioniert das Zusammenleben von Mann und Frau in John Fords Wildem Westen. John Wayne hat im Allgemeinen ja eher selten Gelegenheit, in längeren Großaufnahmen Emotionen auszudrücken. Hier bekommt er die Gelegenheit, ausführlich die (militärisch angeordneten) Fehler seiner Vergangenheit zu betrauen, bereuen, romantisch den Blick zu feuchten und den Indianern ein paar Blitze hinterherzupfeffern.

Wie in allen Filmen über seine geliebte Kavallerie hat John Ford auch hier seine Bugler-Darsteller – die Trompeter – improvisieren lassen und die korrekten Tonfolgen später im Tonschnitt übers Bild gelegt. Das sieht man deutlich und erzählt ein wenig von den Schwierigkeiten, mit denen man hinter Kamera und Mikrofon vor Ort zu kämpfen hat. Ein wenig verwirrend ist die Rolle Victor McLaglen, der auch hier wieder Sgt. Major Quincannon spielt, eine Figur, die er schon in Fords Teufelshauptmann hatte. Gerade will man an eine Art Fortsetzung glauben, da fällt uns auch schon auf, dass im Teufelshauptmann ja auch John Wayne die Hauptrolle hatte, aber nicht einen Lt. Col. Yorke spielte, sondern einen Captain Nathan Brittles. Sgt. Major Quincannon ist also vielleicht in ein Paralleluniversum gewandert. John Wayne wiederum, der hier den Obersten Yorke spielt, spielte im ersten Teil der Ford'schen Kavallerie-Trilogie, „Bis zum letzten Mann“, einen Captain York – ohne „e“.

Über lange Zeit wirkt der Film wie ein A-day-in-the-Cavalry-Sammelsurium von Episödchen, wozu sehr entscheidend die Musikeinlagen beitragen. Im letzten Drittel aber findet der Film seinen faden wieder und kehrt zur Ausgangsgeschichte zurück: Zusammenhalt, Männerfreundschaft sowie Befehl und Gehorsam  in der Armee im Angesicht der indianischen Bedrohung, woraufhin er grandiose Pferdejagten, Schießereien hoch zu galoppierendem Ross und eine Kinder-Befreiungsaktion auf mexikanischem Boden erzählt, bei dem nebenbei gezeigt wird, dass im Wilden Westen auch die Kinder schon tatkräftig mithalfen, den Westen zu besiedeln. Bei der Befreiungsaktion aus der Kirche sind sie keines Wegs wimmernde Würmchen. Ford inszeniert sie hier als strategische Helfer. Hier reißt er ein Thema an, das er später zu seinem größten Erfolg machen wird: Die Entführung weißer Kinder durch die Indianer bildet die Grundlage für The Searchers, den Ford sechs Jahre nach „Rio Grande“ drehen wird.

Wertung: 4 von 6 D-Mark
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