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Kinoplakat: Jack Ryan – Shadow Recruit

Glatt. Oberflächlich. Zäh.
Mit ein paar schönen Szenen.

Titel Jack Ryan: Shadow Recruit
(Jack Ryan: Shadow Recruit)
Drehbuch Adam Cozad + David Koepp
basierend auf Figuren von Tom Clancy
Regie Kenneth Branagh, USA, Russland 2014
Darsteller

Chris Pine, Keira Knightley, Kevin Costner, Kenneth Branagh, Lenn Kudrjawizki, Alec Utgoff, Peter Andersson, Elena Velikanova, Nonso Anozie, Seth Ayott, Colm Feore, Gemma Chan, Aleksandar Aleksiev, Andrew Byron, Derek Lea u.a.

Genre Thriller
Filmlänge 105 Minuten
Deutschlandstart
27. Februar 2014
Inhalt

Jack Ryan hat sich nach seinen Erfahrungen als Soldat in Afghanistan einem bürgerlichen Leben verschriebenn. Mit seinem Bürojob an der Wall Street ist er deshalb mehr als zufrieden. Allerdings ist der Job nur Tarnung. Ryan war im Militärhospital Thomas Harper aufgefallen, einem hohen Tier bei der CIA. Harper warb Ryan an, setzte auf dessen analytisches Genie. Und Harper behielt Recht.

Russland steht wirtschaftlich vor dem Abgrund. Eine Ölpipeline droht, das Land endgültig zu zerstören. Da entfesselt der Moskauer Bankier Viktor Cherevin einen komplexen Angriff auf die USA. Ryan fällt auf, dass mit der Partnerbank seines Arbeitgebers an der Wall Street offenbar etwas nicht stimmt. Er entwickelt den Verdacht, dass Russland durch einen gezielten Terroranschlag das Finanzsystem der USA lahmlegen will um somit die Wirtschaft nachhaltig zu zerstören.

Da Ryan der Experte ist, beschließt man, ihn, den Schreibtischmann, als Spion nach Moskau zu schicken und Viktor Cherevin zu beschatten. Aber Cherevin hat seine Spuren schon verwischt. Während er Ryan und dessen Freundin Cathy zu einem eleganten Dinner in Moskau ausführt, laufen die letzten Vorbereitungen. In 19 Stunden werden die USA von einem Anschlag heimgesucht, von dem sie sich nie erholen werden.

Aber die CIA hat aufgepasst. Thomas Harper hat Vorkehrungen getroffen und jetzt muss nur noch Cherevin überführt und gestoppt, Jack und cathy außer Landes gebracht und der Anschlag verhindert werden. Das beginnt mit einer Schießerei in den Straßen des nächtlichen Moskau …

Was zu sagen wäre

Kalt, glatt und elegant. Kenneth Branagh hat viel Geld ausgegeben und zeigt jeden Cent davon. Das ist schön anzuschauen, aber sehr mühsam, dabeizubleiben. Branagh findet keinen Einstieg in seinen Film und erzählt für einen Regisseur seiner Klasse (1 Mord für 2 – 2007; „Hamlet“ – 1996; Mary Shelleys Frankenstein – 1994) erstaunlich bauklotzartig das, was irgendwer glaubte, der Jack-Ryan-Figur mit auf den Weg geben zu müssen – Werdegang, Motivation und solche Dinge. Diese ersten zehn Minuten sind aber nicht nur ohne jeden Esprit erzählt, sie bringen auch keinen Mehrwert, der an dieser Stelle zwingend wäre.

Eine schwache Prämisse

Es ist ja nicht so, dass die Herkunft Jack Ryans nicht schon zweimal im Kino erzählt worden wäre – und zwar besser, bündiger. Wenn die Studios also einen Reboot der Kinofigur machen, warum dann so kompliziert. Es dauert lange, bis sich so etwas wie eine Story abbildet. Bis dahin haben wir Chris Pine (Das gibt Ärger – 2012; „Unstoppable – Ausser Kontrolle“ – 2010), Keira Knightley und Kevin Costner, drei große Namen, denen wir vertrauen müssen, dass aus ihnen schon noch so was wie ein Thriller werden wird; und natürlich Jack Ryan selbst, den sein Erfinder Tom Clancy ja nicht als Kindergärtner angelegt hat. Es wird dann auch. Ein bisschen jedenfalls.

Der MacGuffin ist schwach (aber es ist heutzutage natürlich auch nicht einfach, dem Geheimagent-in-Action-Genre noch Neues abzugewinnen). Plötzlich soll Russland also wegen seine NorthStream-Pipeline in Bedrängnis geraten, weil die UNO beschließt, zwei alternative Pipelines südlich von russland zu unterstützen. Um das zu verhindern, setzen die Russen einen Plan um, der in etwa 9/11 kopiert; nicht den Teil mit den Flugzeugen, dafür haben die Autoren eine andere, auch effektive Lösung gefunden, aber den Teil mit dem Werteverfall des Dollars im Anschluss an die Katastrophe. So schwer all das in Bilder zu packen ist – dauernd Skyscraper und Analysecharts – so zäh kommt das Drama in Gang.

Schöne Szenen, keine Angst

Und es ist eigentlich vorbei, kaum dass es begonnen hat. Dieses Jack-Ryan-Abenteuer hat Nailbiting-Szenen auf hohem Niveau. Das Dinner mit dem bösen Bankier und Jacks Freundin Cathy, während Jack einen Scoop landen muss, ist großes Kino und Jacks Durchbruch als CIA-Held, wenn er kurz mal sämtliche CIA-Spezialisten (und seine Freundin) mit seinen treffsicheren Analysen in mundtotes Staunen versetzt, ist einfach schön anzugucken. Aber das reicht im Kino nicht. Angst um irgendwen und irgendwas muss niemand zu keinem Zeitpunkt haben – es sei denn, wir ergehen uns in der naiven Vorstellung, dem russischen Bankier könnte es gelingen, die halbe Wall Street in Schutt und Asche zu legen. Das hat so ein bisschen was von James-Bond-Romantig aus den 70er Jahren – aber das waren, eben, die 70er.
Regisseur Kenneth Branagh, der mit wuchtigem Shakespeare („Viel Lärm um nichts“ – 1993; „Heinrich V.“ – 1989) zu Ruhm kam und zuletzt Thor (2011) auf die Siegesstraße führte, gibt den diabolischen Banker mit Russki-Akzent und Minderwertigkeitskomplex gepaart mit einem Alkoholproblem.

Die anderen Figuren sind austauschbar, aber hübsch anzusehen. Kevin Costner (Man of Steel – 2013; Thirteen Days – 2000; Aus Liebe zum Spiel – 1999; Message in a Bottle – 1999; Postman – 1997; Waterworld – 1995; Perfect World – 1993; JFK – Tatort Dallas – 1991; Der mit dem Wolf tanzt – 1990; Feld der Träume – 1989; No way out – Es gibt kein Zurück – 1987; Die Unbestechlichen – 1987) hat sich schon seit einiger Zeit auf die Rollen des knorrigen Profis eingeschossen, Chris Pine ist zurzeit immer erste Wahl, wenn ein junger, improvisationsfreudiger Held à la James T. Kirk gebraucht wird und Keira Knightley ist hier auf ihre Schönheit reduziert („Anna Karenina“ – 2012; Abbitte – 2007; Stolz & Vorurteil – 2005; „King Arthur“ – 2004; Tatsächlich … Liebe – 2003; Fluch der Karibik – 2003). Mehr bekommt sie kaum zu tun.

Eine TV-Serie auf Leinwand-Niveau

Der Film erinnert in seiner ganzen Machart – lahmer Einstieg, quälender Storyaufbau schöne, attraktive Menschen und effektive Sequenzen – an eine Hochglanz-TV-Serie. Sowas ähnliches soll das hier wohl werden, dre, vier Filme im Franchise auf der Leinwand. Da ist noch Luft nach oben, aber ob der Jack-Ryan-Mythos, dieser kalte Krieger aus den 1980er Jahren, noch das Potenzial für das digitale 21. Jahrhundert hat, lässt dieser Film hier nur erahnen.

Wertung: 4 von 8 €uro
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