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Plakatmotiv: Atlantis, der verlorene Kontinent (1961)
Zivilisationskritik in Technicolor.
Ein grandioses Spektakelkino.
Titel Atlantis, der verlorene Kontinent
(Atlantis: The Lost Continent)
Drehbuch Gerald Hargreaves + Daniel Mainwaring
Regie George Pal, USA 1961
Darsteller Sal Ponti (Anthony Hall), Joyce Taylor, John Dall, William Smith, Edward Platt, Frank DeKova, Berry Kroeger, Edgar Stehli, Wolfe Barzell, Jay Novello, Paul Frees u.a.
Genre Abenteuer, Fantasy
Filmlänge 90 Minuten
Deutschlandstart
5. Mai 1961
Inhalt

Der griechische Fischer Demetrios und sein Vater Petros retten eine Frau aus einem Schiffswrack. Die Frau ist Prinzessin Antillia. Sie verschweigt, dass sie aus Atlantis stammt, deren Bewohner eine technologisch hochstehende Zivilisation errichtet haben. Demetrios erklärt sich bereit, Antillia zurück nach Atlantis zu bringen. Bei seiner Ankunft wird er versklavt.

Plakatmotiv: Atlantis, der verlorene Kontinent (1961)Es stellt sich heraus, dass König Cronus von Zoran manipuliert wird. Zoran lässt sich dabei von dem Zauberer Sonoy helfen, der mit den Bodenschätzen von Atlantis die Welt erobern will …

Was zu sagen wäre

Eine prachtvoller Technicolorwuchtbrumme mit sanften Muskelmännern und harten Blauaugefrauen, die schon nach fünf Filmminuten Hasch-mich-ich-bin-der-Frühling spielen, und wo die kühle Schöne schon nach sechs Minuten poltert „Dieses Eine wirst Du niemals besitzen!“ Demetrios macht also einen Deal: „Sollten wir nach einem Monat das Land, von dem Du sprichst, nicht erreicht haben, dann kehren wir um und segeln wieder zurück. (…) Und wenn wir zurückgekehrt sind, gibst Du mir Deine Hand und wirst meine Frau. Versprichst Du mir das?“ „Das verspreche ich Dir, Demetrios.“ Das Leben in Hollywoods Spektakelkino ist so wunderbar einfach. Wenigsten ist die Kultur, aus der die schöne Fremde stammt, so viel weiter entwickelt als die der griechischen Fischer. Einmal zaubert sie eine Schale mit einem stoischen Fiusch darin hervor – „Er zeigt immer nach Norden!“ Die Atlantisgesellschaft hat schon einen Kompass, wo die Fischer bei wolken noch am Strand bleiben müssen. Und als die Fremde ihn vor der Zeit küsst, bläht der Wind ins Segel. Ein Schelm, wer da zweideutig denkt.

Plakatmotiv: Atlantis, der verlorene Kontinent (1961)Geht des dem Esel zu gut, geht er aufs Eis. „Ich war nicht immer ein Priester, mein Sohn. Vor vielen Jahren, als Atlantis noch ein Reich der Gerechtigkeit gewesen ist, war ich hier ein bedeutender Wissenschaftler. Aber ich zog mich zurück, als man anfing, unser großes Wissen für böse Zwecke zu verwenden. Und als man anfing, tote Götter zu schaffen, nur um das Volk zu betrügen! Deshalb werden wir zugrunde gehen.“ Das Drama einer jeden großen Zivilisation. „Wunder haben wir geschaffen, zum Wohl der Menschheit. Und dann haben wir sie in Ungeheuerlichkeiten verwandelt.“ Hallo Einstein und H-Bombe. Der Industriestaat begründet seinen Reichtum auf Sklavenarbeit und rätselhafte Wissenschaften, bei denen Menschen zerstört werden – Sonntagmorgenkritik in Cinemascope an der modernen Industriegesellschaft. „Das waren mal Männer, jung und stark wie Du.“ „Aber wie ist das möglich? Das waren MENSCHEN??“ „Wie das gemacht wird, das weiß ich nicht. Aber in diesem Land gibt es Grausamkeiten, die unvorstellbar sind. Ab und zu kommt es vor, dass einige der Sklaven von den Wachen weggeschleppt werden. Und wenn wir sie wiedersehen, sind sie zur Hälfte Tiere geworden.“ Als Tribut an diese Hybris versinkt Atlantis in einer Feuersbrunst, die aussieht, als seien hierfür Outtakes des Nero-verbrennt-Rom-Klassikers „Quo Vadis“ hergenommen worden.

George Pals Film lebt von seinem phantasievollen Design und dem überbordenden Eskapismus. Das ist nicht Doug McClure gegen Monster, etwa in „Caprona – Das vergessene Land“; das ist „Cleopatra“ in günstig.

Wertung: 6 von 7 D-Mark
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