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Kinoplakat: Der Soldat James Ryan
Spielbergs Drama
ist Krieg in 3D
Titel Der Soldat James Ryan
(Saving Private Ryan)
Drehbuch Robert Rodat
Regie Steven Spielberg, USA 1998
Darsteller Tom Hanks, Tom Sizemore, Edward Burns, Barry Pepper, Adam Goldberg, Vin Diesel, Giovanni Ribis, Jeremy Davies, Matt Damon, Ted Danson, Paul Giamatti, Dennis Farina,  Joerg Stadler, Max Martini, Dylan Bruno u.a.
Genre Kriegsfilm
Filmlänge 169 Minuten
Deutschlandstart
8. Oktober 1998
Website pvt.ryan.com
Inhalt
Ein älterer Mann besucht mit seiner Familie einen Soldatenfriedhof. Seine Gedanken gehen zurück …

… zurück zum D-Day, die Landung der Alliierten in der Normandie, 6. Juni 1944, der Sprung auf die Festung Europa, der Anfang vom Ende von Hitlers Tausendjährigem Reich des Schreckens. Omaha Beach, ein besonderer Strandabschnitt. Nirgendwo sonst sind die Verluste der Landungstruppen so groß. Die Einheiten liegen unter Sperrfeuer der deutschen Bunker-Festungen. Ein gnadenloses Gefecht. Unter denen, die den Sturm auf die Küste überleben, befindet sich auch Captain Miller, für den dieser Tag noch nicht zu Ende ist.

Mit dem Rest seiner Einheit, acht Mann, erhält er ein besonderes Kommando: Sie sollen einen hinter den feindlichen Linien abgeprungenen Fallschirmjäger namens James Ryan finden und in Sicherheit bringen. James Ryan ist einer von vier Brüdern, die allesamt in der US-Army dienen. Drei aber sind in den letzten beiden Wochen gefallen. James Ryan ist der letzte Überlebende. Die kleine Einheit macht sich auf den gefährlichen Weg, nicht ohne den Sinn und Zweck ihres Einsatzes zu hinterfragen.

„Warum das Leben von acht Mann riskieren, um einen zu finden?” „Warum einen Sohn seiner Mutter retten, wo doch jeder Soldat in diesem Krieg eine Mutter hat?”

Als Millers Einheit Ryan endlich findet, hält der mehr von Kameradschaft als von Rettung und verteidigt in einer Art Himmelfahrtskommando mit einer Handvoll Kameraden einen wichtigen Brückenkopf gegen herrannahende deutsche Panzertruppen …
Was zu sagen wäre

Regielegende Sam Fuller hat einmal erklärt, die einzige Möglichkeit, das echte Kriegsgefühl im Kino zu vermitteln, bestehe darin, mit einem Sturmgewehr ins Publikum zu schießen. Steven Spielberg hat mit „Saving Private Ryan” die nächst bessere Möglichkeit gewählt - kommt der Wahrheit des Gemetzels immerhin so nah, wie man ohne Mord am Zuschauer kommen kann.

Einer allein ist Munitionsverschwendung

Wenn sich am Omaha Beach die Klappen der Landungsboote öffnen, müssen sich die Soldaten in der ersten Reihe fühlen, wie die Christen damals im Circus Maximus, als die Löwengitter hochgezogen wurden. Die Landungsklappe ist nicht ganz unten, da ist den ersten Soldaten schon das Leben aus dem Leib geschossen. Autor Robert Rodat bündelt die Überlebensstrategie der Soldaten in dem trockenen Befehl: „Auseinander bleiben! Fünf Mann beieinander sind eine Gelegenheit. Einer alleine ist Munitionsverschwendung!” Spielberg inszeniert das Gemetzel auf der Leinwand über 20 Minuten. Und der Zuschauer ist mittendrin. Der Wahnsinn des Krieges.

Unter den Invasoren Captain Miller, der sein Gewehr in einer Plastiktüte vor Salzwasser und Strandsand schützt. Tom Hanks (That Thing You Do! – 1996; Apollo 13 – 1995; Forrest Gump – 1994; Philadelphia – 1993; Schlaflos in Seattle – 1993; Joe gegen den Vulkan – 1990; Meine teuflischen Nachbarn – 1989; big – 1988; Schlappe Bullen beißen nicht – 1987; Nothing in Common – 1986; Alles hört auf mein Kommando – 1985; Bachelor Party – 1984; Splash – Jungfrau am Haken – 1984) spielt ihn als wortkargen, loyalen Befehlsumsetzer, der seine Angst seinen Männern gegenüber nicht offenbaren darf. Die Szenen am Omaha Beach liefern unglaubliche Bilder. Es ist brutal. Spielberg inszeniert das ohne Blutrausch, erzählt von der Eroberung des Strandes, zeigt Gräuel, bleibt aber konsequent bei seiner Storyline (Strand erobern ohne zu sterben), ohne abzulenken. In aller unübersichtlichen Hektik liefert Janusz Kaminski austarierte Bilder in farbigem Sepia.

Schnitt.
Die Frauen bringen die menschliche Seite ins Rollen, die eigentliche Geschichte. Die ist eigentlich irrsinnig: Acht Soldaten werden hinter die feindlichen Linien geschickt, um einen Soldaten lebend nach Hause zu holen. Auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkrieges.

Viele Filme in einem Film

Das Script baut viele kleine Bögen. Etwa die Frage, ob jemand weiß, woher Captain Miller kommt, die immer wieder auftaucht und schließlich eine fulminant-moralische Auflösung erfährt. An anderer Stelle sehen die Soldaten des kleinen Kommandotrupps die Hundemarken Gefallener durch und benehmen sich dabei daneben wie versoffene Pokerspieler, während eine halbe Kompanie der Kameraden der Gefallenen zusieht … viele kleine Dramen im Drama. Der junge Übersetzer Upham, der die Rolle des unbedarften Teilnehmers für uns übernimmt, der mit Unverständnis in diese Kriegswelt schaut und zu spät die Brutalität des Krieges versteht, schließlich mehrere Kameraden auf dem Gewissen hat - er gibt dem Film ein verseuchtes Happy End, das den Film davor bewahrt, ins Fahnen schwenkende Fanfarische abgzugleiten. Großartig erzählt.

Spielberg versammelt die ganze Riege des jungen, talentierten Nachwuchses vor seiner Kamera, die in den Jahren nach Ryan Karriere machen sollten. Dazu kommen Haudegen wie Tom Sizemore (Heat - 1995), der dem Film das loyale Zentrum gibt - eine Type, auf die wir uns unbedingt verlassen können. Alle Soldaten bekommen ihre eigene Geschichte, wodurch sie wertvoller werden, einem ans Herz wachsen - und über allem schwebt ständig dieser Kugelhagel vom Anfang. Bald wird aus der amorphen Masse schreiender, schießender, brüllender Uniformen ein Trupp wagemutiger Kumpel auf absurder Mission. Das große Finale bildet dann die Verteidigung der „Brücke“ … ein kleiner Film im Film. Spielberg zitiert Bernhard Wicki und lässt dann auch noch Alamo dieses mal anders - richtig? - enden.

Geschickt lässt Spielberg in seiner Rahmenhandlung lange offen, wer da eigentlich wessen Grab besucht und damit die Frage, „wie geht die Geschichte aus?", „Hat sich die Suche gelohnt?"

„Der Soldat James Ryan" wurde bei der Oscar-Verleihung am 21. März 1999 fünfmal ausgezeichnet - unter anderem für die „Beste Regie". „Bester Film" wurde am selben Abend Shakespeare in Love.

Wertung: 10 von 11 D-Mark
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