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Plakatmotiv: Am wilden Fluss (1994)
Großes Abenteuerkino
für die große Leinwand
Titel Am wilden Fluss
(The River Wild)
Drehbuch Denis O'Neill
Regie Curtis Hanson, USA 1994
Darsteller Meryl Streep, David Strathairn, Kevin Bacon, John C. Reilly, Joseph Mazzello, Stephanie Sawyer, Elizabeth Hoffman, Victor Galloway, Diane Delano, Thomas F. Duffy, William Lucking, Benjamin Bratt, Paul Cantelon, Glenn Morshower u.a.
Genre Abenteuer
Filmlänge 111 Minuten
Deutschlandstart
26. Januar 1995
Inhalt

Es sollte ein entspannter Familienausflug für die Wildwasserführerin Gail, ihren Mann Tom und ihren Sohn Roarke werden. Doch dann treffen sie auf Wade und Terry, die behaupten mitten während der Raftigtour von ihrem Guide im Stich gelassen worden zu sein.

Die beiden bitten Gail sie durch die Stromschnellen des Flusses zu lotsen. Widerstrebend verspricht sie zu helfen. Zunehmend finden Gail und Tom das Verhalten von Terry und Wade merkwürdig und versuchen bei einem Zwischenstopp, ohne die beiden weiterzufahren. Als Terry dies bemerkt, zieht Wade seine Waffe und droht, Tom zu erschießen. Er sagt, dass er Gail brauche, um den Fluss hinunterzufahren, und Roarke, um sie unter Kontrolle zu halten, während Tom und der Hund unwichtig seien. Um dies zu unterstreichen, versucht er die Hündin zu erschießen, was diese jedoch durch ihre Flucht vereitelt.

Wade zerstört nun das zweite Boot, und sie setzen ihre Fahrt gemeinsam in einem Boot fort. Gail vermutet, dass die ursprünglichen drei verantwortlich für einen Überfall auf eine Viehauktion in der Nähe sind, von dem sie im Radio gehört hatte. Es stellt sich heraus, dass sie die Bootstour als Fluchtmöglichkeit benutzen und unterwegs Frank, ihren Führer, ermordet haben.

Statt wie geplant die Tour am Brydal Creek zu beenden, zwingt Wade die Gruppe, weiter in die Höllenschlucht zu fahren. In diesem Flussabschnitt ist das Rafting wegen der extrem gefährlichen Stromschnellen verboten …

Was zu sagen wäre

Zur modernen Familie gehört es, dass der Mann zu viel arbeitet, der Sohn ihn deswegen ablehnt und die Ehe mit der lebensfrohen Gattin deshalb auf der Kippe steht. Da braucht es manchmal erst die schroffe Wildnis, um festgefahrene Strukturen aufzubrechen. Curtis Hanson wählt einen reißenden Strom und ein paar Ganoven, um das Familienincentive zum Erfolg zu führen.

Dass das Drehbuch da noch eine Eifersuchtsgeschichte einbaut mit Gail und Wade, die nach zehn Minuten dann lediglich dazu dient, der dystopischen ehe zu ein paar Zärtlichkeiten zu verhelfen, mag dem männlichen Blick von Autor und Regisseur geschuldet sein – ebenso, dass sich Gail bei ihrem Mann entschuldigt, weil der glaubt, ihren Ansprüchen nicht gerecht zu werden, ist ein wenig platt.

Von derlei Küchenpsychologie abgesehen entwickelt Curtis Hanson einen spannenden Thriller im Fish-out-of-Water-Gewand - die Zivilisationskrücke in der wilden Natur in Auseinandersetzung mit dem wilden Tier. Dieses Tier gibt Kevin Bacon (Eine Frage der Ehre – 1992; JFK – Tatort Dallas – 1991; „Flatliners“ – 1990; „Im Land der Raketen-Würmer“ – 1990; „She's Having a Baby“ – 1988; „Footloose“ – 1984; American Diner – 1982; Freitag, der 13. – 1980). Bacon schafft es, innerhalb einer halben Stunde glaubhaft vom duften Kumpel zum gemeingefährlichen Killer zu mutieren, der Angst macht – auch wenn offensichtlich ist, wie die Geschichte ausgeht; deshalb sind die Bilder von Robert Elswitt so wichtig. Elswit rahmt die Wildnis mit seiner Kamera in großartige Panoramen ein – schroffe Felsen, grüne Wälder und der reißende Strom. Das hat Filmkomponist Jerry Goldsmith so sehr an seinen Rambo-Score erinnert, dass er große Anleihen daran genommen hat.

Was über die Naturaufnahmen den Film spannend macht, ist, dass Meryl Streep die Rolle des Retters hat, während die Männer unterschiedlich belastbare Mitreisende sind. Sichtbar hat sich Streep sehr genau vorbereitet (Das Geisterhaus – 1993; „Der Tod steht ihr gut“ – 1992; „Die Teufelin“ – 1989; Jenseits von Afrika – 1985; Kramer gegen Kramer – 1979; Manhattan – 1979; „Die durch die Hölle gehen“ – 1978). In den Anfangsszenen rudert sie ein schmales Skiff so elegant, als mache sie das seit Jahren, im Schlauchboot wirkt sie, als habe sie jederzeit alles unter Kontrolle. Joseph Mazzello (Jurassic Park – 1993; Aus Mangel an Beweisen – 1990), der Sohn Roarke spielt, bemüht sich um Renitenz und Klein-Jungen-Begeisterung. David Strathairn schließlich, der den Bürodaddy spielt, der unverhofft zum Actionman mutiert, rundet die kluge Besetzung ab („Die Firma“ – 1993; „Passion Fish“ – 1992; Sneakers – Die Lautlosen – 1992; „Bob Roberts“ – 1992; „Eine Klasse für sich“ – 1992).

Ein Abenteuerfilm für die große Leinwand, der selten geworden ist in Zeiten großer Special-Effects-Filme und zynischer Gewaltorgien.

Wertung: 8 von 10 D-Mark
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