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Kinoplakat: Anonymus
Intrigen bei Hofe - schmutzig und süffig
und ein bisschen Verschwörungsposse
Titel Anonymus
(Anonymous)
Drehbuch John Orloff
Regie Roland Emmerich, UK, Deutschland, USA 2011
Darsteller Rhys Ifans, Vanessa Redgrave, Derek Jacobi, Sebastian Armesto, Rafe Spall, David Thewlis, Edward Hogg, Xavier Samuel, Sam Reid, Jamie Campbell Bower, Joely Richardson, Paolo De Vita, Trystan Gravelle, Robert Emms u.a.
Genre Drama, Historie
Filmlänge 130 Minuten
Deutschlandstart
10. November 2011
Inhalt

Wer war William Shakespeare? Wir befinden uns im England Ende des 16. Jahrhunderts; es sind die letzten Lebensjahre von Königin Elizabeth I.. Bei Hofe entbrennt ein Machtkampf um die Nachfolge der Königin. Elizabeth will den Schotten Jakob, Sohn der verhassten Maria Stuart auf den Thron heben. Ihr engster Berater, William Cesil, aber hat insgeheim seit Jahren längst ganz andere Nachfolgepläne.

Von den Intrigen bei Hofe nur mäßig beeindruckt erfreut sich das Volk bei Theater und Wein in London. Ben Jonson und William Shakespeare heißen hier die weithin unbekannten Stars der Szene. Sie schreiben Alltägliches, liefern, was man 300 Jahre später Boulevard-Theater nennen wird. Das Volk amüsiert sich, lacht verstohlen über den ein oder anderen Witz, der die Großkopferten lächerlich macht und empört sich, wenn Soldaten deshalb das Theater mal wieder schließen.

Unter den regelmäßigen Zuschauern sitzt Edward de Vere, Earl of Oxford und leidenschaftlicher Autor von Dramen; bedauerlicherweise gilt das Schreiben von Draman damals nicht als standesgemäß und so verstauben allerlei Kleinode in de Veres Regal. Als wieder einmal das Theater von Soldaten gestürmt wird, wird de Vere die Macht des Wortes über die Macht des Schwertes klar und fasst einen kühnen Plan. Ein anderer soll seine, de Veres, Stücke unter seinem Namen auf die Bühne bringen.

Schon bald sorgt ein lebensnahes, leidenschaftliches Drama um Heinrich V. für Aufmerksamkeit. In dichter Folge erscheinen romantische Werke wie „Romeo & Julia”, Königsdramen wie „Macbeth”, Leichtes wie „Ein Sommernachtstraum”. Und als Autor wird ein bis dato weithin Unbekannter gefeiert: William Shakespeare …

Was zu sagen wäre

Kann ein Kinofilm, in dem zu Beginn der große Shakespeare-Mime Derek Jacobi (The King's Speech – 2010; „Underworld: Evolution” – 2006; Gladiator – 2000; „Hamlet” – 1996; „Der Schrecken der Medusa” – 1978) eine Bühne betritt, ganz schlecht sein? Noch dazu, wenn er mit seinem kraftvollen Bariton zu einer phantastischen Räuberpistole ausholt? Natürlich nicht.

Und Roland Emmerich, der dieses Verschwörungsspektakel am Hofe Elizabeths I. dann inszeniert, weiß auch, wie Kino geht (2012 – 2009; The Day after Tomorrow – 2004; Godzilla – 1998; Independence Day – 1996). Zusammen mit seinem Autor John Orloff entwirft er eine phantastische Posse um Intrigen bei Hofe Elizabeths und versammelt die halbe Royal Shakespeare Company vor der Kamera, die sich mit Lust und Wonne very british austobt. Rhys Ifans (Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – 2010; „Radio Rock Revolution” – 2009; „Elizabeth – Das goldene Königreich” – 2007; „Hannibal Rising – Wie alles begann” – 2007; Schiffsmeldungen – 2001; Notting Hill – 1999) gibt einen formidablen Oxford, Vanessa Redgrave ist eine großartige Elizabeth. Dazu entwerfen Emmerichs Kulissenschieber um Sebastian Krawinkel ein düsteres Tudor-England und seine Kamerafrau Anna Foerster liefert den Kerzenschein dazu. Wunderschöne Bilder sind da zu sehen, während Verschwörung und Hochverrat die Bühne mit Drama füllen.

„Anonymus” folgt der sogenannten Oxford-Theorie, die besagt, dass Edward de Vere der eigentliche Autor sei. Schließlich kombiniert der Film beide Teile der Prince-Tudor-Theorie: Darin wird angenommen, dass Edward de Vere aus einer Liebschaft der jungen Elizabeth hervorging und in Unkenntnis seiner Abstammung als Erwachsener zum Geliebten der Königin wurde und mit ihr wiederum einen Sohn, Henry Wriothesley, 3. Earl of Southampton, zeugte.

Ob historisch was dran ist an der Geschichte, darüber mögen Historiker streiten. Fulminant, saftig und fruchtbar ist sie allemal und Emmerich macht daraus großes Kino. John Orloff verfasste das Skript in den späten 1990er Jahren. Nachdem Shakespeare in Love im Jahr 1998 erschien, lag Orloffs Skript auf Eis. Emmerich stieß erst über das Skript von Orloff auf die Debatte um die Autorschaft der Shakespeare-Werke. Derek Jacobi und Mark Rylance gehörten bereits vor der Entstehung des Films zu den prominenten Vertretern der Oxford-Theorie in Großbritannien.

Wertung: 6 von 7 €uro
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