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Kinoplakat: An jedem verdammten Sonntag
Hart, dynamisch, packend
ein typischer Oliver-Stone-Film
Titel An jedem verdammten Sonntag
(Any given Sunday)
Drehbuch Oliver Stone + Daniel Pyne + John Logan
Regie Oliver Stone, USA 1999
Darsteller Al Pacino, Cameron Diaz, Dennis Quaid, James Woods, Jamie Foxx, LL Cool J, Matthew Modine, Charlton Heston, Ann-Margret, Jim Brown, Lawrence Taylor, Bill Bellamy, Andrew Bryniarski, Lela Rochon, Lauren Holly, Aaron Eckhart u.a.
Genre Drama
Filmlänge 162 Minuten
Deutschlandstart
9. März 2000
Inhalt

Egal, was Du erreicht hast, egal, was Du tust … es gibt immer einen Jüngeren, Schnelleren und Stärkeren, der nur auf seine Chance zum Überholen wartet.

Das ist die Wahrheit, mit der Football-Trainer Tony D'Amato am Wendepunkt seines Lebens fertig werden muss. Vier Jahre ist es her, dass D'Amatos Team, die „Miami Sharks” zwei mal hintereinander den Pantheon-Cup, die nationale Meisterschaft gewonnen hat. Aber im Leben der Profis sind vier Jahre eine Ewigkeit. Heute kämpft seine Mannschaft nach drei Niederlagen in Folge mit schwindender Aufmerksamkeit, hämischen TV-Kommentatoren und Lokalpolitikern, die ein siegreiches Heimteam so dringend für ihre Wiederwahl brauchen und mit alternden Football-Helden, insbesondere mit dem 39jährigen Quarterback Jack „Cap” Rooney, der sich verzweifelt an das klammert, was ihm als Spieler noch bleibt.

Außerhalb des Trainigsgeländes hat es D'Amato mit Christina Pagniacci zu tun, der neuen Präsidentin und Miteigentümerin der „Sharks” – der Kollisionskurs ist bereits programmiert. Anders als ihr alter Vater, der noch an die hehren Werte im Sport glaubt, managt Christina die „Sharks” als Rädchen im Getriebe der modernen Welt des Sports: ”Wertvoll sind nur profitable Teile des Unternehmens, die sich in Medien, Werbung und bei Sponsoren gewinnbringend vermarkten lassen.” Eine Verlierertruppe bedeutet, dass Investoren abspringen.

Christina mag neu in der Männerwelt des American Football sein, aber je tiefer die Krise der „Sharks”, desto mehr Erfahrung sammelt sie und niemand mag ausschließen, dass sie zu einer Naturgewalt in der modernen Welt des Profisports wird. Cap Rooney, Quarterback und Symbol für die große Vergangenheit der „Sharks”, wird mitten im Niedergang des Vereins von den Schuhen gehauen – schwer verletzt fällt er mehrere Wochen aus, das Erreichen der Play-Offs rückt in weite Ferne. Das ist die Chance für den unerfahrenen Willie Beamen, der sich als erstes einmal auf dem Platz vor einem Millionen-Publikum aus lauter Nervosität übergibt.

Das hält ihn aber andererseits nicht davon ab, nach einigen wenigen Stolperern durch ausgefeilte, überraschende Spielzüge auf sich aufmerkasam zu machen und die „Sharks” in die Play-Offs zu swerfen. Beamen allerdings hat ein Problem: Er spricht seine Spielzüge weder mit den Mannschaftskameraden noch mit dem Trainer ab und bleibt Einzelgänger, der sich zu Höherem berufen fühlt. Stolz pilgert er von Titelblatt zu Titelblatt, erfreut sich der Unterstützung seiner Präsidentin, die in ihm die Rettung der „Sharks” erkennt. Aber seine Arroganz ärgert das Team – im entscheidenden Spiel lassen seine Kameraden Beamen im regen stehen.

DVD-Cover (US): Any given SundayEine Standpauke von D'Amato, der Beamen die hehren Werte des traditionellen Mannschaftssports zu vermitteln versucht, geht nach hinten los und zum ersten Mal muss D'Amato seine jahrelang hochgehaltenen Ideale in Sachen Freundschaft und Loyalität in Frage stellen und sich auch im Kampf gegen sein eigenes Präsidium bewähren.

Christina Pagniacci ihrerseits muss erkennen, dass beim Football nicht von ungefähr von einer Männerwelt gesprochen wird …

Was zu sagen wäre

Egal, was Du erreicht hast, egal, was Du tust … es gibt immer einen Jüngeren, Schnelleren und Stärkeren, der nur auf seine Chance zum Überholen wartet.

Klingt vielleicht abgeschmackt, aber man könnte den Eindruck haben, Stone habe diesen Football-Film als Parabel auf seine eigene Karriere gedreht. Der ehemalige Oscar-Abräumer hatte sich in Hollywood durch sein wilides Treiben kaum Freunde gemacht und war bei erster Gelegenheit an den Rand gedrängt worden; JFK - Tatort Dallas und vor allem „Natural Born Killers” hatte nicht nur Bewunderer. Plötzlich zählten seine Erfolge nicht mehr. Plötzlich buk Stone kleinere Brötchen, von denen das vorliegende Football-Drama schon wieder ein größeres ist.

Sein Portrait der harten Football-Welt ist Dynamik pur. Die ersten 45 Minuten sortieren sich Handlung, Spiele, Figuren aus einem ähnlich chaotischen Gewurl, wie es das auf dem Spielfeld ist. Der Film ist unglaublich schnell, hart, kerlig – auch Cameron Diaz (Being John Malkovich – 1999; Very Bad Things – 1998; Verrückt nach Mary– 1998) ist ein Kerl mit einem herrschaftlich knurrigen Charlton Heston an der Spitze (Die Mächte des Wahnsinns – 1994; True Lies – 1994; U-Boot in Not – 1978; „Schlacht um Midway“ – 1976; Erdbeben – 1974; Airport '74 – Giganten am Himmel – 1974; Jahr 2022… die überleben wollen – 1973; „Der Omega-Mann“ – 1971; Planet der Affen – 1968; Der Verwegene – 1967; El Cid – 1961; Ben Hur – 1959; Weites Land – 1958; „Im Zeichen des Bösen“ – 1958; Die zehn Gebote – 1956; Am fernen Horizont – 1955). Und dann schälen sich die Fäden heraus. Anfangs ist es die Jagd nach Punkten, dann kommt das Thema „alt gegen neu“ hinzu, Mann gegen Frau und es gibt das Drama um Willy Beamen, der schmerzhaft lernen muss, dass ein Mannschaftssport kein Sport für egozentrische Einzelgänger ist. Football als rasend geschnittene Metapher auf den ewigen Wandel der Zeit.

Erst nach eineinhalb Stunden bremst Stone den Film runter auf fast Tempo Null – an dieser Stelle hat Coach d'Amato seine Lebenskrise. Er ist das Herz des Films, des Teams – hat er eine Krise, gehen Film und Team nicht weiter. Eine auf-den-Leib-geschrieben-Rolle für Al Pacino (Insider – 1999; Im Auftrag des Teufels – 1997; City Hall – 1996; Heat – 1995; „Carlito's Way“ – 1993; Der Duft der Frauen – 1992; „Frankie und Johnny“ – 1991; Scarface – 1983; Hundstage – 1975; Der Pate – 1972). Zum Höhepunkt hin zieht Stone wieder an. Die Montage ist schneller – in Schnitt, in Dialog, in Szenenwechsel, im Soundtrack; Stone hat sein feines Gespür fürs Timing häufig gezeigt.

Es wäre aber kein Stone-Film (U-Turn – Kein Weg zurück – 1997; „Nixon” – 1995; Zwischen Himmel und Hölle – 1993; The Doors – 1991; Geboren am 4. Juli – 1989; „Talk Radio“ – 1988; Wall Street – 1987; Platoon – 1986; „Salvador“ – 1986), formulierte er nicht ätzende Kritik. Dennis Quaid (Leben und lieben in L.A. – 1998; „Power of Love“ – 1995; „Grüsse aus Hollywood“ – 1990; Great Balls of Fire – 1989; D.O.A. – Bei Ankunft Mord – 1988; Die Reise ins Ich – 1987; „The Big Easy“ – 1986; Enemy Mine – Geliebter Feind – 1985) gibt in diesem Drama das Scharnier zwischen Gestern und Morgen erstaunlich gereift. Sein Football-Film gibt Oliver Stone Gelegenheit, eine Breitseite gegen die Kommerzialisierung des Fernsehens zu schießen – doofe, eitle Reporter und die bittere Erkenntnis: „Als sie das erste Mal das Spiel unterbrochen haben, um einen Werbespot zu bringen … das war das Ende des Spiels.

Bei den Miami Sharks handelt es sich um eine fiktive Mannschaft. Auch den Pantheon-Cup gibt es nicht. Die Mächtigen der „National Football League“ (NFL) konnten sich mit Stones Projekt nicht anfreunden. Nach mehreren Gesprächen einigte man sich, dass man sich nicht einig sei, eine Unterstützung durch die NFL fiel aus. Stone und seine Produzenten erfanden eine ganze eigene Footballliga, die „Associated Football Franchises of America“ (AFFA). Dennoch tauchen viele Größen des modernen Footballs im Film auf.

Eine wunderschöne Rolle hat Jim Brown als Coach Montezuma Monroe, der nur eine Tonlage kennt: motivierendes Ausbildergeschrei; und eine Szene mit Al Pacino am Tresen einer Bar. Sehr schön.

Wertung: 9 von 11 D-Mark
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