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Kinoplakat: Abyss – Abgrund des Todes
In James Camerons Meerestiefen steckt mehr
Weltraum als in manchem Perry Rhodan
Titel Abyss – Abgrund des Todes
(The Abyss)
Drehbuch James Cameron
Regie James Cameron, USA 1989
Darsteller Ed Harris, Mary Elizabeth Mastrantonio, Michael Biehn, Leo Burmester, Todd Graff, John Bedford Lloyd ,J.C. Quinn, Kimberly Scott, Captain Kidd Brewer Jr., George Robert Klek, Christopher Murphy, Adam Nelson, Dick Warlock, Jimmie Ray Weeks, J. Kenneth Campbell u.a.
Genre Abenteuer, Fantasy
Filmlänge 164 Minuten
Deutschlandstart
28. September 1989
Inhalt

Als wäre das Leben nicht schon auch so eine Mühe, jetzt kommen auch noch Militärs runter auf die „Deepcore“. Die Besatzung der kommerziellen Tiefseestation muss sich wohl oder übel fügen. Ein Atom-U-Boot ist verloren gegangen. Die Umstände des Vorfalls sind mehr als rätselhaft. Das US-Militär will es gerne zurückhaben – schon der atomaren Sprengköpfe wegen. Aber auch, um rauszukriegen, ob die Russen hinter dem Unglück stecken. Das U-Boot ist abgesackt – einige hundert Meter in die Tiefe.

Hier kommt „Deepcore“, die Tiefseestation, ins Spiel, die hier unten arbeitet. Sie soll den Spezialtauchern der Marines als Basis dienen. Dass der Anführer der Marines so tief unter dem Meeresspiegel durchdreht, erleichtert die Situation nicht. Ausgerechnet hier unten taucht etwas Unbekanntes auf. Das heißt, man weiß es nicht so genau. Lindsey behauptet, „etwas gesehen” zu haben – kann aber nicht sagen, was und glaubt sich selbst nicht so recht. Zumal hier unten Bud Brigman das Sagen hat, der nicht zufällig denselben Nachnamen trägt wie Lindsey.

Sie, Lindsey, ist gerade dabei, sich von ihm, Bud, scheiden zu lassen. Da ist es schwer, sowas zu sagen wie „Ich habe einen Engel gesehen!” Aber genau das hat Lindsey gesehen: einen Engel …

Was zu sagen wäre

Ein hemmungsloser Gruß an die wahre Intelligenz, die – irgendwo da draußen – existieren muss; anders wäre das Leben doch nicht zu ertragen. James Cameron zeigt gerne breitbeinig, was er hat und kann. Wahrscheinlich ist es gar kein Zufall, dass „Bud” Brigman mit seinem wahren Vornamen, „Virgil”, nur einen Buchstaben entfernt ist von „viril” (=„männlich”). Bei Cameron dürfen Frauen und Männer gleichberechtigt nebeneinander ihren Mann stehen. Und sie liegt ihm am Ende zu Füßen, weil er eben doch noch einen Schritt heldenhafter war, als sie. Und selbstverständlich siegt am Ende der Bauch über den Kopf, das Gefühl über den Verstand. „The Abyss” ist Camerons Sehnsucht nach dem großen Bruder, der die bessere Welt aus der Tasche holen wird.

Das Personal ist bekannt. Es könnten die Überlebenden unter Ripleys Kommando aus der 1986er-Version der Alien-Saga sein: versetzt aus dem All in die Tiefen des Meeres, aber da hat Cameron, der leidenschaftliche Taucher, noch nie so genau unterschieden. James Cameron beschäftigt sich nach Aliens (1986) diesmal mit freundlichen außerirdischen Lebewesen, die ihr Domizil in einer Tiefseespalte haben. Der aufwändig gemachte SciFi-Thriller zieht seine Spannung vor allem aus dem gespannten Verhältnis der Arbeiter-Crew mit den Militärs. Cameron nutzt die klaustrophobischen Zustände in der Unterwasser-Station für packende Actionszenen und dramatische Konflikt-Situationen.

Cameron dreht gerne lange Filme, zweieinhalb-Stunden-Filme. Notfalls verlängert er im Nachhinein, für eine nochmalige Auswertung bereits erschienener Filme. Es gibt Langfassungen von Terminator 2 – Tag der Abrechnung (1991) und Aliens – Die Rückkehr. Jedesmal rundeten die actionarmen Szenen Figuren oder Handlungsstränge ab. Bei „The Abyss” ist das anders: Die zuvor wirre und naiv-träumerische Mär von pinkfarbenen Aliens in lustigen Raumfähren bekam durch die 30 Minuten an zusätzlichen Bildern und Szenen eine neue Qualität, die den Film in ein erzählerisches Gleichgewicht bringen. Rückblickend betrachtet ist der Film – im Gegensatz zu den zeitlosen Terminator- und Alien-Figuren – eher ein Produkt jener 1980er Jahre mit ihrem Glauben an das fröhliche Anything Go. Im Umfeld des Filmstarts wurde zurecht die Film-Trick-Technik hervorgehoben, Camerons virtuoses Handwerk beschrieben. Die Story selbst ist in ihrer Naivität etwas anstrengend.

Wertung: 8 von 10 D-Mark
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