Kinoplakat: Zettl
Dietls Skandale haben
die 80er nie verlassen
Titel Zettl
Drehbuch Helmut Dietl + Benjamin von Stuckrad-Barre
Regie Helmut Dietl, Deutschland 2012
Darsteller

Michael Herbig, Karoline Herfurth, Senta Berger, Dieter Hildebrandt, Götz George, Dagmar Manzel, Ulrich Tukur, Harald Schmidt, Gert Voss, Sunnyi Melles, Hanns Zischler, Christoph Süß, Katy Karrenbauer, Jens Eulenberger, Ulrike Arnold u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 109 Minuten
Deutschlandstart
2. Februar 2012
Inhalt

Max Zettl ist ein ehrgeiziger Mann; für seine Karriere geht er über Freund, Geliebte und Oma. Das Glück meint es gut mit ihm und durch eine Aneinanderkettung von Zufällen steigt er binnen kürzester Zeit vom Chaffeur zum Chefredakteur eines Klatschmagazins auf.

Gemeinsam mit dem Fotoreporter Herbie Fried schleicht er durch Berlins Szene auf der Suche nach den schmutzigsten Stories der Stars. Doch dann fällt ihm eine Geschichte in die Hände, die mit seinem gewohnten Metier, das sich um Krampfadern und vermeintliche Schwangerschaften von Promis dreht, so gar nichts zu tun hat: Er deckt einen riesigen politischen Skandal auf …

Was zu sagen wäre

Helmut Dietl hat eine Art Sequel zu seinem TV-Erfolg „Kir Royal“ (1986) gedreht. Baby Schimmerlos ist aber nicht mehr dabei. Franz Xaver Kroetz hatte von seinem Schimmerlos eine andere Vorstellung als Dietl, es gab Krach und Kroetz flog; im Film nun ist er an zu viel Alkohol in zu viel Straßenverkehr gestorben. Nun rutscht also der Chauffeur ins Rampenlicht und was der so alles erlebt im Berlin der Nuller Jahre, das war im München der 80er Jahre auf dem 4:3-Bildschirm meistens sehr lustig und überraschend.

Im Kino des 21. Jahrhunderts legt Dietl mit seinem Klatschreporter-Konzept eine – edel gefilmte – Bauchlandung hin. Wenn der Hubschrauber des Schweizer Milliardärs zu den Klängen von Sinatras New York, New York vor der Berliner Skyline landet, merkt man erstmal: Kaum jemand hat es so drauf wie Helmut Dietl („Vom Suchen und Finden der Liebe“ – 2005; Late Show – 1999; Rossini, oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief – 1997), einer durchschnittlich hässlichen Stadt wie Berlin ein derartiges Weltstadtflair in nur einem Bild zu geben. Sinatra, Hubschrauber, Skyline = Weltstadt. Plump, aber so plump funktioniert Bildsprache.

Dietl hat drauf, wo andere sich in verschachtelte Wackelkamerabilder flüchten. Das und seine Fähigkeit, jeden – wirklich jeden – vor seine Kamera zu holen, selbst Götz George für die Nebenrolle eines versoffenen Kanzlers, machen seine Filme zu einem interessanten Event; das dann und wann dann eben schief geht. In diesem Fall geht es schief, weil in diesem Fall kein einziger echter Mensch vor der Kamera steht.

Da sind nur dargestellte Karikaturen – der ehrgeizige, aber naive Aufsteiger, der Milliardär, der eigentlich längst pleite ist, das brave Mädchen mit Herz, dass seine Vagina an die Mächtigen der Republik verkauft, Harald Schmidt als schwäbelnder, halbglatziger Ministerpräsident mit Träumen vom Kanzleramt, ein Mannweib mit Kanzlerambitionen, ein versoffener Kanzler, der verschlagene Chef der Privatklinik, und und und … der Lemuren sind ohne Zahl und irgendwann ist es ermüdend, noch eine Scharade zu erleben.

Der kleine Mann von der Straße möchte gerne glauben, dass es so verrucht im Kreise der Mächtigen zugeht, aber eben, weil er das glauben möchte, scheint die Darstellung des verruchten – eben – naiv; nein, so funktioniert auch die Berliner Republik nicht; dass es die eitlen Pfauen gibt und die gebotoxten Talkshow-Häschen – keine Frage. Aber ohne deren ernste Gegengewichte bleibt diese Hochglanz-Komödie schal.

Wertung: 4 von 8 €uro