Kinoplakat: World War Z
Eine Apocalypse, der
die Geschichte fehlt
Titel World War Z
(World War Z)
Drehbuch Matthew Michael Carnahan + Drew Goddard + Damon Lindelof + J. Michael Straczynski
nach einem Roman von Max Brooks
Regie Marc Forster, USA, Malta 2013
Darsteller

Brad Pitt, Mireille Enos, Daniella Kertesz, James Badge Dale, Ludi Boeken, Matthew Fox, Fana Mokoena, David Morse, Elyes Gabel, Peter Capaldi, Pierfrancesco Favino, Ruth Negga, Moritz Bleibtreu, Sterling Jerins, Abigail Hargrove u.a.

Genre Thriller, Horror
Filmlänge 116 Minuten
Deutschlandstart
27. Juni 2013
Inhalt

Zunächst sind da nur Meldungen in den Nachrichten – Vogelgrippe in Asien, ein Virus in Afrika, das übliche Grundrauschen täglicher Alarmmeldungen, die mit unserem Alltag nichts zu tun haben. Als die Meldungen sich zur Katastrophe verdichten, sind die Wilden auch schon überall in der Stadt. Wen sie beißen, der wird einer von ihnen.

Das ist in Philadelphia nicht anders, als anderswo. Hier lebt Gerry Lane mit Frau und zwei Töchtern. Gerry hat früher für die UNO in Krisengebieten gearbeitet. Das gibt ihm jetzt einen gewissen Schutz. die UNO braucht nämlich seine Hilfe im Kampf gegen die … Seuche. Dafür erhält seine Familie sicheren Schutz auf einem Flugzeugträger draußen vor der Küste; da, wo die Wesen, die nun offiziell „Zombies“ genannt werden, nicht hinkommen.

Gerry reist mit ein paar Marines nach Südkorea. Dort wird Patient Zero vermutet, der erste Träger des Virus. Aber in südkorea findet er nur noch ein paar Soldaten auf einem US-Stützpunkt; und den Tipp, nach Jerusalem zu fliegen. Warum hätten die eine Woche nach Ausbruch der Seuche wohl schon eine große Mauer um jerusalem fertig gebaut gehabt. Was wussten die Israelis.

Gerry fliegt nach Jerusalem. Mitten hinein in die Apocalypse …

Szenebild aus World War Z: Zombies erklimmen die Mauer vor Jerusalem

Was zu sagen wäre

Der Film hat nicht wirklich eine Geschichte. Er interessiert sich auch nicht für die Menschen, die in ihm auftauchen. Sie werden eingeführt und getötet oder sind gerade so lange von Belang, bis sie einen Sachverhalt verdeutlicht haben. Marc Forster, der Regisseur, der Halle Berry in Monster‘s Ball (2001) zum Oscar gebracht hat, interessiert sich für die Apokalypse als solche. Er zeigt ikonografische Bilder des Horrors, der folgt, wenn die menschliche Zivilisation sich auf „Leben oder Sterben“, auf „Fressen oder gefressen werden“ reduziert und kühl Menschen in den Tod schickt zum Erhalt des Großen Ganzen.

Der Ansturm der Zombies als Metapher auf Flüchtlingsbilder

„Die Natur ist ein Serienkiller“, sagt ein junges Harvard-Genie im Film und referiert dann über die Eitelkeit des Serienkillers, der Spuren versteckt, über die er erkannt und erwischt werden will. Und so mache die Natur das auch. Der Harvard-Junge ist überzeugt, dass die Natur irgendwo einen Hinweis, einen Brotkrumen auf das Mittel gegen die Zombies versteckt hat. Spricht's, rutscht aus, bricht sich das Genick – die Rolle ist nicht weiter wichtig. Brad Pitt (Moneyball– 2011; Inglourious Basterds – 2009; Der seltsame Fall des Benjamin Button – 2008; „Babel“ – 2006; Troja – 2004) hat verstanden und wir wissen, er wird diese Brotkrumen finden und die Menschheit retten. Hätte er nicht zwei so reizende Töchter und so eine patente Ehefrau, die Hollywood keinesfalls mit einem toten Gatten/Vater bestrafen kann, könnte man glatt so etwas wie Angst um den smarten Ex-UN-Mann haben.

Als die Zombies Jerusalem einnehmen, inszeniert Marc Forster (James Bond – Ein Quantum Trost - 2008; „Drachenläufer“ – 2007; „Schräger als Fiktion“ – 2006) das als Run der mordenden Massen auf die zivilisierte Gesellschaft, die dem Sturm nichts entgegenzusetzen hat – neben den täglichen Bildern von ertrunkenen Flüchtlingen aus Afrika vor der Küste der EU darf der Kinozuschauer diesen Zombieansturm durchaus als Matapher auf den Ansturm der Afrika-Flüchtlinge verstehen.

Der Weltenretter braucht nicht einmal Erlösung

Da birgt es einen gewissen Zynismus, dass Forsters zentrale Familie Lane die Nachrichtenbilder zu Beginn des Films ebenso gleichgültig verfolgt, wie die Mitteleuropäer die Bilder toter Flüchtlinge vor Lampedusa. Bis es zu spät ist und die Massen das Land einfach überrollen. Forster inszeniert die Untoten wie einen Virus – schnell und unaufhaltsam verbreitet sich das Zombietum über unsere Städte. Das interessiert Forster. Das will er zeigen. Und das zeigt er mit Wucht und Tempo und immer wieder Fingernagelknabber-Spannung.

Die Geschichte drumherum dient nur dazu, diese wuchtig inszenierten Bilder verkaufen zu können. Dazu nutzt Forster die rudimentäre Struktur des Dreiakters – Held will seine Ruhe, will die Familie schützen, wird durch äußere Umstände in den Kampf gezwungen, setzt sein Leben für die Menschheit aufs Spiel (er hält sogar einen Zettel in eine Überwachungskamera: „Sagt meiner Familie, dass ich sie liebe“), rettet die Menschheit und wird … naja, der klassische Held wird am Ende erlöst. Dieser hier muss von nichts erlöst werden. Jedenfalls von nichts, von dem wir wüssten.

Leerstelle im Zentrum und andere Randerscheinungen

Bei Brad Pitts Charakter wird nicht klar, was ihn für den stellvertretenden Generalsekretär der Vereinten Nationen eigentlich so einzigartig macht, dass er ausgerechnet ihn bekniet, zu helfen. Das, was Gerry Lane in der Folge tut, könnte jeder Wissenschaftler mit Krisengebietserfahrung, jedes Mitglied der „Ärzte ohne Grenzen“ wahrscheinlich auch tun. Mehr als dass er seinen Töchtern jeden Morgen Pfannkuchen macht, seine Familie liebt und den ominösen Job bei der UNO hingeschmissen hat, erfahren wir während des ganzen Films nicht. Die anderen Personen sind Randerscheinungen, aus der die israelische Schauspielerin Daniella Kertesz herauslugt, die eine Soldatin mit dem schönen Namen Segen spielt und so eine Art cooler Sidekick des Helden wird. Am Ende ist aber auch Segen egal – und aus der Geschichte verschwunden. Da ist sie wie der Film. Wenn der Vorhang fällt, ist der Film vergessen; bis auf ein paar Bilder.

Wertung: 3 von 7 €uro