Kinoplakat: Magic in the Moonlight
Woody Allen nimmt
eine Sommerfrische
Titel Magic in the Moonlight
(Magic in the Moonlight)
Drehbuch Woody Allen
Regie Woody Allen, USA 2014
Darsteller

Colin Firth, Emma Stone, Simon McBurney, Hamish Linklater, Eileen Atkins, Catherine McCormack, Ute Lemper, Antonia Clarke, Natasha Andrews, Valérie Beaulieu, Peter Wollasch, Jürgen Zwingel, Wolfgang Pissors, Sébastien Siroux, Simon McBurney, Eileen Atkins, Erica Leerhsen, Jeremy Shamos, Hamish Linklater u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 97 Minuten
Deutschlandstart
4. Dezember 2014
Website woodyallen.com
Inhalt

Der angesehene Illusionist Stanley wird in den 1920er Jahren an die Côte d’Azur beordert, um dort einen Schwindel aufzudecken: An der französischen Mittelmeerküste treibt die vermeintliche Wahrsagerin Sophie ihr Unwesen und zieht mit ihren Prophezeiungen den Reichen und Schönen das Geld aus den prallgefüllten Taschen.

Um den Fall zu lösen, stürzt sich der englische Gentleman in das ausschweifende Leben der dekadenten Oberschicht. Neben dem Luxus in Form von pompösen Villen und exzessiven Partys mit jeder Menge Jazzmusik ist es vor allem die attraktive Hellseherin, die Stanley zunehmend den Kopf verdreht. Al

sich Sophie und Stanley langsam näherkommen, beginnt sogar der Meisterillusionist selbst daran zu zweifeln, dass die junge Dame eine Betrügerin ist …

Was zu sagen wäre

„Ich komme gerne in die Provence. Da war ich noch nicht.“, sagt Sophie und vielleicht ist das schon der Hintergrund für diesen Film: Woody Allen war noch nie in der Provence. Er wäre nicht der erste, der diesen wunderschönen Flecken Erde zur Kulisse eines Films macht, um mal auszuspannen. Ridley Scott, zum Beispiel, hat das mit Ein gutes Jahr (2006) auch schon gemacht.

Eine Sommerfrische mit religiösem Eifer

Woody Allen nimmt eine Sommerfrische. Aber er wäre nicht Woody Allen, wenn er dann nur Lavendel und Weinberge zeigen würde. Er verknüpft die natürliche Schönheit Südfrankreichs mit dem üppigen Dekor der 1920 Jahre und lässt dann seine Protagonisten 90 Minuten über Magie streiten – bei Allen Synonym für die Religion im Allgemeinen. „Sie waren sehr viel glücklicher, als Sie sich ein paar Lügen gegönnt haben, Stanley“, klagt Sophie – ohne Gott kein Glück, kein Spaß, soll das wohl heißen. ”Wir alle hoffen, dass jemand Übermächtges daher kommt. Aber die einzige Übermacht, deren Auftritt gewiss ist, hat eine Sense im Gepäck“, ätzt Stanley, der den Woody-Allen-Part in diesem Film hat.

Diese Sommerfrische ist eine leichte Romanze, weit über Rosamunde-Pilcher-Niveau was Fotografie, Dialoge und Schauspielerei angeht, aber eben doch eine glückliche Romanze; und die ist nicht Allens Metier – aus glücklichen Menschen zieht er keinen Nektar, man denke nur an seine unlustige, undramatische „Sommernachts Sexkomödie“ (1982). Zur Beruhigung seiner Fans streut er hier und da ein paar WoodyAllenesken ein: „Nichts ist wirklich echt“, bellt Stanley zum Beispiel. „Vom Scéance-Tisch über den Vatikan bis zum Jenseits!“ Und bei der Gelegenheit lässt Allen Stanley gleich auch noch über das Alter fluchen: „Das Leben ist garstig, bestialisch und kurz!“ Nun gut, das hören wir nicht zum  ersten mal von ihm.

Der alte Firth und die bezaubernde Stone

Dafür scheint ununterbrochen die Sonne und strahlt die göttlich aufspielende Emma Stone bezaubernd in die Kamera (Gangster Squad – 2013; The Amazing Spider-Man – 2012; The Help – 2011; Crazy, Stupid, Love. – 2011; Freunde mit gewissen Vorzügen – 2011; Zombieland – 2009); souverän, gelassen und mit großer Natürlichkeit spielt sie die mutmaßliche Betrügerin. Etwas verstörend ist ihr Alter.

Colin Firth, Jahrgang 1960 macht Emma Stone, Jahrgang 1988, schöne Augen? Die Geschichte spielt in den wilden 1920er Jahren, da waren ähnliche Szenarien noch eher mal üblich; vor allem, wenn auf der einen Seite viel Geld im Spiel war. Aber hier funktioniert das nicht. Es funkt nicht zwischen Stone und Firth. Dazu schwurbelt der Oscar-Preisträger Colin Firth (Dame, König, As, Spion – 2011; The King's Speech – 2010; Tatsächlich … Liebe – 2003) den sarkastischen Nihilismus seines Stanley etwas zu gelangweilt herunter.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass Woody Allen vor allem seinen Rhythmus – jedes Jahr einen Film – treu bleiben muss, nach seinem fulminanten Blue Jasmin aber nicht wirklich eine Geschichte hatte und er also in seinen Zettelkasten gegriffen und ein paar Sottisen über Glaube, Alter und Frauen auf Drehbuchlänge aufgeblasen hat. Sein Kameramann Darius Khondji (der Franzose ist seit Midnight in Paris, 2011, Allens Haus-Kameramann) hat dann Allens Sarkasmus in schöne, sonnige, elegante Bilder gekleidet.

Wertung: 4 von 8 €uro