Kinoplakat: Wolverine - Weg des Kriegers
Gute Comic-Verfilmung mit
schlecht inszenierter Action
Titel Wolverine: Weg des Kriegers
(The Wolverine)
Drehbuch Mark Bomback + Scott Frank
nach den Marvel Comics von Stan Lee und Jack Kirby
Regie James Mangold, USA 2013
Darsteller Hugh Jackman Tao Okamoto, Rila Fukushima, Famke Janssen, Hiroyuki Sanada, Will Yun Lee, Svetlana Khodchenkova, Brian Tee, Hal Yamanouchi, Ken Yamamura, Nobutaka Aoyagi, Seiji Funamoto, Shinji Ikefuji, Qyoko Kudo, Nobuaki Kakuda u.a.
Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 126 Minuten
Deutschlandstart
25. Juli 2013
Website wolverinemovie.com
Inhalt
Nagasaki 1945. Die US-Bomber werfen die Atombombe. Logan, ein Mutant, der als Wolverine bekannt wurde, rettet dem japanischen Offizier Yashida das Leben.

Viele Jahre später lebt Logan in der kanadischen Wildnis und wird von Visionen heimgesucht, in denen ihm Jean erscheint, seine große Liebe, die er einst gezwungen war zu töten. Yukio macht ihn ausfindig, eine junge Japanerin, die sich unkonventionell kleidet, den Umgang mit dem Schwert beherrscht und im Auftrag Yashidas gekommen ist - jenes Mannes, dem Logan in Nagasaki das Leben schenkte. Yashida ist Boss des größten Elektronikkonzerns im asiatisch-pazifischen Raum - und er liegt im Sterben. Yukio soll Logan holen, damit Yashida seine alte Schuld begleichen kann.

Widerwillig reist Logan mit ihr nach Tokyo, wo er Yashidas Sohn Shingen und dessen Tochter Mariko kennen lernt. Yashida bietet Logan an, ihn von seiner Unsterblichkeit zu befreien, damit er ein normales Leben führen kann. Der Japaner will Logans Selbstheilungskräfte auf sich übertragen, da so sein Krebsleiden geheilt würde und Logan im Gegenzug nicht mehr untätig zusehen müsse, wie die, die ihm nahe stehen, sterben, während er überlebt. Logan lehnt ab und beschließt, am nächsten Tagen abzureisen. In derselben Nacht stirbt Yashida und träumt Logan, dass Yashidas Ärztin ihm, Logan, etwas eingeflöst hat.

Oder war das kein Traum?

Bei der Trauerfeier greifen Schergen der Yakuza an - der japanischen Mafia; sie wollen Mariko entführen. Logan stellt sich den Angreifern und kann Mariko mit Unterstützung durch den Ninja Harada, dessen Schwarze Ninjas der Yashida-Familie verpflichtet sind, befreien. Im kampf aber wird Logan verwundet. Das an sich ist nichts Bedeutendes. aber die Wunden heilen nicht. Logan scheint in Japan seine Selbsheilungskräfte eingebüst zu haben.

Mit letzter Kraft kann er Mariko retten, die zunächst von diesem wilden Typen nicht so begeistert ist, sich aber in seine Bewachung fügt und sich mit ihm in einem abgelegenen Haus der Familie versteckt. Hier kommen sich die schöne Enkelin und der Krieger näher, aber ihre traute Zweisamkeit währt nicht lange. Plötzlich stehen die Yakuza in der Tüt, verletzten Logan schwer und entführen Mariko.

Jetzt hält den Krieger in Logan nichts mehr. Gemeinsam mit Yukio zieht Wolverine in die Schlacht ...

Was zu sagen wäre

Ein schöner Film. Jedenfalls immer dann, wenn die Geschichte des einsamen Wolfes erzählt und so die Handlung vorangetrieben wird. In den Actionszenen versagt der Film.

Die Special Effects sind unter aller Kanone

Es ist nicht so interessant, Wolverine auf einem dahinrasenden Shinkanzen-Schnellzug hängen und kämpfen zu sehen wenn erstens die Green-Screen-SFX genauso grottig sind, wie das der Trailer schon angedeutet hatte und zweitens ohnehin klar ist, dass Logan gewinnt, weil dem dahinrasenden Kampfgetümmel jeder inszenatiorische Witz fehlt – der zum Beispiel auch die Schlachtszenen in „The Avengers” (2012) so unterhaltsam macht. Schließlich versagt drittens hier die 3D-Technik, als sei nicht spätestens seit Kampf der Titanen (2010) bekannt, dass sich schnell geschnittene Action in 3D im flirrendem Bildervibrato verliert.

Auch der zweite Over-the-Edge-Kampf – Wolverine gegen einen gigantischen Adamantium-Samurai – ist ganz unspannend geraten. Weil der Film da auf seinem Höhepunkt reitet, rutscht der Zuschauer etwas unruhig im Sessel umher und wartet darauf, dass der Titelheld nun aber wirklich 

Teaserplakat: Wolverine - Weg des Kriegers

gewinnt. James Mangold hat nicht seinen ersten Actionfilm inszeniert und nicht zum ersten Mal gezeigt, dass ihn die Menschen mehr interessieren. In dem sehr amüsanten Knight and Day (2010) waren die Actioneffekte schlecht, in dem spannenden Identity (2003) verschwanden die mittelmäßigen Grusel-SFX gleich hinter nächtlichem Dauerregen. In Cop Land (1997) schaffte er es, Sylvester Stallone neben Robert De Niro gut aussehen zu lassen.

Eine gelungene Comic-Verfilmung

„Wolverine: Weg des Kriegers” ist die Verfilmung eines Superhelden-Comics. Das heißt, jede Figur, die auftaucht, ist von vorneherein durchschaubar – der angeblich edle Sohn, der ein Verräter ist; die blonde viel zu junge Ärztin entpuppt sich als Schurkin namens VIPER, der hehre Minister, der die Erbin ehelichen soll, ist ein bigottes Weichei. Die einzige rätselhafte Figur – Ninja Harada – spielt am Ende irgendwie keine Rolle mehr, beliefert lediglich das dramatische Element des Verlustes der Kindheit. Aber: In einer Comicverfilmung dürfen Figuren … müssen Figuren klar erkennbar sein. Das Element der Überraschung gehört nicht in vorderster Front zum Superhelden-Comic.

Hauptsache: Die Hauptfigur, der Held, ist stimmig und mitreißend gezeichnet. Und das ist Wolverine unbedingt. Die ersten 20 Minuten sind deshalb wohl auch die unterhaltsamsten des ganzen Films – eben bis die eigentlich Geschichte beginnt. Ich werde mir mal den Spaß machen, den Film ohne seine absurden over-the-Edge-Prügeleien anzugucken (und die dadurch entstehenden Storylücken zu ignorieren). Ich bin mir sicher, ich werde einen spannenden Comicfilm sehen.

Wertung: 6 von 8 €uro