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Kinoplakat: Wir kaufen einen Zoo
Schöner Familienfilm mit
Charme und Elle Fanning
Titel Wir kaufen einen Zoo
(We Bought a Zoo)
Drehbuch Aline Brosh McKenna + Cameron Crowe
nach dem auf wahren Begebenheiten basierenden Roman von Benjamin Mee
Regie Cameron Crowe, USA 2011
Darsteller Matt Damon, Scarlett Johansson, Thomas Haden Church, Colin Ford, Maggie Elizabeth Jones, Angus Macfadyen, Elle Fanning, Patrick Fugit, John Michael Higgins, Carla Gallo, J.B. Smoove, Stephanie Szostak, Michael Panes, Kym Whitley, Todd Stanton u.a.
Genre Familie, Drama, Abenteuer
Filmlänge 124 Minuten
Deutschlandstart
3. Mai 2012
Inhalt

Benjamin Mee hat zwei Kinder und keine Frau mehr. Der Witwer erzieht Tochter Rosie (7) und Sohn Dylan (14), so gut er kann, aber ohne die Mutter scheitert er - vor allem bei Dylan. Der ist gerade zum wiederholten Male von der Schule geflogen, weil er im Kunstunterricht Sachen gezeichnet hat, die Lehrer von einem 14-Jährigen nicht sehen wollen - durchgeschnittene Hälse und all sowas. An jeder Ecke seines Lebens signalisiert das Leben Benjamin, er braucht einen Neuanfang. Und den findet man am besten in einem neuen haus.

Nach langer Suche findet er, was er sucht: Groß genug, mit genug Land drumrum. Und mit einem runtergekommenen Zoo darin.

Zunächst sträubt er sich, entscheidet sich dann aber für einen Versuch den Tierpark weiterzubetreiben. Die 7-jährige Rosie ist von dieser Idee von Beginn an begeistert, jedoch zieht sich Dylan, der die Stadt und seine Freunde vermisst, immer mehr zurück. Das Personal, allen voran die Tierpflegerin Kelly Foster, hilft Benjamin Mee nun das Gelände und die Gebäude auf Vordermann zu bringen.

Zwei Herausforderungen gilt es zu meistern: Das Geld ist knapp. Und der staatliche Aufseher, der dem Zoo die Freigabe erteilen muss, ist ein sehr humorloser Mensch. Streng genommen hat Benjamin da noch eine dritte Herausforderung, die er mit Kelly teilt: Nein! Die beiden werden sich ganz bestimmt nicht ineinander verlieben. Dafür trauert Benjamin viel zu sehr seiner toten Liebe hinterher und will Kelly viel zu wenig mit Menschen zu tun haben ... eigentlich. Und der 14-jährige Dylan pflegt seine Ich-will-hier-weg-von-diesem-langweiligen-Land-Attitüde auch viel besser, wenn er sie Lily gegenüber spazierenführen kann. Lily ist die Cousine von Kelly, 12 Jahre alt und ein bisschen verliebt in Dylan ...

Was zu sagen wäre

Ein netter Familienfilm. Mit nettem Personal. Mit netten Problemen, die wir, die wir häufiger ins Kino gehen, gut kennen und von denen wir auch im Vorhinein auch schon sagen können, wie diese Probleme gelöst werden (dass sie gelöst werden, steht völlig außer Frage). Die ersten 20 Minuten plätschert "Wir kaufen einen Zoo" so vor sich hin. Der speckig-rund gewordene Matt Damon (Die Bourne-Identität – 2002) stößt überall an ein Ende und weil es ein Familienfilm ist, den auch noch-nicht-so-geübte-Kinderaugen sehen sollen, gibt es viele Überalls.

Und so kommt der grundsympathische alleinerziehende Vater mit dem pubertierenden Sohn, bei dem im ersten Frame klar ist, dass er irgendwann sowas sagt wie „Ich bin stolz auf Dich, Dad!” und der herzigen Tochter, die klüger ist, als so manch Erwachsener Im Kinosaal, bei der Wohnungssuche zu einem Zoo und der Film könnte im höflichen Interesse für einen engagierten Mann, der jetzt mal einen runtergekommenen Zoo auf Vordmann bringt und das Herz von Scarlett Johansson erobert, versanden.

Aber das Abenteuer dreht sich halt um einen Zoo und das wenigstens ist mal ein anderer Dreh, als der sonst übliche für solche eine-Familie-muss-sich-wieder-finden-Geschichten. Der Film basiert in seiner Idee auf den Erinnerung eines echten Benjamin Mee, der viel weniger Haare hat, als Matt Damon, der aber auch diesen Zoo zu Zeiten kaufte, als seine Frau noch lebte. Aber das ist eine andere Geschichte. Hier ist der Tod der Ehefrau halt der Auslöser fürs Abenteuer, das mit erstaunlichen Schauspielauftritten einher geht. Die Clique um Tierpflegierin Kelly kommt daher, wie die drei Musketiere – rau, aber herzlich, in deren Mittelpunkt Whiskeytrinker Angus Macfadyen (der Robert the Bruce aus Braveheart – 1995) eine füllige, unübersehbare Figur abgibt. Elle Fanning gibt nach ihrem wunderbaren Auftritt in J.J. Abrams Super 8 (2011) den nächsten Eindruck ihrer hohen Qualität als Schauspielerin. Ihr zuzusehen bringt ununterbrochen Freude – frech und schüchtern, hübsch und atemlos schön … alles gleichzeitig.

Und schließlich Scarlett Johansson, die etwa zeitgleich in den Avengers (2012) eine fulminante Superheldenvorstellung in Latex gibt, zeigt sich hier sehr menschlich zurückhaltend. Dieser Frau, die mehr als Glamour-Star wahr genommen wird, ist es gegeben, Rollen zu spielen, in denen sie wirkt, wie eben in der Eckkneipe kennen- und ob ihrer Natürlichkeit schätzen gelernt (Nanny Diaries – 2007; Prestige - Die Meister der Magie – 2006; Black Dahlia – 2006; Die Insel 2005; Lovesong für Bobby Long – 2004; Das Mädchen mit dem Perlenohrring – 2003; Lost in Translation – 2003; Arac Attack – 2002; Ghost World – 2001; The Man Who Wasn't There – 2001; Der Pferdeflüsterer – 1998); verständlich, dass sich Woody Allen (Vicky Cristina Barcelona – 2008; Scoop – 2006; Match Point – 2005) so früh in ihrer Karriere für sie interessiert hat.

Ein dicker Tropfen Wasser im reifen Kinowein ist allerdings der Schluss, der in einer Weise rückwärtsgewandt und so gar nicht wir-schauen-nach-vorne-gerichtet ist, dass mir ein bisschen blümerant wird; versucht da Cameron Crowe („Elizabethtown” – 2005; Vanilla Sky – 2001; Almost Famous – 2000) ein wenig Problembeladenheit des 70er-Jahre-europäischen-Kinos zu konservieren?

Dennoch: Am Ende kann ich einfach sagen: „Wir kaufen uns einen Zoo” macht Spaß – auch wenn Dylan das mit stolz-auf-Dad dann doch ganz anders zum Ausdruck bringt.

Wertung: 5 von 7 €uro
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