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Plakatmotiv: Regeln spielen keine Rolle (2016)
Schöne Bilder, aufgeblasene
Bedeutung, kaum eine Story
Titel Regeln spielen keine Rolle
(Rules don't apply)
Drehbuch Warren Beatty + Bo Goldman
Regie Warren Beatty, USA 2016
Darsteller Lily Collins, Alden Ehrenreich, Haley Bennett, Taissa Farmiga, Paul Sorvino, Matthew Broderick, Candice Bergen, Martin Sheen, Warren Beatty, Annette Bening, Oliver Platt, Alec Baldwin, Steve Tom, Peter Mackenzie, Ivar Brogger, Dan Desmond, Hart Bochner, Karl Florine, Madisyn Ritland, Louise Linton, Haley Bennett, Christine Marzano, Megan Hilty, Graham Beckel, James Keane, Paul Schneider, Chace Crawford, Andrew M. Chukerman, Eileen Ryan, Johnson, Patrick Fischler, Ron Perkins, Geoff Pierson, Steven Mnuchin, Evan Londo, Michael Badalucco, David Goldsmith, James Gleason, Alan Daniels, Joe Cortese, George Russo, Joey Diaz, James Martin Kelly, Johnny Williams, Holmes Osborne, Julio Oscar Mechoso, Luis Fernandez-Gil, Dabney Coleman, Caitlin Carver, Steve Coogan, Evan O'Toole, Billy Graham, Robert E. Kerr, Joshua Malina, Frank Scozzari, Aura Esther Trentin u.a
Genre Komödie, Drama
Filmlänge 127 Minuten
Deutschlandstart
4. Mai 2017
Website foxmovies.com/rules-dont-apply
Inhalt

Hollywood, 1958. Marla Mabrey, eine Schönheitskönigin aus der Provinz und fromme Baptistin, kommt nach Los Angeles, weil der berüchtigte Howard Hughes sie unter Vertrag genommen hat.

Am Flughafen wird sie von Chauffeur Frank Forbes abgeholt, einem tief religiösen Methodisten, der kurz davor steht, seine Liebste zu heiraten, die er schon seit der 7. Klasse kennt. Aber Marla und Frank fühlen sich sofort zueinander hingezogen, was nicht nur ihre religiösen Überzeugungen auf eine harte Probe stellt, sondern auch Hughes Regel Nr. 1 verletzt: Angestellten ist es verboten, mit Vertragsschauspierlinnen jegliche Art von Beziehung einzugehen.

Schon bald stehen Marla und Frank zunehmend unter den Einfluss des Milliardärs, jeder von beiden auf sehr unterschiedliche und unvorhersehbare Weise. Je tiefer Hughes sie in seine bizarre Welt zieht, desto mehr geraten die Wertvorstellungen der jungen Leute ins Wanken und stellt ihr Leben grundlegend auf den Kopf …

Was zu sagen wäre

Der Film wirkt wie aus der Zeit gefallen, so, als hätte ein Studio eine alte Produktion im Archiv gefunden, die vor 30 Jahren etwa entstand und die dann vergessen wurde, bevor sie kommerziell ausgewertet werden, also bevor sie ins Kino kommen konnten; möglicherweise ist der letztlich entscheidende Abnehmer des Films, ein Mächtiger des produzierenden Studios, während der Testvorführung damals eingeschlafen, bevor er den Distributionsauftrag unterschreiben konnte, unwahrscheinlich wär's nicht.

Aber es ist ein Film aus dem Jahr 2016. Und es ist ein Film von … Warren Beatty. The Warren (Bulworth – 1998; „Bugsy“ – 1991; Dick Tracy – 1990; „Ishtar“ – 1987; „Reds – Ein Mann kämpft für Gerechtigkeit“ – 1981; „Der Himmel kann warten“ – 1978; „Shampoo“ – 1975; „Zeuge einer Verschwörung“ – 1974; „McCabe & Mrs. Miller“ – 1971; „Bonnie und Clyde“ – 1967). Hollywood-Legende. Frauen-verführ-Weltmeister. Seit rund vierzig Jahren, so erzählt es Warren Beatty gerne auf seiner Promotiontour für diesen in jeder Hinsicht sehr altmodischen Film, sei er mit dem Filmstoff über Howard Hughes, den genialischen wie exzentrischen Filmproduzent, Ingenieur, Erfinder schwanger gegangen. Und jetzt habe er endlich den Ansatz für die Geschichte gefunden, die so ein Film ja braucht – und das ist dann eine simple Liebesgeschichte zweier schöner junger Menschen, die wenigstens gemein haben, dass sie bereit sind, gegen Regeln zu verstoßen, die ihr Fortkommen sichern sollten, um dann ein eigenes Leben zu entwickeln; in den späten 50er, frühen 60er Jahren, in denen Warren Beatty seinen Film ansiedelt, war das natürlich noch ein großes Thema, wenn eine junge, noch dazu (natürlich) streng religiös erzogene Frau, einen eigenen Gedanken formulierte. Aber heute liegt das eben doch auch schon wieder 60 Jahre hinter uns.

Plakatmotiv: Regeln spielen keine Rolle (2016)Die Lovestory im Vordergrund ist so simpel, dass man keinen Moment glauben möchte, dass The Warren dafür 40 Jahre Entwicklung gebraucht haben könnte. Mehr interessiert zu haben scheint ihn das Portrait einer Gruppierung mehrerer Domestiken rund um einen Despoten, der herrschen und strafen kann, der sich unter der Vorspiegelung von baldigen „Probeaufnahmen“ knapp 30 junge Frauen als Harem in ebenso vielen schmucken Häusern in Los Angeles halten kann, ohne dass irgendjemand daran offiziell Anstoß nähme – alle sind zu sehr damit beschäftigt, die Nähe dieses mächtigen Mannes zu suchen, auf den einen, für die persönliche Karriere so wichtigen realen Kontakt mit diesem Mann zu hoffen.

In den USA ist, wenige Tage, bevor Warren Beattys Film über einen selbstherrlichen, leicht durchgeknallten Industriedespoten ins Kino kam, Donald Trump zum künftigen Präsidenten gewählt worden. Das ist nun ein eher irrer Zufall: Lässt man die angeblich 40-jährige Schwangerschaft Beattys mit dem Stoff mal außen vor, bräuchte selbst die Sturzgeburt eines Produzenten zwei Jahre, bis ein fertiger Film ins Kino kommt; zu der Zeit, Frühjahr 2015, war die Vorstellung eines US-Präsidenten Donald Trump noch ein so schlechter Witz, dass er aus den Late-Night-Shows herausgestrichen worden wäre. Umso erschreckender ist, wie sehr Warren Beattys egomanischer, selbstherrlicher Howard Hughes nun diesem neuen Präsidenten ähnelt.

Dass dieser Hughes nicht von „Pussy“ spricht, liegt wohl nur daran, dass der Film in einer Zeit spielt, als man selbst das so simple Wort Sex noch nicht offen in den Mund nahm. Es gibt eine schöne Szene, in der die jungen Damen, denen Hughes ein baldiges Treffen versprochen hat, während er sie für 400 Dollar/Monat in seinen Häuschen unterbringt, allerlei Umschreibungen für Sex finden – Hauptsache, das S-Wort fällt nicht („Einige versuchen halt immer, ihr Würstchen zu verstecken. … Es tun!  Den Docht eintunken.“ „Den Stock polieren. Das Brötchen buttern.“). Diese sauberen, verklemmt-erotischen Jahre setzt Beatty wunderschön in Szene – Ausstattung, Beleuchtung, Kostüme, das ist alles erste Sahne – das Mindeste, was ich in einem Period Picture von The Warren über Hollywood erwarte.

Und weil nun mal – gewollt oder nicht – die Wahl Trumps mit dem Start des Films in den USA zusammenfällt, und zumindest die Wahl debattenreiche Schockwellen in die Welt aussendet, erscheint der Film des aktiv sozialliberalen Regisseurs wie ein Kommentar auf das System Donald Trump: Wir erleben eine Gesellschaft, in der der Chef das dümmste Zeug reden kann, ohne dass ihn einer korrigiert – aus Angst, gefeuert zu werden.

Das ist ein glücklicher, aber zufälliger Bezug zum aktuellen politischen Alltag, der Warren Beattys lahmem Film im Nachhinein ein Gewicht gibt, das er eigentlich nicht hat. Vor lauter Beschreibung der gesellschaftlichen Verklemmungen drumrum nämlich übersieht man, dass die Hauptgeschichte, die Liebe der beiden Sturköpfe, einfach keine Funken schlägt.

Wertung: 2 von 8 €uro
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