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Plakatmotiv: Long Riders (1980)
Walter Hill entmystifiziert Bankräuber
zu liebenden Ehemänner und Haushälter
Titel Long Riders
(The Long Riders)
Drehbuch Bill Bryden + & Steven Smith + Stacy Keach + James Keach
Regie Walter Hill, USA 1980
Darsteller David Carradine, Keith Carradine, Robert Carradine, James Keach, Stacy Keach, Dennis Quaid, Randy Quaid, Kevin Brophy, Harry Carey Jr., Christopher Guest, Nicholas Guest, Shelby Leverington, Felice Orlandi, Pamela Reed, James Remar u.a.
Genre Western
Filmlänge 100 Minuten
Deutschlandstart
31. Juli 1980
Inhalt

Amerika in der Zeit nach dem Sezessionskrieg. Die James-Younger-Miller-Bande raubt Banken, Postkutschen und Züge aus. Während andere Familien hungern, Yankees sich für andere abschuften, bestreiten die Youngers, Jesse James und sein Bruder Frank und die Cole-Brüder eben damit ihren Lebensunterhalt.

Zwischen den Brüdern und den Eisenbahnagenten der Agentur Pinkerton entbrennt ein Kleinkrieg, bei dem keine Gefangenen gemacht werden. Irgendwann aber wird es zu gefährlich, nur um Familien zu ernähren und so löst die Bande sich auf und sucht den Weg ins Zivilleben. Doch bald drückt die Geldknappheit, und ein neuer Überfall wird ausgeheckt.

Plakatmotiv (US): Long Riders (1980)Die örtlichen Gegebenheiten sind auf Seiten der Räuber, denn ihre Nachbarn passen auf - sich nähernde Polizisten werden verraten, einzelne Ermittler schon mal durch eigentlich unbeteiligte Dritte erschossen.Trotzdem kann ein Leben, dass weitgehend durch den Revolver finanziert wird nicht ewig gut gehen …

Was zu sagen wäre

Walter Hill entmystifiziert die Legende über den seinerzeit als Robin Hood des Südens gefeierten Jesse James und seine Komplizen, die Younger- und die Miller-Brüder. In Ruhe entfaltet er ein Gesellschaftspanorama aus den ehemaligen Konföderierten-Staaten, in dem Männer mittags eine Bank ausrauben, abends im Saloon mit den Huren feiern und anderntags ihren Ladies den Hof machen – Raubzüge als Sicherung des Lebensunterhalts. Die berühmte Bande nicht als Gangster sondern als Haushaltsvorstand („Ohne den Krieg wäre aus uns allen sicher was Ordentliches geworden.“)

Hill („Die Warriors“ – 1979; Driver – 1978) beschreibt eine Zeit im wirtschaftlichen Umbruch. Ausgeraubte Banken sind ein Wirtschaftsfaktor geworden, die Sicherheit ist privatisiert. Der Staat kann die Sicherheit nicht mehr durch ausreichend Marshalls und Sheriffs garantieren, die Privatdetektei Pinkerton wird ein Machtfaktor.

Der Film schwankt in stetem Wechsel zwischen rauer Western-Familienromantik und harter Gewalt, bei der Hill wiederholt auf die Zeitlupen-Schusswechsel zurückgreift, die Sam Peckinpah fürs Kino entdeckt hat. Gewalt-Höhepunkt ist der Überfall auf die First National Bank in Northfield, Minnesota, zu dem die Gang sich erstmals wieder zusammengefunden hat und der ihren Niedergang einläutet. Mehrere Männer der Gruppe werden getötet oder schwer verletzt.

Was dem Film abgeht, ist eine Dramaturgie. wir werden Zeuge allerlei Best-of-Western-Szenen – großartige Totalen, musikalische Saloons, schlagfertige Huren (als Belle Starr legt Pamela Reed eine große Nummer auf die Leinwand), schießwütige Räuber und schnellen Galopp. Der Score von Ry Cooder mit seinem einsamen Banjo hält die Szenen melancholisch zusammen.

Woher aber die Männer kommen, wohin sie gehen bleibt – bei aller Sympathie, die ich für den ein oder die andere entwickle – eigentlich bis zum Ende egal. Das Südstaaten-Nordstaaten-Drama klingt nur am Rande an und bleibt für Europäer ein ferner Knonendonner ohne Bild. Der Film beginnt nämlich erst, als die Karriere der Bande ihren Zenit erreicht hat. Das Vorleben der einzelnen Bandenmitglieder, die im Sezessionskrieg als Guerilla gegen die Unionstruppen kämpften, bleibt unerzählt, die Bindung an den Zuschauer im Kinosessel lose..

Wertung: 6 von 9 D-Mark
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