Kinoplakat: Die Wahlkämpferin
Sandra Bullock im Pakt mit dem Teufel.
Wahlkampf vorhersehbar, aber mitreissend
Titel Die Wahlkämpferin
(Our Brand Is Crisis)
Drehbuch Peter Straughan
nach der Dokumentation über den bolivianischen Präsidentschaftswahlkampf 2002, „Our Brand is Crisis“ von Rachel Boynton
Regie David Gordon Green, USA 2015
Darsteller Sandra Bullock, Billy Bob Thornton, Anthony Mackie, Joaquim de Almeida, Ann Dowd, Scoot McNairy, Zoe Kazan, Dominic Flores, Reynaldo Pacheco, Louis Arcella, Octavio Gómez Berríos, Luis Chávez, Azucena Diaz, Damian Delgado, Nina Leon u.a.
Genre Komödie, Drama
Filmlänge 107 Minuten
Deutschlandstart
21. Januar 2016
Website warnerbros.com/our-brand-crisis
Inhalt

Ein bolivianischer Ex-Präsident schneidet bei den Umfragen zu seiner Wiederwahl sehr schlecht ab und engagiert eine versierte Gruppe amerikanischer Berater unter der Leitung der zwar schwer angeschlagenen, aber immer noch genialen Strategin Calamity Jane Bodine.

Jane bekam ihren Spitznamen vor ein paar Jahren durch einen Skandal, der sie tief erschütterte – sie stieg aus der Branche aus. Dass sie sich jetzt dennoch für die neue Kampagne engagieren lässt, hat allein mit ihrem Erzfeind zu tun, Pat Candy, der inzwischen für die bolivianische Opposition arbeitet. Endlich bekommt Jane die Chance, Candy zu schlagen.

Aber Candy kennt Janes wunde Punkte privat und im Wahlkampf genau. Sie stürzt in eine Krise. Aber Krise ist ja schließlich ihr Geschäft …

Was zu sagen wäre

Eigentlich haben wir genug Filme gesehen, in denen abgebrühte, zynische Spin Doctors einen halbseidenen Kandidaten zum Präsidenten von irgendwas machen und uns, dem Zuschauer, damit den Spiegel vorhalten; sowas wird mittlerweile in TV-Serien wie „Scandal“ im Wochenrythmus durchgehechelt.

Es ist vielleicht ganz gut, dass die Geschichte, die irgendwie auf irgendwelchen wahren Begebenheiten aus dem Jahr 2002 beruhen soll, in Bolivien spielt. Das gibt wenigstens neue Schauwerte – nichts gegen Washington D.C., aber die schmierige Verlogenheit im medialen Weißen Haus hat dasselbe längst mit eitrigem Gelb überzogen. Es ist ganz sicher sehr gut, für die Hauptrolle der Wahlkämpferin Sandra Bullock engagiert zu haben. Der ewige Darling aller Kinonationen (Gravity – 2013; Taffe Mädels – 2013; Extrem laut & unglaublich nah – 2011; „Blind Side“ – 2009; L.A. Crash – 2004; Mord nach Plan – 2002; Miss Undercover – 2000) darf hier, angefeuert von der dünnen bolivianischen Hochgebirgsluft, kaputt durch die Straßen stolpern, persönliche Dämonen bekämpfen und Chips in sich hineinstopfen; während sie, natürlich erfolgreich, diesen Wahlkampf deixelt, unter anderem, weil sie Goethes „Faust“ studiert. Was zunächst wie eine plumpe Metapher auf Sie-schließt-einen-Pakt-mit-dem-Teufel wirkt – den sie durchaus schließt – endet in einer sehr hübsch boshaften Pointe. Billy Bob Thornton, ihr Gegenspieler, spielt nicht mehr; er spult seinen Part so gelangweilt ab, als sei er beleidigt, dass er sich die Haare hat abschneiden lassen müssen.

„Our Brand is Crisis“ schwankt zwischen schriller Farce und pessimistischem Thriller. Seine Protagonisten bewegen sich einer aseptischen Welt fernab der Wähler, in denen sie lediglich das zu verführende, zu täuschende Stimmvieh erkennen. Sie werfen sich historische Erkenntnisse aus 2000 Jahren Wahlkampf um die Ohren und stellen fest: „Mein Einfluss auf meinen Kandidaten endet mit dem Wahlsieg!“

Unterm Strich steht ein unterhaltsamer Film, der die gängigen Wahlkampf-ist-Verkaufe-Zynismen in bolivianischen Farben erzählt. Dem Film steht ein sympathischer Supporting Cast zur Verfügung und fünf Minuten zwischen Wahlsieg und Abspann, die der runtergerockten Hauptfigur (und damit dem Film) endlich den Boden schenkt, der die ganze Zeit gefehlt hat.

Und Sandra Bullock hat‘s echt drauf.

Wertung: 5 von 8 €uro