Kinoplakat: Vielleicht lieber morgen
Eine mitreißende Geschichte,
ein mittelmäßiger Film
Titel Vielleicht lieber morgen
(The Perks of Being a Wallflower)
Drehbuch Stephen Chbosky
nach seinem Roman „Das also ist mein Leben“
Regie Stephen Chbosky, USA 2012
Darsteller Logan Lerman, Emma Watson, Ezra Miller, Dylan McDermott, Kate Walsh, Joan Cusack, Patrick de Ledebur, Johnny Simmons, Brian Balzerini, Tom Kruszewski, Nina Dobrev, Nicholas Braun, Julia Garner, Tom Savini, Emily Marie Callaway, Paul Rudd, Chelsea Zhang, Jesse Scheirer, Justine Nicole Schaefer, Julie Marie Schaefer, Melanie Lynskey, Leo Miles Farmerie, Isabel Muschweck, Adam Hagenbuch, Mae Whitman, Erin Wilhelmi, Jordan Paley, Reece Thompson, Zane Holtz, Timothy Breslin, Mark McClain Wilson, Atticus Cain u.a.
Genre Drama
Filmlänge 102 Minuten
Deutschlandstart
1. November 2012
Inhalt

Pittsburgh, 1991: Charlie ist ein 15 Jahre alter, unbeholfener Teenager, der keine echten Freunde hat und einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten muss. Er ist depressiv, einzelgängerisch und fertig mit der Welt. Sein bester Freund hat sich umgebracht, seine Tante Helen, die einzige mit der er eine Verbindung hatte, ist gestorben. Die Welt ist für ihn ein trister Ort geworden. Jetzt steht dem psychisch angeknacksten Jungen das erste Jahr auf der High-School bevor, wo er niemanden kennt und von allen als Außenseiter behandelt wird.

Da fällt es nicht leicht, hoffnungsfroh in die Zukunft zu blicken. Doch nach einem sehr durchwachsenen Start auf der neuen Schule lernt Charlie schließlich das ungleiche Geschwisterpaar Patrick und Sam kennen. Die zwei werden schnell beste Freunde und moralische Stütze. Von diesem Moment an ändert sich Charlies Leben von Grund auf.

Im kommenden Jahr wird er viele neue Erfahrungen machen – sowohl gute als auch schlechte – er wird sich das erste Mal richtig verlieben, das erste Mal Drogen nehmen, sich zum ersten Mal prügeln und spüren, was es bedeutet, nicht allein zu sein. Dabei gelingt es ihm auch Stück für Stück, seine traumatische Vergangenheit zu verarbeiten und wieder Spaß am Leben zu finden …

Was zu sagen wäre

Dies ist der Film von und für Emma Watson. So einen bezaubernden ersten Auftritt hat kein Regisseur seiner Hauptdarstellerin gegönnt, seit Alfred Hitchcock Grace Kelly in „Rear Window“ mit deren ersten Auftritt die Leinwand explodieren ließ. Und es bleibt Emma Watsons Film („My Week with Marilyn“ – 2011; Harry Potter). Was Fluch und Segen des Films gleichermaßen ist.

Stephen Chbosky hatte offensichtlich ein Anliegen, als er den Roman schrieb, der dem Film als Vorlage dient. Dieses Anliegen war groß genug, um Stephen Chbosky zu bewegen, aus seinem Buch ein Drehbuch zu machen und dieses dann auch noch auf dem Regiestuhl umzusetzen. Jetzt haben wir eine großartige, gefühlvolle Coming-of-Age-Geschichte, die absolut unfilmisch umgesetzt wurde, sodass der Film immer nur dann lebt, wenn Emma Watson auftritt. Was für eine Austrahlung!!

Der Film als solches plätschert so vor sich hin, zeigt Versatzstücke aus High-School-Filmen, die wir aus anderen High-School-Filmen kennen, die einem helfen, sich zurechtzufinden, die allerdings alle nicht wirklich irgendwohin führen. Charlies Story ist anrührend, aber auch schon so oft erzählt worden, dass wir diese Version nicht wirklich vermisst hätten. Allerdings spielt Logan Lerman (Die drei Musketiere – 2011; „Percy Jackson: Diebe im Olymp“ – 2010; Gamer – 2009; „Todeszug nach Yuma“ – 2007; „Butterfly Effect“ – 2004; Was Frauen wollen – 2000; Der Patriot – 2000) diesen Charlie, momentan angesagtes Junggesicht in Hollywood, von dem wir in naher Zukunft sicher noch mehr sehen werden. Er macht seine Sache gut, kann der flachen Figur, die dieser Charlie im Script ist, aber nicht wirklich auf die Beine helfen.

Die Schwierigkeit ist, dass Stephen Chbosky seinen lesenswerten Roman nicht wirklich in Filmsprache übersetzt hat, sondern an seinem Roman hängen geblieben ist, als verstehe er gar nicht, was er nun nochmal anders erzählen soll, es war doch schon alles da. Aber das große Geheimnis, auf das der Roman hinsteuert, rollt im Kino über uns, als es schon zu spät ist. Da ist der Film längst das Emma-Watson-Vehikel, in dem wir auf IHREN nächsten Auftritt warten.

Watson ist die Fleisch gewordene Sehnsucht nach der verlorenen Jugend. Ihre Sam lässt Dich im Kinosessel an Suizid denken, weil sie Dir klar macht, dass Zeiten, in denen es Mädchen wie Sam gab – und Liebesgeschichten mit Mädchen wie Sam –, längst und endgültig vergangen sind.

Emma Watsons Sam bleibt immer das junge Mädchen, das wir geliebt haben. Wir wollen lieber nicht so genau wissen, was aus ihr geworden ist. Sam bleibt immer die erste große Liebe, an die wir uns erinnern – egal, wie sie in unserem Leben hieß. Und dass sie auf einen Song steht, den sie nicht kennt, obwohl Heroes von David Bowie zum Soundtrack meiner Jugend zählt, zeigt nur, dass Musik sich ändert – die Geschichten der ersten Liebe aber nicht.

Egal, wie durchschnittlich stereotyp der Rest des Films ist.

Wertung: 6 von 8 €uro