Kinoplakat: Upside Down
Eine überschaubare Geschichte
für einen optische Spielerei
Titel Upside Down
(Upside Down)
Drehbuch Juan Solanas + Santiago Amigorena + Pierre Magny
Regie Juan Solanas, Kanada, Frankreich 2012
Darsteller

Jim Sturgess, Kirsten Dunst, Timothy Spall, Blu Mankuma, Nicholas Rose, James Kidnie, Vlasta Vrana, Elliott Larson, Kate Trotter, Holly O'Brien, Maurane Arcand, Janine Theriault, Vincent Messina, Cole K. Mickenzie, Paul Ahmarani u.a.

Genre Fantasy
Filmlänge 109 Minuten
Deutschlandstart
22. August 2013
Inhalt

Adam liebt Eden. Eden liebt Adam. Das war damals. Da waren beide noch Kinder und wurden von der Staatsmacht getrennt. Das war vor zehn jahren

Heute hat Adam Eden wieder gesehen. Im Fernsehen. Er ist überrascht, dass sie noch lebt, liebt sie immer noch. Also macht er sich auf, sie zu finden. Das ist allerdings nicht einfach, denn Eden wohnt auf der Nachbarwelt. Eden und Adam wohnen auf zwei Planeten, die in unmittelbarer Nachbarschaft umeinander kreisen und sich an manchen Stellen fast berühren – an so einer Stelle hatten sich Adam und Eden als Kinder getroffen. Eine Reise zwischen den Welten ist verboten – auch gar nicht möglich, weil für einen Körper oder eine Sache immer die Schwerkraft des eigenen Planeten gilt, die des anderen hat keine Auswirkung.

Während die obere Welt reich und erfolgreich ist, ist die untere Welt arm. Die Obere Welt kauft billiges Öl von der unteren und verkauft im Gegenzug Strom teuer zurück. Der Kontakt zwischen den Welten ist strikt verboten und wird mit Inhaftierung bis hin zur Todesstrafe geahndet. Die einzige Verbindung ist der Großkonzern „TransWorld“, der in einem die Welten verbindenden Gebäude residiert. Der Kontakt zwischen den Welten ist strikt verboten und wird mit Inhaftierung bis hin zur Todesstrafe geahndet. Die einzige Verbindung ist der Großkonzern „TransWorld“, der in einem die Welten verbindenden Gebäude residiert. Hier begegnen sich die beiden Liebenden wieder und hier muss Adam erkennen, dass Eden damals nach ihrer gewaltsamen Trennung ihr Gedächtnis eingebüßt hat; sie kann sich nicht an Adam erinnern, findet ihn aber wenigstens ganz süß.

Adam wird kämpfen. Er hat eine Erfindung gemacht, die die Menschen auf Edens Welt unbedingt haben wollen. Ein Kampf für die Liebe und die Schönheit zwischen den Welten beginnt …

Was zu sagen wäre

Eine klassische Aufsteigergeschichte mit Romeo-&-Julia-Appeal, traditionell erzählt, aber in einer anderen Welt. Die Autor-Regisseur Juan Solanas und seine Mitautoren Santiago Amigorena und Pierre Magny geben sich viel Mühe, uns mit wenig Wort mit der komplizierten interplanetaren Physik der Zwillingswelten optisch vertraut zu machen, um dann eine wenig aufregende Handlung zu forcieren. Nur Optik, keine Story … das kann einen Film aus der Bahn werfen. Hier geht das einigermaßen, weil Solanas, Amigorena und Magny eine schöne Bildidee nach der anderen für die zwei Welten, die zwei Schwerkräfte in immer wieder wechselnder Perspektive gefunden haben: Zigarrenrauch etwa, der in einem Besprechungsraum der „TransWorld“ auf halber Höhe nicht mehr aufsteigt, sondern sich horizontal verteilt. Ein anderes Mal macht Adam den Fehler, sich in der anderen Welt auf dem Klo zu verstecken und dann das Pissoir benutzen zu wollen – eine sehr feucht-fröhliche Überraschung ist die Folge. Es gibt ein fantastisches Café, in dem beide Welten tanzen. Während die einen einen Ballsaal haben, in dem ein gigantischer Kronleuchter von der Decke hängt, tanzt die andere Welt um eben diesen Kronleuchter, der wie ein gigantischer Baum in der Mitte des Saals prunkt – by the way: wunderschönes Set-Design mit vielen liebevollen Ideen.

Kinoplakat (US): Upside DownJim Sturgess (Zwei an einem Tag – 2011; „21“ – 2008; „Die Schwester der Königin“ – 2008) und Kirsten Dunst („Melancholia“ – 2011; „New York für Anfänger“ – 2008; „Marie Antoinette“ – 2006; Mona Lisas Lächeln – 2003; Spider-Man – 2002) tun da das Beste, was sie inmitten der Effektmaschinerie der Greenscreen können; ihre Liebe ist, naja, irgendwie glaubhaft. Wir wollen diese Liebe glauben, weil die Bilder so schön sind. Und wer es nicht ohnehin schon geahnt hat, dem wird es hier noch einmal gezeigt: die Liebe lässt uns schweben! Oder: Wir müssen schweben, um zu lieben.

Wenn Kino eine Angelegenheit des Zeigens und Guckens und erst dann des Erzählens ist, dann haben die Jungs alles richtig gemacht – mit viel Phantasie und Liebe zum Detail. Dafür muss der Zuschauer halt akzeptieren, dass die Story als solche nicht so voller Überraschungen steckt. Keinen Moment fiebere ich mit dem Arme-Welt-Romeo und der Reiche-Welt-Julia; das macht die 100-minütige Angelegenheit etwas zäh. Dem stemmt sich als tiefer ruhiger See Timothy Spall (Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – 2011; The King's Speech – 2010) entgegen, der in diesem Fantasy-Drama die Rolle des Mentors und erfahrenen Helfers übernimmt; seine Präsenz überspielt Schwächen.

Dass das „Die da oben, wie hier unten“ immer vor allem eine Frage der Perspektive ist, die man manchmal einfach nur upside-down sehen muss, ist das, was beide Welten mithilfe von Adam & Eden lernen werden – der dauernde Perspektivwechsel ist eine hübsche Allegorie auf das Große-Und-Ganze.

Und kann man einem Film böse sein, der mit den Worten endet: "Unsere Liebe, das, was wir getan haben, veränderte die Welt. Aber das ist eine andere Geschichte."

Wertung: 6 von 7 €uro