Kinoplakat: Tschiller – Off Duty
Drehbuch: Off Duty
Titel Tschiller: Off Duty
Drehbuch Christoph Darnstädt
Regie Christian Alvart, Deutschland 2016
Darsteller
Til Schweiger, Fahri Yardim, Luna Schweiger, Berrak Tüzünataç, Robert Maaser, Erol Afsin, Özgür Emre Yildirim, Ulas Kilic, Fatih Ugurlu, Stefanie Stappenbeck, Egor Pazenko, Joe Toedtling, Evgeniy Sidikhin, Kida Khodr Ramadan, Ralf Moeller u.a.
Genre Action
Filmlänge 140 Minuten
Deutschlandstart
4. Februar 2016
Inhalt

Der vom Dienst befreite Nick Tschiller versucht noch immer über den Tod seiner Ex-Frau Isabella hinwegzukommen und seiner Tochter Lenny ein guter Vater zu sein. Doch das ist nicht ganz so einfach.

Lenny gibt sich selbst die Schuld am Tod ihrer Mutter und versucht sich von dieser Schuld zu befreien, indem sie die Mörder auf eigene Faust aufspürt. In Istanbul spürt sie Firat Astan auf, Mörder ihrer Mutter und offiziell im Gefängnis. Inoffiziell läuft Astan frei herum und geht seinen Geschäften nach. In diese Geschäfte ist nun allerdings auch Süleyman Seker verwickelt, hohes Tier bei der türkischen Polizei. Seker baut gerade Geschäftsbeziehungen nach Moskau auf, zu einem der dort mächtigsten Männer des Landes und also ist Seker erstens nicht begeistert davon, dass sein Partner Firat Astan Besuch hat von der Tochter des LKA-Beamten Nick Tschiller, hat aber zweitens schon einen Plan, wie er mit Hilfe des Mädchens seine Verbindungen geradezu explosiv knüpfen kann.

Lenny also gerät in Gefangenschaft und wird von Menschenhändlern nach Moskau verkauft. Tschiller und sein Kollege Gümer reisen nach Istanbul, um Lenny zurückzuholen und nehmen die Verfolgung nach Moskau auf …

Was zu sagen wäre

Handwerklich saubere Kamera- und Regiearbeit mit teilweise unterhaltsamen Darstellern, einer zwei Stunden und zwanzig Minuten lang schlecht gelaunten Titelfigur für ein schmerzlich vermisstes Drehbuch. 

Klar: Kann man machen, so eine Männerorgie nach dem Motto Ein Vater lässt sich doch von schwer bewaffneten Schlägern, die noch dazu kein ordentliches Deutsch sprechen, nicht davon abhalten, seine Tochter zu befreien. Solche Filme gab‘s in den frühen 1990er Jahren schon mal, damals mit Mel Gibson oder Bruce Willis, und vor ein paar Jahren hat Liam Neeson dieses Genre für sich entdeckt, warum also nicht auch Til Schweiger mit einer deutschen Produktion?

Es geht immer alles ganz schnell in diesem Film, der dann trotzdem über seine 140 Minuten eine gepflegte Langeweile aufbaut – vielleicht, weil alles immer so schnell geht; so, als säße man vor einer der mordernen TV-Serien, in der einem die eine Folge nicht gefällt und man dann einfach 40 Minuten wartet, bis die nächste Folge beginnt. Lenny scheitert mit ihrem Plan sofort. Wochenlang hat das 17-jährige Mädchen via Handy ihres LKA-Vaters heimlich(!) in Istanbul die richtigen Strippen gezogen, sich sogar nach der Landung in Istanbul eine Waffe besorgt(!) – und dann steht sie Firat Astan gegenüber, der ordentlich dämonisch sowohl mit den Augen als auch das „R“ rollt, und versagt. Fünf Filmminuten später hat dann auch der besorgte Papa schon im richtigen Hotel die richtige Spur aufgenommen, hat nach weiteren zehn Minuten die überaus attraktive Empfangsdame gebumst und steckt weitere zehn Minuten später im türkischen Schrei-Brüll-Nix-verstehen-Knast.

Die Tochter, die Til Schweiger da 140 Minuten lang berfreien will, wird von dessen Tochter Luna dargestellt, die so viel Charme und Esprit verstrahlt, wie ein eingegangener Gummibaum – es besitzt boshafte Ironie, dass Frau Schweiger in ihren Anfangsszenen – hellwach, aktiv, einen Plan verfolgend – genau sediert auftritt wie am Ende, wenn sie vollgestopft ist mit Drogen und eine Bombe im Bauch spazieren führt. Sie hat nicht viele Szenen, stört also nicht weiter, aber Til Schweiger sollte sich das mit seinen unverbrüchlichen Familienbanden vielleicht nochmal überlegen.

In der Zwischenzeit gibt es Verfolgungen, Schießereien und Gehirne, die vor Sehenswürdigkeiten verteilt werden; überhaupt ist dieses Istanbul bevölkert ausschließlich von korrupten, aber nicht ganz hellen Polizisten sowie wild um sich schießenden Geschäftsleuten, die noch etwas weniger helle sind. Und dann sitzen aber Tschiller und sein Buddy, der auch hier wieder für die Lacher zuständige (die Handlung allerdings nicht beeinflussende) Fahri Yardım im Flugzeug nach Moskau. Und auch in der russischen Hauptstadt wieder Verfolgung, Schießereien, Nutten, Sehenswürdigkeiten, Gefängnisse … same procedere. Wie gesagt: Kann man machen. Solange er unterhaltsam gebaut ist, hat ein ordentlicher Actionfilm auch bei dünner Story seine Berechtigung – und einige Actionsequenzen, mit Mähdreschern oder Bei-voller-Fahrt-von-Autodach-zu-Autodach-springen sind gelungen. Aber für die 140 Filmminuten gibt es von der Qualität zu wenige. Die Tschiller-Tatorte am Sonntagabend dauern in der Regel 87 Minuten – wenn dieser hier 100 Minuten dauern würde … alles wäre gut.

Es ist das Wesen eines Actionfilms, vorwärts zu treiben, die Hauptfiguren in überraschende, immer wildere Situationen zu bringen; mit den Verschnaufpausen an den richtigen Stellen (der erste Stirb-langsam-Film ist ein mustergültiges Beispiel dafür) können diese Filme einen unwiderstehlichen Reiz entwickeln. In „Tschiller: Off Duty“ passiert aber eben kaum Überraschendes. Die Situationen sind nicht wild, die Straßen im nächtlichen Moskau, auf denen ein bisschen Autojagd gespielt wird, sind so leer, als hätte Wladimir Putin eine Ausgangssperre verhängt. Der Film ist eine jederzeit vorhersehbare Ein-Mann-guckt-grimmig-Show.

Wertung: 2 von 8 €uro