Kinoplakat: Total Recall
Überraschung: Besser als
Schwarzeneggers Vorlage
Titel Total Recall
(Total Recall)
Drehbuch Kurt Wimmer + Mark Bomback + Ronald Shusett + Dan O'Bannon + Jon Povill
nach der Kurzgeschichte „Erinnerungen en gros - We Can Remember It For You Wholesale” von Philip K. Dick
Regie Len Wiseman, USA 2012
Darsteller Colin Farrell, Kate Beckinsale, Jessica Biel, Bryan Cranston, Bokeem Woodbine, Bill Nighy, John Cho, Will Yun Lee, Milton Barnes, James McGowan, Natalie Lisinska u.a.
Genre Actionthriller
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
23. August 2012
Website welcometorecall.com
Inhalt

Irgendwann in der Zukunft. Es gibt auf der Welt nur noch zwei Plätze, die nicht vom letzten Atomkrieg komplett verseucht sind: Großbritannien (die United Federation of Britain) und Australien, „die Kolonie” genannt. Zahlreiche Einwohner der Kolonie pendeln täglich mit einem „the Fall” genannten Hochgeschwindigkeitstransporter, der in einem Schacht quer durch die Erde zwischen den beiden Antipoden verkehrt, um meist niedere Arbeiten in den Fabriken Britanniens zu verrichten. Beide Gebiete sind überbevölkert, bewohnbare Flächen sind extrem kostbar und knapp.

Mechaniker Douglas Quaid hat schlechte Träume. In denen flieht er mit einer jungen Frau vor schießwütigen Schergen. Sie schafft es, er nicht, dann wacht er auf. Seine Frau, die Polizistin Lori, kann ihm nicht recht weiter helfen, hofft aber, dass sich bald alles wieder entspannt. Es bleibt eine Hoffnung. Quaid bleibt angespannt. Immer derselbe Traum? Wer ist diese Frau? Ist er unzufrieden mit seinem Leben? Könnte ein Nachmittag bei „Rekall Inc.” helfen, einer Agentur, die Dir erfundene Erinnerungen einpflanzt. So, als hättest Du das tatsächlich erlebt? Quaid versucht's. Und dann ist alles anders.

Rekall-Mitarbeiter McClane hatte Quaid einige Vorschläge für falsche Erinnerungen an ein besseres Leben gemacht und der hatte sich für ein Leben als Geheimagent entschieden. Da sich die falschen Erinnerungen auf gar keinen Fall mit eventuellen realen Erinnerungen überschneiden dürfen, wird Douglas auf seine realen Erinnerungen getestet. Es stellt sich heraus, dass Quaid tatsächlich ein Spion war. Nur erinnern daran kann er sich nicht.
McClane und seine Mitarbeiter werden sofort von anrückenden Sicherheitskräften erschossen, Quaid, der festgenommen werden soll, tötet die Sicherheitskräfte instinktiv und entkommt. Er versteht noch nicht, woher er seine plötzlichen Nahkampffähigkeiten hat. Was jetzt? Als er abends Lori davon erzählt, nimmt die ihn tröstend in den Arm. So fest, dass sie ihm fast das Genick bricht.

Lori will ihren Mann töten. Es gibt einen heftigen Kampf, bei dem Lori gesteht, gar nicht mit Doug verheiratet zu sein, ja, ihn erst seit sechs Wochen zu kennen. Die Erinnerungen an sieben Jahre Ehe mit ihr waren Douglas künstlich eingepflanzt worden. Er war kein einfacher Arbeiter, sondern ehemals Undercover-Agent des herrschenden Systems unter Cohaagen, dann Überläufer und bedeutender Agent der Widerstandsbewegung, der gefangen genommen wurde. Dabei wurde sein Gedächtnis weitgehend gelöscht und ihm eine neue Identität eingepflanzt.

Quaid kann fliehen und wird von eben jener Frau aufgelesen, die er immer in seinen Träumen gesehen hat. Wer ist sie? Gehört sie zu jenen Terroristen, vor denen Kanzler Cohaagen stets warnt? Sie wirkt aber gar nicht böse. Melina, so heißt sie, kann sich an Doug gut erinnern. Eigentlich heißt er Carl Hauser und eigentlich sind die Terroristen auch gar keine Terroristen, sondern Freiheitskämpfer im Untergrund, die einen furchtbaren Plan aufgedeckt haben, mit dem Cohaagen die Menschheit unterjochen will. Der Schlüssel, diesen Plan zu verifizieren, steckt in Quaids Kopf. Aber da ran kommt nur Mathias, der Chef der Widerstandskämpfer. Also müsste man Quaid zu ihm bringen. Aber das ist gefährlich, denn eine Frage ist immer noch offen: Wer ist eigentlich Carl Hauser/Douglas Quaid? Ein Arbeiter? Ein Agent der Widerstandsbewegung? Oder doch Cohaagens Doppelagent, der in die Widerstandsbewegung eingeschleust wurde?

Was zu sagen wäre

Kinoplakat: Total Recall (2012)Eine gelungene Überraschung: Der Film ist bessder, als die Erwartung in ihn. Was soll ich auch von einem Filmteam halten, das sagt, dieser Film werde ganz anders, als sein Vorgänger von 1990: Dieses Mal würden auch echte Schauspieler eingesetzt? Total Recall mit Arnold Schwarzenegger ist für mich - wie die meisten Schwarzenegger-Filme - nur ein Vehikel, um Schwarzenegger beim sich prügeln und schwere Maschinen zerlegen zuzugucken. Eine Filmerzählung erwarte ich da ja nicht. Dazu ist Schwarzenegger auch zu unbeweglich. Seine schwerfällige Körperhaltung machte noch jedem Versuch einer realistischen Szene einen Strich durch die Rechnung. Mit der feingliedrigeren Kurzgeschichte von Philip K. Dick hatte der 1990er-Film ohnehin nicht viel zu tun. Der neue Film übrigens auch nicht.

Verhoeven 1:1 übernommen

Dieses Mal haben die Autoren auch den Mars weg gelassen, der für Paul Verhoeven 1990 noch ein zusätzlicher Ansporn war, den Film zu machen. Es ist erstaunlich, dass Len Wiseman sagt, er habe kein Remake machen, sondern der literarischen Vorlage wieder näher kommen wollen. Tatsächlich hat er aber die Dramaturgie der Verhoeven-Vorlage nahezu 1:1 übernommen und von Philip K. Dicks short story nichts weiter mitgenommen.

Zudem hat er nette kleine Reminder in seinen Film eingebaut: Eine Frau mit drei Brüsten taucht auf (die auf dieser Welt nun gar keinen Sinn ergibt) und auch eine Frau in der Maske, die Schwarzenegger trägt, als er inkognito den Mars betreten wollte - statt am Mars-Durchgang am Eingang zum "Fall". Ein netter Hingucker, der im richtigen Moment ablenkt und Spannung liefert.

Kreiselnde Prügelszenen machen Spaß

Also kein Schwarzenegger! Kein unbewegliches Muskelgebirge in Spielzeugumgebung. Dann muss mehr Inhalt ins Bild. Und da haben die Macher alles richtig gemacht. Colin Farrell („Miami Vice”, „London Boulevard”, „Kill the Boss”) hat sein Six Pack austrainiert und geht mit ordentlich zur Schau gestellter Ahnungslosigkeit ans Werk und Len Wiseman schaut ihm mit kreiselnder Kamera beim Prügeln zu. Lange Einstellungen statt hektischer Schnitte - da machen sogar die Prügelszenen richtig Spaß.

Kate Beckinsale (Underworld - UK 2003; Pearl Harbor - USA 2001; Weil es Dich gibt - USA 2001) als verlogene Gattin Lori und Jessica Biel (Valentinstag- USA 2010) als kampferproble Liebhaberin sind für Jungs gleich zwei Hingucker, die aber mehr sind, als hübsche Staffage. Beckinsale ist in der Action zuhause. Regisseur Len Wiseman hat sie schon durch vier Folgen Underworld gegen Vampire und Werwölfe gehetzt; sie weiß, wie frau sich wehrt.
Jessica Biel ist nach Filmen wie „Texas Chainsaw Massacre”, „Blade: Trinity” eine durchtrainierte Athletin, die weiß, wie sie vor der Kamera agieren muss. Ihre Ausstrahlung trägt - auch in ruhigen Momenten. Top-Star allerdings ist die Ausstattung!

Phantastische Bauten

Die Welt, die Len Weisman mit seinen Bauleuten Patrick Tatopoulos sowie Patrick Banister, Oana Bogdan und Brandt Gordon gebaut hat, ist ein echter Hingucker - und für eine Verfolgungsjagd eine Fahrstuhl-Rolltreppen-Kombination ersonnen, die zwar absurd ist, aber bei der Flucht und Verfolgung darüber-darunter-dadurch nail-biting ist und sich außerdem gut im Computerspiel nachbauen lässt. Die Stadt ist eine Mischung aus Coruscant, dem 2019er-Los-Angeles aus „Blade Runner” (Ridley Scott – USA 1982) und dem Los Angeles aus „Demolition Man” (Marco Brambilla – USA 1993). Richtig: Ist also nichts Neues. Aber wunderbar zusammenkomponiert und zu einem eigenen Ganzen gebracht, dem man zwei Stunden gerne zuschaut.

Übrigens ist auch der Soundtrack von Harry Gregson-Williams schön zusammenkomponiert aus Versatzstücken von „Batman begins”, „Aliens” und jedem frühen Hans-Zimmer-Score. Und wieder bewahrheitet sich: Gut kopiert ist besser, als schlecht selbst gemacht.
Die eigentliche Story? Hat einige Löcher. Wirft Fragen auf. Geht nicht in die Tiefe. Aber ich hatte auch kein französisches Kunstkino erwartet.

Und was soll ich noch sagen: Unterm Strich gefällt mir dieser Total Recall besser, als der alte. Dieser hier ist … beweglicher.

Wertung: 6 von 7 €uro