Kinoplakat: the social network
David Finchers brillantes Porträt
einer körperlosen Generation
Titel the social network
(the social network)
Drehbuch Aaron Sorkin
nach dem auf tatsächlichen Begebenheiten beruhenden Buch von Ben Mezrich
Regie David Fincher, USA 2010
Darsteller Jesse Eisenberg, Rooney Mara, Bryan Barter, Brenda Song, Dustin Fitzsimons, Armie Hammer, Joseph Mazzello, Patrick Mapel, Andrew Garfield, Max Minghella, Toby Meuli, Alecia Svensen, Calvin Dean, Malese Jow, Jami Owen u.a.
Genre Drama
Filmlänge 120 Minuten
Deutschlandstart
7. Oktober 2010
Inhalt

Mit Frauen kann er nicht. Eigentlich überhaupt mit Menschen nicht. Mark Zuckerberg ist an der Uni Harvard das, was man einen Nerd nennt. Er kann mit Computern umgehen, Websites bauen, programmieren. Aber das ist nicht der Grund, wieso Frauen ihn nicht mögen. Erica Albright, seine aktuelle Flamme, sagt es ihm, bevor sie ihn in der Kneipe sitzen lässt - „Die Leute mögen Dich nicht, weil Du ein Arschloch bist.”

Allein auf seiner Bude entwickelt der Student im Jahr 2003 die Idee für eine Webseite namens FaceMash, auf der die Nutzer jeweils Bilder zweier Frauen präsentiert bekommen und per Mausklick deren Attraktivität vergleichen und bewerten können. Den Algorithmus für den Bildervergleich liefert ihm sein bester Freund Eduardo Saverin. Um an das entsprechende Bildmaterial für die Webseite zu kommen, hackt sich Mark in die Datenbanken aller Wohnheime der Harvard University, stiehlt aus den Online-Jahrbüchern der Fakultäten digitale Fotos der Studentinnen und stellt die Bilder online. Zeitgleich postet er herablassende Kommentare über seine Exfreundin in seinem Blog.
FaceMash verbreitet sich binnen weniger Stunden unter den Studenten der Universität und binnen kürzester Zeit bringt der Traffic die Server an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit. Die Universität unterbricht die Verbindung zum Server und Zuckerberg muss sich vor einem Gremium der Universität für den Vorfall verantworten. Als Strafe erhält er eine Bewährungszeit von sechs Monaten.

Die Berichte über die Webseite und deren überwältigenden Erfolg erreichen auch die ebenfalls in Harvard studierenden Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss und ihren Kommilitonen Divya Narendra. Sie kontaktieren Zuckerberg und besprechen mit ihm ihre Idee für ein elitäres soziales Netzwerk, das nur für die Kommilitonen an der Harvard University vorgesehen sein soll. Zuckerberg sagt zu, die drei zu unterstützen, ist dann jedoch für mehrere Wochen nur sporadisch für sie erreichbar.

Während dieser Zeit arbeitet er an seiner eigenen Webseite, die er „thefacebook.com” nennt. Die Grundidee umreißt Zuckerberg so: „Ich rede davon, sämtliche sozialen Erlebnisse im College online zu stellen.” Der ungeahnte Erfolg der Webseite überrollt die Gründer. Schnell wächst Facebook über Campus- und Länder-Grenzen hinaus. Zuckerberg trifft sich mit Sean Parker, dem Mitgründer der einstigen Musiktauschbörse Napster. Er wird Zuckerbergs Mentor und schlägt ihm unter anderem vor, das the im Domainnamen zu entfernen.

Fortan geht es nicht mehr um eine „Kommunikationsrevolution” an der Hochschule, sondern um viel Geld. Parker sagt: „Eine Million Dollar ist nicht cool. Weißt du, was cool ist? Eine Milliarde!” Er stellt den Kontakt zu Risikokapitalgebern her.

Damit lässt die Unternehmung endgültig den Campus-Charakter hinter sich. Freunde zerstreiten sich, gnadenlose Finanziers erscheinen auf der Bildfläche und die Zwillinge Winklevoss strengen einen Schadenersatzklage in Millionenhöhe gegen Zuckerberg an …

Was zu sagen wäre

Wer hätte das nächste Biopic gebraucht? Noch dazu eines, dessen Buchvorlage höchst zweifelhaft ist, von der keineswegs bewiesen ist, dass das, was dort steht, einer realen Lebensgeschichte folgt.

Bunt, atemlos, unverschämt - Finchers Facebook-Krimi ist dynamisches Kino

Solche Fragen sollte man besser außen vor lassen und darauf vertrauen, dass David Fincher („Panic Room” - USA 2002; „Fight Club” - USA 1999; Sieben - USA 1995; „Alien 3” - UK/USA 1992) weiß, wie Kino geht. Sein Film ist kein Tech-Porno für Nerds, sondern im Grunde eine Rachegeschichte. Weil ein Junge nicht in die coolen Clubs gelassen wird, entwickelt er seinen eigenen Club - mit Perl-Skript und SSL-Schlüsseln, statt Geld und Lacoste-Hemden. Und um bei Facebook Mitglied zu werden, muss man auch nicht mehr nächtelang in Unterhosen auf dem Campus ausharren, wie das im Film-Harvard noch zum Ritual gehört. Die Mitgliedschaft im angesagtesten Club der Welt ist körperlos und kostet nichts. Bätsch.

Kinoplakat: the social networkFinchers Facebook-Film ist dynamisches Kino, ein buntes, atemloses, unverschämtes Porträt der Digital Native Generation. Fincher macht das einzig richtige, um der Biografie-Falle zu entgehen: Er springt in der Zeit - einmal sind wir in der Entwicklungsphase von Facebook dabei, im nächsten Moment bei den Anhörungen zu den Schadenersatzforderungen. An der strikten chronologischen „Und-dann”-Dramaturgie krankte Finchers Seltsamer Fall des Benjamin Button. In „social network” beherrscht Fincher sein Handwerk so gut, dass er weder Blenden noch Jahreszahlen noch fliegende Kalenderblätter noch sonst irgendein Objekt aus der filmischen Mottenkiste braucht, um in der Zeit zu springen. Bei Fincher reicht der einfache Schnitt; der Zuschauer weiß immer, wo er ist.

Elegante Bilder - Rythmischer Schnitt

Überhaupt der Schnitt. Die einzige Love-Interest lässt unseren Helden nach fünf Minuten sitzen, zwischendrin gibt's einmal schnellen Groupie-Sex auf dem Klo, der Rest ist Campus, Computer, Cash-funding - auf den ersten Blick nicht unbedingt bildstark und Leinwandtauglich. Aber Finchers Cutter Kirk Baxter und Angus Wall geben dem Film einen unwiderstehlichen Rythmus, der die Story und ihre Figuren treibt; dazu liefert Jeff Cronenweths Kamera elegante Bilder mit schöner Tiefe - dazu kommen Szenen bei einer Ruderregatta … da möchte ich gleich selbst wieder ins Boot steigen.

By the way: Die Zeit der Frischluft fröhnenden Gymnastikrecken ist vorbei. „the social network” ist das Porträt einer Generation, die die Wohnung nur noch virtuell verlässt. Am Ende ist es auch völlig egal, ob die Geschichte dieser sozial inkompetenten Zuckerberg-Figur auf einer realen Figur basiert oder nicht. „the social network” ist der Film zur absterbenden Bindungsbereitschaft; jeder kruscht vor sich hin, hält seine Schäfchen trocken. Gleichzeitig will zwar jeder wissen, was der andere macht, aber bitte online; das hat den Vorteil, dass man sie nicht fragen und dabei ggf. ein lästiges Gespräch führen muss.

Sehr cooles Kino!

Wertung: 7 von 7 €uro