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Plakatmotiv: The Shallows – Gefahr aus der Tiefe
Blake Lively verdreht einem
Weissen Hai den Fischkopf
Titel The Shallows – Gefahr aus der Tiefe
(The Shallows)
Drehbuch Anthony Jaswinski
Regie Jaume Collet-Serra, USA 2016
Darsteller Blake Lively, Óscar Jaenada, Angelo Josue Lozano Corzo, Brett Cullen, Sedona Legge, Pablo Calva, Diego Espejel, Janelle Bailey, Ava Dean, Chelsea Moody, Sully Seagull u.a.
Genre Thriller, Horror
Filmlänge 86 Minuten
Deutschlandstart
25. August 2016
Inhalt

Nach dem Tod ihrer Mutter bricht Nancy Adams ihr Medizin-Studium ab und reist zum Surfen an einen versteckten Strand in Mexiko, den auch ihre Mutter einst besuchte, als sie mit Nancy schwanger war. Dabei wird sie von dem Einheimischen Carlos am Strand abgesetzt.

Zunächst surft Nancy mit zwei weiteren Männern, die später aus dem Wasser gehen. Als Nancy noch einmal mit ihrem Surfbrett hinausschwimmt, entdeckt sie den gewaltigen Kadaver eines Buckelwals. Kurze Zeit später stößt ein Weißer Hai sie vom Surfbrett, zieht sie unter Wasser und hinterlässt eine tiefe Bisswunde in ihrem Oberschenkel. Nancy rettet sich auf den Wal-Kadaver, der kurz darauf vom Hai umgestoßen wird, was Nancy zwingt, zu einem aus dem Wasser ragenden Felsen zu schwimmen.

Die anderen Surfer verlassen den Strand, ohne Nancys Hilferufe zu bemerken. Sie verbringt die Nacht auf dem Felsen. Dabei leistet ihr eine verwundete und daher flugunfähige Möwe Gesellschaft. Sie nennt die Möwe Steven Seagal. Am nächsten Tag wird Nancy von einem betrunkenen Einheimischen bemerkt. Dieser will aber nur ihre Sachen stehlen, die noch am Strand liegen. Als er das im Wasser treibende Surfbrett holen will und Nancys Warnungen ignoriert, wird er vom Hai attackiert und getötet.

Ein paar Stunden später treffen die beiden Surfer vom Vortag ein, die der Hai ebenfalls tötet. Einer der Surfer trug eine GoPro-Helmkamera, die Nancy aus dem Wasser fischt und eine Nachricht für ihre Familie hinterlässt. Als die Flut eintrifft, erkennt Nancy, dass das Wasser den Felsen bald übersteigen wird. Sie setzt Steven Seagal auf ein Stück des Surfboards und stößt es in Richtung Küste. Während der Haifisch durch Quallen abgelenkt ist, schwimmt sie zu einer nahen Boje, die sie knapp vor dem Raubfisch erreicht …

Was zu sagen wäre

Seit Steven Spielberg den Ruf des Großen Weißen so nachhaltig ramponiert hat, dass auch hundert BBC-Dokus den Weißen Hai (Carcharodon carcharias) nicht haben rehabilitieren können, gilt der Fisch unter Gänsehaufilmern als der Michael Myers unter den creatures.

Plakatmotiv: The Shallows – Gefahr aus der Tiefe Der geprügelte Fisch wird für Filme wie „Sharknado“, „Sharctopus“ und anderen Jungs-Videoabend-Trash vergewaltigt und kein Tierschützer stöhnt mehr auf. Der Hai ist für Filmemacher einfach der Hit: Er ist groß, seine Augen gnadenlos, sein Gebiss besser als Freddy Krugers Stahlklauen und der Mensch im Wasser sieht meist nur seine Flosse, bevor er sich dann kreischend in einen blutenden Klumpen Fleisch mit Knochen verwandelt.Ernsthafte Haifisch-Filme hat es nach dem Weißen Hai (1975) nur einen gegeben, Rennny Harlins Deep Blue Sea (1999); da wurde der Hai bezeichnenderweise erst in Gefangenschaft zur Bestie, nachdem Wissenschaftler seltsame Experimente an dessen Hirn vorgenommen hatten. Pixars Finding Nemo (2003) schickte den Hai dann sogar in Thearapie – „Fish is Friend, No Food!“

Es hat nichts genutzt, das Viech bleibt auf der Leinwand ein Killer. Im jüngsten Versuch allerdings hätte er keine Rufschädigung zu befürchten, denn wegen ihm muss sich „The Shallows“ wahrlich niemand gruseln. Die wenigen Zähnefletsch-Attacken, die blutig enden, haben wir im Trailer schon gesehen, er Rest ist so kreuzbrav inszeniert, dass man hofft, etwas würde einen an den Füßen beißen, auf dass die unterm Kinosessel nicht einschlafen. Der Film ist sexistisch. Das ist nun keine Aussage, die sonderlich überrascht – die meisten Jungs-Videoabend-Filme sind sexistisch (deswegen sind es ja Jungs-Videoabend-Filme).

Es ist nur so, dass diesem Film alles fehlt, selbst der Fisch. Die Mordattacken des Hais, der offenbar mehr will, als seinen natürlichen Hunger zu befriedigen, bleiben in der Andeutung; keine Attacke, die der Trailer nicht schon in ganzer Länge gezeigt hätte. Übrig bleibt Blake Lively im Bikini (Café Society – 2016; Savages – 2012; „Pippa Lee“ – 2009), die mal eine kurze Karriere als reiches, schönstes Mädchen von Nebenan mit dem sicheren Blick für die inneren Werte des armen Hänftlings in der TV-Serie „Gossip Girl“ hatte, später eine kurze Liaison mit Leonardo DiCaprio und dann Ryan „Green Lantern“ Reynolds heiratete. Während der Dreharbeiten auf und unter Wasser war sie schwanger und brachte im September 2016, drei Monate nach Filmstart, ihre zweite Tochter zur Welt. Das ist auch schon die größte Leistung, die man der 29-Jährigen attestieren kann: dass man ihr das nicht ansieht.

Plakatmotiv: The Shallows – Gefahr aus der Tiefe Darüberhinaus ist sie im Film blond, durchtrainiert, cool, versiert in erster Hilfe und muss ordentlich Prügel einstecken – Exploitation-Motiv: die leidende Nackte, gefangen auf zwei Quadratmeter. Und weil sie auf scharfkantigen Felsen mit blutenden Beinen und vielen Nahaufnahmen eine ordentliche Präsenz auf der Leinwand entfaltet, sind wir anfangs gerne bereit – ja: auch, weil sie schön anzuschauen ist (Kino ist ein Medium des Bildes) – mal abzuwarten, was Regisseur Jaume Collet-Serra gegen so eine 2016-Heroine ins Feld, bzw. Wasser führen könnte. Collet-Serra hat mit bunten Liam-Neeson-Actionern wie Unknown Identity (2011) oder Non-Stop (2014) bewiesen, dass er halbseidene Storys mit ordentlich Actionthrill aufzublasen versteht.

In „The Shallows“ klappt das nicht. Collet-Serra und sein Kameramann Flavio Martínez Labiano sind über weite Strecken auf Livelys durchtrainiertes Gesäß in knapper Bikinihose konzentriert und einen etwaigen Spannungsaufbau einem nichtssagenden Countdown auf erst Ebbe, dann Flut ablaufen lässt. Das ist einigermaßen schade. Denn wenn schon der Hai nicht für Action im Schauspiel sorgt, hätte ich gerne mehr von Livelys Schauspiel gesehen. Ihr Talent blitzt immer wieder auf, während sie den Hai derart in die Raserei treibt, dass der nach einem fetten Trinker und zwei durchtrainierten Surfern, die er in den vergangenen zwölf Stunden verputzt hat, sogar noch eine halbe Signalboje zerbeist, um die Blonde auch noch zu bekommen.

Meeresbiologen übrigens haben errechnet, dass ein Weißer Hai, der eine große Robbe gefressen hat, seinen Energiehaushalt für bis zu eineinhalb Monate gedeckt hat, also keinen Hunger mehr verspürt.

Wertung: 2 von 8 €uro
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