Kinoplakat: The Legend of Tarzan
Die Legende von Tarzan kriegt
nicht einmal David Yates klein
Titel The Legend of Tarzan
(The Legend of Tarzan)
Drehbuch Adam Coda + Craig Brewer
nach den Tarzan-Erzählungen von Edgar Rice Burroughs
Regie David Yates, USA, UK, Kanada 2016
Darsteller
Alexander Skarsgård, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson, Margot Robbie, Sidney Ralitsoele, Osy Ikhile, Mens-Sana Tamakloe, Antony Acheampong, Edward Apeagyei, Ashley Byam, Casper Crump, Adam Ganne, Aleksandar Mikic, Rory J. Saper, Christian Stevens,  u.a.
Genre Abenteuer
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
28. Juli 2016
Website legendoftarzan.com
Inhalt
Seit vielen Jahren lebt der Mann, der einst als Tarzan bekannt war, als John Clayton III., Lord Greystoke mit seiner Frau Jane in London. Dann wird er auf Einladung von König Leopold von Belgien in den Kongo entsandt, um dort dessen Investitionen zu begutachten. Begleitet wird er von seiner Frau und dem Amerikaner George Washington Williams, der Beweise für die Versklavung der einheimischen Bevölkerung finden will.

Clayton ahnt nicht, dass er als Schachfigur in einem Rachefeldzug missbraucht wird, der von Captain Léon Rom, dem Gesandten von König Leopold, erdacht wurde. Rom will Clayton an Chief Mbonga ausliefern, um im Gegenzug ungestörten Zugang zu den Edelsteinvorkommen zu bekommen. Clayton hatte einst als Vergeltung für den Tod seiner Adoptivmutter, einem Gorilla, Mbongas einzigen Sohn getötet.

Zunächst besucht die Reisegruppe den Stamm, bei dem Jane aufgewachsen ist. Das Dorf wird von Roms Truppe angegriffen; Jane wird zusammen mit einigen Dorfbewohnern entführt. Mit Williams und einigen Stammesangehörigen macht sich Clayton auf den Weg in den Dschungel, um Jane zu befreien …

Was zu sagen wäre

Die Legende von Tarzan, dem Herrn der Affen, hat schon so viel Verfilmungen überstanden, dass auch David Yates mit seiner Version daran scheitert, sie zerstören zu wollen. Yates, ehemals ein versierter Fernsehmann, hat schon bei den letzten vier Harry-Potter-Verfilmungen gezeigt, dass er in seinem Handwerk über ansprechende 16:9-Ästhetik nicht hinaus kommt. Totalen der großartigen afrikanischen Landschaft gönnt er dem Zuschauer mal für drei Sekunden; vieles kommt aus dem Computer, sieht dennoch beeindruckend aus. egal, sagt Yates, weiter im Text und Schnitt. Dabei fängt der Film so vielversprechend an.

Anstatt uns zum 189. Mal mit der Entdeckung des Wilden zu beglücken, beginnt dieser Film da, wo Hugh Hudson 1984 mit Greystoke – Die Legende von Tarzan, Herr der Affen geendet hat – in der englischen Upper Class mit dem zum Earl umerzogenen Ex-Wilden, der mit seiner patenten Gattin über ein großes Anwesen mit glücklicher Dienerschaft herrscht. Damit dann trotzdem Dschungel und Gorillas, Elefanten und böse Wilderer/Eroberer zum Zuge kommen, greift das Script auf eine historsich halbwegs authentische Figur, den Belgier Leon Rom, und politische Ränke im belgisch besetzten Kongo zurück – Tarzan kehrt heim, und er kommt nicht allein.

Mit dabei sind ein wirklich imposant ausdefierter Oberkörper, dazu Jane, seine Gattin, die Margot Robbie in gewohnter Manier (Focus – 2015; The Wolf of Wall Street – 2013; Alles eine Frage der Zeit – 2013) als attraktive aber eigenständig denkende Damsel in Distress spielt, sowie der Botschaftsattachée aus Washington, George Washington Williams. Diese Figur verkörpert die ganze Hilflosigkeit David Yates‘. Samuel L. Jackson (The Hateful 8 – 2015; Kingsman – The Secret Service – 2014; RoboCop – 2014; The Avengers – 2012; Unthinkable – Der Preis der Wahrheit – 2010) spielt die Rolle des Retters des Abendlandes – was die Europäer in ihrer Kolonialpolitik nicht ordentlich hinbekommen haben, nämlich mit den Wilden da unten in Harmonie zu leben, das schafft jetzt der US-Attachée mit den blitzenden Augen und beweist: Die bösen und bankrotten Belgier wollen die armen Eingeborenen versklaven. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen beichtet der farbige(!!) Botschaftsattachée (selbst sicher Nachfahre afrikanischer Sklaven) dem guten Tarzan bei erster nächticher Ruhepause, was er schon alles für koloniale Greuel begangen hat, „vor allem an den Indianern“. Nun ist er reumütig geknickt und begleitet also – „Ich habe noch nie einen Freund im Stich gelassen und ich fange heute nicht damit an.“ – Tarzan auf seiner gefährlichen Reise; er, der mit Dschungel, Savanne und wilden Tieren am wenigsten Erfahrung hat geht mit, während Tarzans treue Stammesbrüder alle zurückbleiben, nachdem Tarzan deklamiert: „Ich muss das alleine machen!“ Und dann ist auch gut mit Besinnung.

Kinoplakat: The Legend of Tarzan

Samuel L. Jackson im Übrigen spielt die Rolle Samuel L. Jacksons, der einen schnoddrigen Charakter spielt. Das ist nicht weiter überraschend, nachdem seine Rolle im Film völlig überflüssig ist, ausschließlich als Handreichung für den Zuschauer im Kinosessel dient, der zwischen Popcorn und Smartphone verstehen muss, wie das so geht, mit Affen zu kommunizieren, durch den Dschungel zu schwingen und dabei noch Margot Robbie zu küssen. Der Amerikaner ist Tarzan nur im Weg, rettet ihn kein einziges Mal (was ja ein Grund für so eine Figur sein könnte), schafft es aber als Dschungelneuling, eine Strecke, die Tarzan per Liane über mehrere Kilometer zurückgelegt hat, in fünf Minuten zu Fuß zu überwinden; hatten Tarzans Stammesbrüder ihn nicht eben erst gewarnt, „allein zurückbleiben bedeutet den Tod“? Egal. Jetzt kommt sein Einsatz, weil Tarzan gerade gegen einen wilden Gorilla antreten muss und weder er noch der Primat dem Zuschauer situativ erklären können, dass der Gorilla Tarzans geliebter Stiefbruder ist, der ihn, Tarzan, nach dessen Abgang aus dem Dschungel für einen Verräter hält, weswegen also gekämpft werden muss. David Yates kommt vom Fernsehen, er hat das nicht anders gelernt: Nimm einen Buddy mit. Dem kann die Hauptfigur dann immer erklären, was gerade passiert und der kann hier und da auch noch einen flotten Spruch machen, etwa „Muss ich dem Affen auch noch seine Eier ablecken?“
Jackson macht es übrigens ähnlich wie sein Kumpel aus gemeinsamen Tarantino-Tagen: Auch Christoph Waltz spielt seinen Leon Rom als Christoph Waltz (James Bond 007 – Spectre – 2015; The Zero Theorem – 2014; Django Unchained – 2012; Der Gott des Gemetzels – 2011; Die drei Musketiere – 2011; The Green Hornet – 2011; Inglourious Basterds – 2009), der einen gepflegt-gebildeten Schurken spielt, der mit Messer und Gabel speist. Das guckt sich gut, langweilt aber mittlerweile rasch.

Zehn Minuten nach dem Bruderkampf, den der Gorilla naturgemäß gewonnen, Tarzan (den „Verräter“) aber am Leben gelassen hat, hilft die gesamte Gorillahorde ihrem Menschenfreund an anderer Stelle aus lebensgefährlicher Patsche. Warum das plötzlich so ist, bleibt unklar, für wortreiche Erklärungen ist an dieser Stelle des Films gerade kein Platz, denn der Showdown wirft seine Schatten voraus.

Die Legende von Tarzan wird auch diesen Film überleben, der sich seinem Sujet zunächst so schön ruhig und bedächtig nähert, sich Zeit nimmt und seine Fäden spinnt. Aber mit Janes Entführung verliert das Drama seine Struktur, gerinnt die historische Einbettung zur leeren Kulisse, zerbröselt eine gute Idee unter der Stampede von Elefanten, Löwen und Gnus. Die wenigstens, die Tiere, sind ordentlich animiert.

Wertung: 2 von 8 €uro