Kinoplakat: The Interview
Sich reimende Fäkalwitze
einer prüden Nation
Titel The Interview
(The Interview)
Drehbuch Dan Sterling + Seth Rogen + Evan Goldberg
Regie Evan Goldberg & Seth Rogen, USA 2014
Darsteller

James Franco, Seth Rogen, Lizzy Caplan, Randall Park, Diana Bang, Timothy Simons, Reese Alexander, James Yi, Paul Bae, Geoff Gustafson, Dominique Lalonde, Anesha Bailey, Anders Holm, Charles Rahi Chun, Don Chow u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 112 Minuten
Deutschlandstart
5. Februar 2015
Inhalt

Dave Skylark ist der Moderator der erfolgreichen Promi-Talkshow „Skylark Tonight“. Doch er und sein Kumpel Aaron Rapaport, der die Sendung produziert, wollen höhere journalistische Wellen schlagen. Als sie erfahren, dass Kim Jong-un ein Fan ihrer Sendung ist, planen sie, ein Interview mit dem nordkoreanischen Machtinhaber zu führen.

Damit würden sie in der Medienbranche endlich ernst genommen werden. Tatsächlich lädt sie der extravagant auftretende Diktator in sein Land ein und Dave und Aaron stehen vor dem ganz großen journalistischen Wurf. Doch dann tritt plötzlich die CIA-Agentin Lacey an die Freunde heran: Der US-amerikanische Geheimdienst sieht mit dem anstehenden Interview die Chance gekommen, die Kim-Dynastie zu stürzen und will die TV-Macher rekrutieren, um einen Mordanschlag auf den Diktator zu verüben …

Was zu sagen wäre
Kinoplakat: The Interview

Dieser Film machte Schlagzeilen, weil Nordkorea angeblich gedroht hat, auf Kinos, die diesen Film zeigen, Terroranschläge zu verüben. Daraufhin weigerten sich Kinos, den Film zu zeigen. Das versprach Schlagzeilen und weltweite Aufmerksamkeit, das empörte SONY-Columbia-Studio zog den Film aus Protest zurück, US-Präsident Barack Obama sagte was von Freiheit der Kunst und kommentierte das naserümpfend, so weit dürfe es nicht kommen. Dann gingen ein paar Wochen ins Land – und dann kam der Film doch in die Kinos und floppte. Und von Anschlägen wurde auch nichts bekannt.

Dabei müsste Nordkoea gar nicht beleidigt sein. Das Image, das „The Interview“ Nordkorea aufflanscht, wirkt ein wenig, wie ein überzeichnetes Bayern mit Kim Jong Un als Horst Seehofer. Von beiden weiß die Welt – soweit diese von Seehofer Kenntnis hat – dass sie zwischen ein wenig verrückt und ziemlich durchgeknallt sind; schlimmer macht dieser Film das Kim-Image auch nicht (und wir wissen alle, dass in Nordkorea diesen Film niemand sehen wird und dass Horst Seehofer weltpolitisch, ja schon europapolitisch keine Rolle spielt). Das lässt sich also ertragen, wäre also in der tat kein grund für ein Attentat. „Weißt Du, was noch zerstörerischer ist, als eine Atombombe“, fragt Kim den unbedarften US-Moderator. „Worte, Dave!" Dave, der Talkshow-Host sagt „Unsere Schwänze sind schlau. sie hassen uns wie Sau!“

Peinlich ist das Bild, das die USA von sich zeichnen. Dort leben karrieregeile TV-Producer, eitle Talkshow-Moderatoren, die ununterbrochen Fäkalsprüche formulieren und ein Volk, das jene Sendungen am häufigsten einschaltet, die die Brust-Op des angesagten Pop-Stars debattieren. Der Unterschied ist vielleicht: Während der abgeschottete Kommunismus seine Mängel verleugnet, steht der Durchnitts-Wessie zu seiner Lust auf die Brust-OP.

Hier erlebe ich an mir selbst das Einzige, das diesen Film bemerksenswert macht: Ich mache mir noch mal Gedanken über die und uns – das ist ja Aufgabe der Kunst. Da bin ich nahe bei Moderator Dave Skylark, der sich auch „ein Bild machen“ wollte, sich nicht „von Propaganda“ blenden lassen wollte. Aber sonst? Ist da nichts außer sauberem Filmhandwerk.

Die Typen nerven mit ihrem Geschwätz, da sind die überzeichneten Karikaturen beiderseits des Eisernen Vorhangs noch das kleinste, weil in so einer Komödie notwenigen, Übel. Schlimm sind schlecht geschriebene Dialoge und wie Hampelmänner über-chargierende groteske Personen.

Filmisch scheiße – um in der Sprache des Films zu bleiben. Als Denkanstoß für die anschließende Soirée ganz gut geeignet.

Wertung: 2 von 8 €uro