Kinoplakat: The Day after Tomorrow
Emmerichs Eiszapfen
machen den Godzilla
Titel The Day after Tomorrow
(The Day after Tomorrow)
Drehbuch Roland Emmerich + Jeffrey Nachmanoff
Regie Roland Emmerich, USA 2004
Darsteller Dennis Quaid, Jake Gyllenhaal, Emmy Rossum, Dash Mihok, Jay O. Sanders, Sela Ward, Austin Nichols, Arjay Smith, Tamlyn Tomita, Sasha Roiz, Ian Holm, Nassim Sharara, Carl Alacchi, Kenneth Welsh, Michael A. Samah u.a.
Genre Science Fiction, Abenteuer
Filmlänge 124 Minuten
Deutschlandstart
27. Mai 2004
Inhalt

Die nahe Zukunft: Die Polkappen brechen, weich geworden durch die globale Erwärmung. Die Folge ist eine klimatische Kettenreaktion, die zu einem Wetterchaos führt. In Tokio klatschen Hagelkörner zu Boden, groß wie Pampelmusen. In Indien gibt es Schneestürme. Los Angeles wird von Tornados zerstört. Auf New York rollt eine riesige Flutwelle zu.

Klimatologe Jack Hall hatte oft davor gewarnt. Ebenso oft war er von der US-Regierung lächelnd abgewimmelt worden. Dass es jetzt so schnell geht, hätte auch er nicht gedacht. In Sekunden fallen Temperaturen auf unter Null, die Menschen fliehen über Grenze nach Mexiko. Zu ändern ist das all nicht mehr. Aber Jack muss sich nach New York durchschlagen. Dort sitzt sein Sohn Sam fest, den er in der Vergangenheit oft genug sitzen gelassen hat. Dieses Mal, das schwört er, wird er ihn retten. Und wenn es sein Leben kostet.

Sam hat in Manhattan einige Schicksalsgefährten um sich gesammelt und sich in der Manhattan Library verschanzt. Unvermittelt wird er zum Hoffnungsschimmer der kleinen Gruppe. Sam wächst über sich hinaus – was daran liegen mag, dass er in seine Mitschülerin verliebt ist und beweisen will, dass er mehr ist, als ein Weichei …

Was zu sagen wäre

Zwei Stunden lang Bilderflut auf höchstem Niveau. Spannend. Flott. Fesselnd. Bilder, die einen tagelang nicht loslassen. Aber dann ist auch gut. Die Bilder lassen nicht wegen des relativ realen Schreckens los, sondern wegen des Boooaaahh-Effekts. Heißt: Super getrickst.

Der Rest ist Marienhof light. Das Drehbuch – also die Grundlage für die zu erzählende Story bewegt sich auf Fünftklässler-Niveau. Alle Klischees aus den guten alten Katastrophen-Filmen, mit denen Leute wie Emmerich groß geworden sind, werden bemüht. Es fehlt eigentlich nur die kaputte Ehe, die angesichts des abstürzenden Flugzeugs, des brennenden Hochhauses, des Erdbebens gekittet wird. Mit seinem Script ist emmerich zum Niveau seiner frühen Filme Hollywood Monster (1987) oder Moon 44 (1990) zurückgekehrt, nur dass wenigstens heute die Schauspieler besser sind. Dennis Quaid („Alamo – Der Traum, das Schicksal, die Legende“ – 2004; Traffic – Die Macht des Kartells – 2000; An jedem verdammten Sonntag – 1999; Leben und lieben in L.A. – 1998; „Power of Love“ – 1995; „Grüße aus Hollywood“ – 1990; „Great Balls of Fire“ – 1989; D.O.A. – Bei Ankunft Mord – 1988; Die Reise ins Ich – 1987; „The Big Easy“ – 1986; Enemy Mine – Geliebter Feind – 1985) als Vater und Sohn sind präsent und spielen gekonnt gegen die Leere im Buch an.

Grenzwertig ist die Szene, in der ein Blizzard Manhattan in Sekunden schock-gefriert, und die dadurch allüberall erzeugten Eiszapfen an den Wänden entlang schießen, dabei unsere Helden verfolgen, die sich in letzter Sekunde hinter einer schweren Eichentür in Sicherheit bringen können, wo sie dann bei einem warmen Kaminfeuer die kommende Eiszeit übeleben werden. Die Eiszapfen-Dramaturgie hat Emmerich aus seinem Godzilla (1998) übernommen, als die Babys im letzten Drittel durch den Madison Square Garden Menschenfleisch jagen.

Emmy Rossum (Mystik River – 2003; „Passionada“ – 2002), Sam Halls Love Interest ist … süß! Da möchte man sich angesichts der Großen Katastrophe auch gerne verlieben. Unterbrochen wird die Leere im Drehbuch von netten Gimmicks wie der Tatsache, dass die Schar Überlebender in der Library Bücher verbrennt (in einem Film eines deutschen Regisseurs), um Wärme zu erzeugen – und sich dabei zwei in die Haare kriegen, ob sie ein Werk von Nietzsche nun verbrennen dürfen, oder nicht. Klar, dass die weibliche Streiterin dafür ist, Fackel anzulegen. Die echte Gutenberg-Bibel überlebt – uff.

Und als am Ende kein Arzt zur Stelle ist, hilft wieder ein Buch und dazu die kluge Erklärung „Bücher sind nicht nur zum Feuer machen gut!” Zwischendrin fragt sich der gut unterhaltene Zuschauer, ob all die Sinnsprüche des erklärten Umwelt-Grünen Roland Emmerich eigentlich Jokes sind, oder echte Anliegen des Regisseurs, sich mal ordentlich mitzuteilen. Muss sich deswegen am Ende auch der US-Präsident vor laufenden Kameras entschuldigen dafür, dass er einen Fehler gemacht hat ..? Großes Bombast-Kino, das nicht nachhaltig ist.

Wertung: 4 von 6 €uro