Kinoplakat: The Boy next Door
In den 1980er Jahren war
sowas mal kurz modern
Titel The Boy next Door
(The Boy next Door)
Drehbuch Barbara Curry
Regie Rob Cohen, USA 2015
Darsteller

Jennifer Lopez, Ryan Guzman, Ian Nelson, John Corbett, Kristin Chenoweth, Lexi Atkins, Hill Harper, Jack Wallace, Adam Hicks, François Chau, Bailey Chase, Kent Avenido, Travis Schuldt, Brian Mahoney, Raquel Gardner u.a.

Genre Thriller
Filmlänge 91 Minuten
Deutschlandstart
19. März 2015
Inhalt

Einige Monate nach der Trennung von ihrem Mann Garrett ist die alleinerziehende Mittvierziger-Mutter und Lehrerin Claire noch immer sichtlich mitgenommen. Eine kurze sexuelle Ablenkung bietet der attraktive Noah: In einem schwachen Moment lässt sich Claire auf einen One-Night-Stand mit ihrem deutlich jüngeren Nachbarn ein.

Für sie steht fest, dass die Sache ein einmaliges Abenteuer war, doch Noah sieht das ganz anders; er entpuppt sich bald als Stalker, als gemeingefährlicher Irrer. Er drängt sich in Claires Leben. Dazu freundet er sich nicht nur mit mit ihrem Sohn Kevin an, sondern lauert ihr auch in ihrer Schule auf, bedrängt sie dort und erpresst sie mit einem Video, das er von der gemeinsamen Nacht gemacht hat.

Claire wird klar, dass sie einen riesigen Fehler begangen hat, denn Noahs Obsession nimmt bedrohliche Ausmaße an …

Was zu sagen wäre

Das Drehbuch wurde von einer Frau geschrieben, also – ausgleichende Gerechtigkeit – ist mal der junge knackige Südländer das Sexsymbol. Regie führt dann aber ein Mann, Rob Cohen, und dann wird‘s doch wieder eine Racheklischee-Schleuder, die sogar vor manipulierten Bremsen am Auto vor abschüssiger Serpentine nicht Halt macht.

Der Film wirkt vom ersten Frame an wie schon mal gekaut, Ende der 1980er Jahren war so etwas mal kurze Zeit modern, da hatte Robert Redford seine „Verhängnisvolle Affaire“ (1987) und in der Folge brach immer wieder mal ein Psychopath in das Leben unbescholtener Ehefrauen oder Ehemänner ein. Damals gab es dazu ein paar sehr schöne, Nailbite-Thriller. Der Film „The Boy next Door“ ist das nicht.

Die ersten zehn Minuten schaue ich mir interessiert an – weil der Trailer zwangsläufig verraten musste, in welche Richtung es geht, bin ich neugierig, wie Regisseur Rob Cohen den Thrill aufbaut. Cohen ist auf dem Regiestuhl ja kein Unbekannter („Die Mumie – Das Grabmal des Drachenkaisers“ – 2008; „xXx – Triple X“ – 2002;The Fast and the Furious – 2001; „The Skulls“ – 2000; Daylight – 1996; Dragonheart – 1996); versiertes Handwerk hat er in der Vergangenheit bewiesen. und Jennifer Lopez ist jetzt nicht für Oscar-reife Schauspielkunst bekannt, aber sie hat ein sehr kamerataugliches Gesicht, dessen Schönheit gute Regisseure einzubinden wissen (Parker – 2013; „Ein ungezähmtes Leben“ – 2005; „Darf ich bitten?“ – 2004; „Liebe mit Risiko – Gigli“ – 2003; Angel Eyes – 2001; The Cell – 2000; Out of Sight – 1998; U-Turn – Kein Weg zurück – 1997; Anaconda – 1997; Jack – 1996; Money Train – 1995). Dass sie dann in der ersten Hälfte des Films dauernd leicht beschürzt in seidener Wäsche oder nur im langen Männerhemd rumläuft … geschenkt – Kino ist auch Gucken.

Meine Neugierde war also groß; und sie platzt. Eine Stereotype nach der anderen wandert zur Tür herein, die große Verführernummer deutet sich lange an, viel zu lange, und nachdem Noah zurückgewiesen wurde, spult sich die Baureihe der Psychopathenkonstrukte ab. Sie wird von Minute zu Minute diffuser. Wie schön, dass der Junge aus ungeordneten Verhältnissen, der seinen MS-Onkel pflegt, die Klassiker aus dem Literaturkanon fehlerfrei und pointiert zitieren kann.

Seltsam, dass er an der Schule einen Jungen derart verprügelt, dass dem die Schädeldecke bricht, aber er weder von dieser Schule fliegt, noch wenigstens einen Verweis und das Misstrauen des Direktors erntet – nur die Kon-Rektorin sieht klar; aber die ist die beste Freundin der maltraitierten Claire und damit wenig mehr als eine weitere Funktions-Stereotype. Noah kann sein Verhalten von jetzt auf gleich um 180 Grad drehen und keinem fällt was auf?

Der Schere zum Opfer gefallen sein muss der Handlungsstrang um das „schönste Mädchen der Schule“, in das sich natürlich Claires unbedarfter Sohn verknallt hat, der es irgendwie schafft, sie zum Schulball zu daten und dieses irgendwie muss wiederum Noah eingefädelt haben, das deutet der Film noch an, aber dann bläst das schönste Mädchen der Schule Noah auch schon einen. Merke: Das schönste Mädchen der Schule geht gerne mit einem Weichei zum Schulball, wenn es die Aussicht hat, anschließend vom Psycho der Schule gebumst zu werden. Anschließend verschwindet das Mädchen kommentarlos aus der Handlung.

Der Film deutete seine mindere Qualität schon im Trailer an, aber ich dachte, Rob Cohen sitzt ja auf dem Regiestuhl. Hat nicht geholfen. Und die Moral von der Geschicht: Frauen sind nicht per se die besseren Thriller-Autorinnen.

Wertung: 1 von 8 €uro