Plakatmotiv: Hängt ihn höher (1968)
Effektvolles Drama um die Verbreitung
des Gesetzes in gesetzlosen Zeiten
Titel Hängt ihn höher
(Hang 'em high)
Drehbuch Leonard Freeman + Mel Goldberg
Regie Ted Post, USA 1968
Darsteller Clint Eastwood, Inger Stevens, Ed Begley, Pat Hingle, Ben Johnson, Charles McGraw, Ruth White, Bruce Dern, Alan Hale Jr., Arlene Golonka, James Westerfield, Dennis Hopper, L.Q. Jones, Michael O'Sullivan, Joseph Sirola u.a.
Genre Western
Filmlänge 114 Minuten
Deutschlandstart
18. Dezember 1968
Inhalt

Oklahoma im Jahr 1889. Der ehemalige Sheriff Jedediah (Jed) Cooper hat von einem Kleinrancher Rinder gekauft und zieht damit durch die Prärie. Plötzlich tauchen neun Männer mit einem Anführer namens „Captain Wilson“ auf und wollen von Cooper den Kaufvertrag der Rinder sehen. Der Kaufvertrag ist nur mit einem Kreuz unterzeichnet, die Männer aber wissen, dass der Rancher schreiben konnte und immer mit seinem Namen unterzeichnete. Auch Coopers Beschreibung des Ranchers passt nicht. Da einer der Männer gerade auf der Ranch war und den Rancher und dessen Frau erschossen aufgefunden hat, glauben die Männer nun sofort, dass Cooper das Ehepaar ermordet und die Rinder gestohlen hat. Anstatt die Sache aber der Justiz zu überlassen, hängen sie ihn am nächsten Baum auf und verschwinden.

Kurz darauf erscheint Marshal Dave Bliss, der gerade mit einem Gefangenentransport unterwegs ist. Er rettet Cooper aus seiner Lage, verhaftet ihn aber und führt ihn vor Richter Adam Fenton, dem man nachsagt, dass er jeden Straftäter am liebsten am Galgen hängen sieht. Glücklicherweise wurde der wahre Mörder des Rancherpaares vorher gefasst und der Richter und Cooper sehen sich vom Fenster aus dessen Hinrichtung an. Der Mörder hatte Cooper glauben gemacht, der Rancher zu sein, und hatte ihm die Rinder verkauft. Cooper, nun wieder in Freiheit, will unbedingt die neun Männer, die ihn gehängt haben, einer gerechten Bestrafung zuführen. Der Richter ist darüber informiert, dass Cooper in St. Louis Sheriff war, und bietet ihm einen Job als Marshal mit guter Bezahlung an. Cooper nimmt an und trägt von nun an einen Marshalstern. Er kann damit als Vertreter des Gesetzes Jagd auf die neun Männer machen.

Als Cooper bei einem Sheriff einen Gefangenen abholen muss, trifft er zufällig auf einen der neun Männer. Dieser wehrt sich mit seiner Waffe gegen die Festnahme, so dass Cooper ihn in Notwehr erschießen muss. Beim Richter hat sich inzwischen ein weiterer der neun Männer freiwillig gestellt und die Namen der anderen genannt. Er beteuert, alleine dagegen gewesen zu sein, dass man Cooper hängt. Cooper sucht mit den Haftbefehlen für die restlichen sieben Männer den Ort auf, wo diese sich zur Zeit aufhalten sollen. Einen der Sieben, den Schmied Stone, nimmt er fest und lässt ihn beim örtlichen Sheriff einsperren.

Unwillig begleitet der Sheriff Cooper auf der Suche nach den restlichen Männern, als sie unterwegs von einem Farmer um Hilfe gebeten werden. Dem Farmer wurde sein Vieh gestohlen und dabei noch Vater und Bruder ermordet. Wegen Rückenschmerzen weigert sich der Sheriff, weiter mitzukommen und Cooper macht sich mit dem Farmer und dessen Männern auf die Suche nach den drei Mördern, die schließlich aufgespürt werden. Einer der drei, Miller, ist ein weiterer der neun Männer. Die anderen beiden Täter sind zwei noch sehr junge Brüder, die von Miller offenbar zu der Tat überredet wurden und beteuern, dass sie nur am Viehdiebstahl beteiligt waren, nicht aber am Mord.

Der Farmer und seine Leute wollen die drei sofort aufhängen …

Plakatmotiv: Hängt ihn höher (1968)

Was zu sagen wäre

Hollywood hat sich seinen zum Goldjungen avancierten Nebendarsteller Clint Eastwood zurückgeholt und baut ihm eine Rachestory, die in Motiven und Musikeinsatz beim Italo-Western von Sergio Leone und Ennio Morricone anknüpft. Ein interessantes Experiment: Leone hat mit seiner Dollar Trilogie das siechende Westerngenre wiederbelebt und Ted Post soll daraus nun neue Funken, neue Dollars schlagen für die US-Filmindustrie.

Clint Eastwood, der harte Hund aus Leones Dollar-Filmen, rettet gleich in der zweiten Filmminuten ein Kälbchen vor dem Ertrinken. Fünf Minuten später baumelt er am Strick von einem Baum, weil er augenscheinlich Vieh gestohlen und dessen Besitzer ermordet haben soll. Die Gesellschaft präsentiert sich in diesem Film zunächst so amoralisch und frei von Gesetz wie in Leones Welt, da gerät eine sechsfache Hinrichtung zum jahrmarktsmäßigen Happening inklusive Süßwarenverkauf – „Kaltes Bier! Limonade!“ – und Kindern, die auf Schultern gehoben werden, um besser sehen zu können; die Kamera kopiert Leones hektische Reißschwenks, grandiose Totalen wechseln mit extremen Close Ups, längst Standard in von Leone inspirierten Italo Western – aber dann sind die Männer dieser Welt doch weitaus gesprächiger, die Kulissen der Stadt sauberer herausgeputzt – und der Western bekommt nach seiner Rückkehr in die US-Heimat etwas, was bei Leone verschwunden schien: Recht und Gesetz, zumindest der Versuch dazu. Hinter der Kamera verharren die Handwerker des US-Kinos sehr in ihren Gewohnheiten. Immerhin der Score von Dominic Frontiere hat leise Anklänge an den großen Morricone.

Wie sehr auf der Kippe die Gesellschaft noch zwischen Recht und Unrecht, zwischen Gesetz und Gesetzlosigkeit ist, verdeutlicht eine Geschichte, die der Richter Adam Fenton Marshal Cooper erzählt über Marshall Bliss, der, als er einen Gefangenen abholen wollte, von dessen sieben Brüdern „mitten auf der Hauptstraße“ erschossen wurde – jener Marshall, der Cooper vom Strick geschnitten hatte. Auch das Schicksal zweier minderjähriger Viehdiebe, die mit den verurteilten Killern gehängt werden, verdeutlicht die Diskrepanz zwischen Recht und Gerechtigkeit deutlich.

Gewissensbisse wegen Jenkins?“ motzt der Ehrenwerte Richter seinen moralischen Marshal Cooper an, „meinen Sie, ich hätte ihn zu hart verurteilt? Hätte ihn dazu benutzt, mein Gerechtigkeitsgefühl zu befriedigen? So etwas kann schon mal vorkommen, wenn nur ein Mann da ist. Ein Gerichtshof mit der Macht der abschließenden Urteilssprechungen. Und das für ein Gebiet, das fünfmal so groß ist wie die meisten Staaten. Bis dieses Gebiet einmal ein richtiger Staat wird. Mit einem Gouverneur und einem staatlichen Berufungsgericht. Solange bin ich hier das Gesetz. Das alleinige Gesetz! Helfen Sie, aus diesem gottverlassenen Gebiet einen Stadt zu machen, wo sich kein einzelner Mann das Gesetz nennt!

Ted Post hat diesen Western über den Konflikt zwischen Recht und Unrecht, Rache und Verzeihen in einem noch nicht zivilisierten Land spannend inszeniert. Clint Eastwood spielt seine Rolle unter dem gewohnten breitkrempigen, flachen Hut mit seinen bekannten Manierismen – Zigarillos anzünden, schnelle Schüsse aus der Hüfte. Eine Neuerung gegenüber den Leone-Western ist die starke Rolle der Filmheldin. Ihre schwierige Beziehung zu Eastwoods Figur ist der überzeugendste Aspekt des Films. Der Film markiert seine triumphale Rückkehr nach Hollywood. Im Abspann steht als mitproduzierende Firma „Malpaso“ – das ist Eastwoods eigene Firma, die seit Coogan's Bluff  alle Filme, an denen Eastwood beteiligt ist, als Schauspieler oder Regisseur, coproduziert – damit gilt Clint Eastwood auch als ein Symbol für den Machtverlust der Filmstudios, die bis in die 1960er Jahre hinein Schauspieler fest unter Vertrag hielten und allein über deren Rollenauswahl bestimmten. Clint Eastwood ist offenbar geschäftstüchtig und kennt seinen Marktwert. Als er für seine Rolle in Zwei glorreiche Halunken eine Gage von 250.000 Dollar plus zehn Prozent der weltweiten Einspielergebnisse verlangte – das war mehr, als der erste Teil, Für eine Handvoll Dollar, insgesamt gekostet hatte (200.000 Dollar), bei dem Eastwood etwa 15.000 Dollar ausgezahlt wurden –, war Sergio Leone, der Eastwood für seine Entdeckung hält, so sauer, dass er kurz überlegte, die Rolle umzubesetzen.

Es gibt unterschiedliche Versionen über ihre spätere Beziehung. Mal heißt es, seitdem Zwei glorreiche Halunken abgedreht ist, gelte die Beziehung der beiden Männer als zerrüttet. Für den Nachfolgefilm Spiel mir das Lied vom Tod habe Leone deshalb den damals relativ unbekannten Charles Bronson als Hauptdarsteller durchgesetzt. Andere Quellen aber sagen, Leone habe sehr wohl vorgehabt, Eastwood in Spiel mir das Lied vom Tod zu besetzen, allerdings von vorneherein nur für die Warten-am-Bahnhofsequenz zu Beginn des des Films dauert – Eastwood sollte dort zusammen mit Lee van Cleef und Eli Wallach, seinen Kollegen aus Zwei glorreiche Halunken auf den Mann mit der Mundharmonica warten. Das aber habe Eastwood nicht mehr machen können, weil er schon für Ted Posts „Hängt ihn höher“ unterschrieben habe.

Wertung: 5 von 8 D-Mark