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Plakatmotiv: The Comedian – Wer zuletzt lacht (2017)
Ein Film aus der Stand-Up-Comedy-Welt,
in dem kein einziger Witz zum Lachen ist
Titel The Comedian – Wer zuletzt lacht
(The Comedian)
Drehbuch Art Linson + Jeffrey Ross + Richard LaGravenese + Lewis Friedman
Regie Taylor Hackford, USA 2016
Darsteller Robert De Niro, Leslie Mann, Harvey Keitel, Edie Falco, Danny DeVito, Patti LuPone, Charles Grodin, Cloris Leachman, Lucy DeVito, Billy Crystal, Veronica Ferres, Lois Smith, Marylouise Burke, Stewart Steinberg, Tom Morrissey u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 120 Minuten
Deutschlandstart
31. August 2017
Inhalt

Jackie war ein erfolgreicher Comedian, der einen Sitcom-Hit hatte, doch seit dem Ende seiner TV-Serie läuft es für ihn nicht mehr rund. Nun ist er zurück in seiner alten Heimat, wo die Tochter seines Bruders heiraten wird.

Weil die tollen Jobangebote ausbleiben, kann ihm seine Agentin nur Stand-Up-Gigs mit anderen alten Recken vermitteln. Weil es bei einem der Gigs eine kleine Auseinandersetzung gibt, muss Jackie schließlich Sozialstunden in einem Obdachlosenheim ableisten. Dort trifft er auf Harmony und verliebt sich.

Gemeinsam mit ihr streift der Komiker mit der scharfen Zunge und einem Faible für Beleidigungen durch New York – zu Auftritten von Kollegen, der Hochzeit seiner Nichte oder auch dem Geburtstag von Harmonys kontrollsüchtigem Vater Mac. Und überall zerbricht er mit seinen Worten reichlich Porzellan. Ein Gig in einem von Macs Altersheimen in Florida geht bei Youtube viral und öffnet zuvor verschlossene Türen …

Was zu sagen wäre

Das ging in die Hose. In doppeltem Sinne. Die Stand-Up-Comedy besteht zu 90 Prozent aus Furz-, Blähungen- und Erektionsstörungs-Witzen. Und der Film als solcher läuft ins Leere. Bei der Ansammlung von FoR (Friends of Robert) – meist in Ehren zurückgezogen lebende Leinwandstars der 1980er Jahre, Spielpartner in frühen De-Niro-Filmen oder jetzt auch die Kinder von Freunden von Robert (Danny deVitos Tochter spielt Jackies Nichte, deren Vater Danny DeVito spielt) – könnte man zu dem Schluss gelangen, der einst große, mittlerweile aber auch sehr in die Jahre gekommene Robert De Niro habe branchenintern seinen Abschied von der Leinwand verkündet und nun wollen ihm alle nochmal die Ehre erweisen. De Niro dreht aber weiter Filme; das kann es also nicht sein.

Stationen in De Niros Karriere waren unter anderem diese Filme: Joy – Alles außer gewöhnlich – 2015; Man lernt nie aus – 2015; Zwei vom alten Schlag – 2013; American Hustle – 2013; Last Vegas – 2013; Malavita – The Family – 2013; Killing Season – 2013; Silver Linings – 2012; Happy New Year – 2011; Ohne Limit – 2011; „Inside Hollywood“ – 2008; 15 Minuten Ruhm – 2001; Meine Braut, ihr Vater und ich – 2000; Men of Honor – 2000; Reine Nervensache – 1999; Ronin – 1998; Große Erwartungen – 1998; Wag the Dog – 1997; Jackie Brown – 1997; Cop Land – 1997; Sleepers – 1996; The Fan – 1996; Heat – 1995; Casino – 1995; Mary Shelley's Frankenstein – 1994; Kap der Angst – 1991; Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen – 1991; Schuldig bei Verdacht – 1991; „Zeit des Erwachens“ – 1990; GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia – 1990; „Midnight Run – 5 Tage bis Mitternacht“ – 1988; Die Unbestechlichen – 1987; Angel Heart – 1987; Mission – 1986; Brazil – 1985; Es war einmal in Amerika – 1984; „King of Comedy" – 1982; „Wie ein wilder Stier“ – 1980; „Die durch die Hölle gehen“ – 1978; „New York, New York“ – 1977; Der letzte Tycoon – 1976; „Taxi Driver“ – 1976; Der Pate II – 1974.

Es ist grotesk zu erleben, dass in einem Film über einen sehr bissigen Sitcom-Star und Stand-Up-Comedian mehrere Stand-Up-Performances eingestreut sind, in denen kein einziger Witz lustig ist, zumindest nicht für mitteleuropäische Köpfe. In den USA, die Donald Trump zu ihrem Präsidenten wählen, ist es vielleicht eine gefeierte Form, Alles und Jeden, insbesondere das Publikum zu beleidigen und es auf krachend verbale Auseinandersetzungen im Saal ankommen zu lassen.

Zwischen den Stand-Up-Gigs wird die Geschichte eines Stehauf-Männchens erzählt, den die Fans als „Eddie“ lieben, den Jackie mal in einer TV-Sitcom gespielt hat, und der damit klar kommen muss, alt geworden, nicht mehr gefragt zu sein. Von seiner treu sorgenden Agentin auf Mini-Bühnen gemanaged, immer wieder auf das Geld seines Bruders angewiesen und schließlich zu Sozialstunden verdonnert, weil er einen unbotmäßigen Gast seines Programms geschlagen hat, schlägt er sich also durch einen durchaus nicht überraschenden Alltag eines alternden Kleinkünstlers. Er verliebt sich eine deutlich jüngere Frau und bekommt ein Kind mit ihr. Diese Frau wird gespielt von Leslie Mann (The Bling Ring – 2013; Immer Ärger mit 40 – 2012; „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ – 2005; Last Man Standing – 1996; Cable Guy – Die Nervensäge – 1996). Sie ist 29 Jahre jünger als Robert De Niro und vor allem bekannt dafür, in den Filmen ihres Mannes Judd Apatow neurotischen Komikern auf die nette Tour zu zeigen, wo es langgeht; da kann es dann ja auch schon mal zum Sex mit einem alten Mann kommen.

Die treibende Kraft hinter diesem Film ist De Niro selbst. Acht Jahre soll er versucht haben, diesen Blick in die Kleinkunstszene Manhattans zu realisieren, der zusammengehalten wird von zwei diffusen Familiengeschichten, die zeigen sollen: Der normale Bürger ist noch kränker als der Comedian mit seinen schweinischen Witzen da vorne auf der Bühne. Denn der ist in seiner Boshaftigkeit nur Spiegel seines Publikums, der selbst weder böse noch abgehalftert ist, sondern – darauf legt Regisseur Taylor Hackford (Parker – 2013; Lebenszeichen – Proof of Life – 2000; Im Auftrag des Teufels – 1997) mit vielen kleinen Einstellungen und Blicken Wert – im Grunde noch topfit und saukomisch ist. Er trägt das Herz am rechten Fleck und wenn er mal wirklich das Maul aufreißt oder jemandem eine schallert, bedeutet der Film, hat er recht – man wird sich ja wohl noch wehren dürfen gegen die Arschlöcher dieser Welt.

Die Geschichte wabert so durch den Kinosaal, ohne dass wir uns irgendwo einhängen können; aber wir begleiten gerne Robert De Niro mit seinen Kumpels durch diese Altherren-Fantasien, die aus dem Nichts kommt und im Nichts endet. Ein Entwicklungsdrama will sich nicht herausschälen, die Akteure haben aber alle ihren Spaß am Chargieren und Taylor Hackford, der mal den Tränenzieher „Ein Offizier und Gentleman“ inszenierte, hält die Pups-Witze zusammen.

Wertung: 2 von 8 €uro
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