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Plakatmotiv: Godzilla – Kampf der Saurieremutanten (1992)

Eine Parabel auf eine
wehrhafte Mutter Natur

Titel Godzilla – Kampf der Saurieremutanten
(Gojira vs. Mosura)
Drehbuch Kazuki Ohmori
Regie Takao Okawara, Japan 1992
Darsteller

Tetsuya Bessho, Satomi Kobayashi, Takehiro Murata, Saburô Shinoda, Akiji Kobayashi, Akira Takarada, Makoto Ôtake, Keiko Imamura, Sayaka Osawa, Megumi Odaka, Tetsu Watanabe, Shin'ya Ohwada, Shoji Kobashi, Susumu Kurobe, Shin Tatsuma u.a.

Genre Monsterfilm
Filmlänge 102 Minuten
Deutschlandstart
25. November 1993 (Videopremiere)
Website Godzilla-Wiki
Inhalt

Als im Pazifischen Ozean, nahe der Ogasawara-Inseln, ein großer Meteorit einschlägt, kommt die Natur nicht mehr zur Ruhe. Es folgen Taifune und Regenstürme.

Währenddessen wurde Takuya Fujito, ein Schatzräuber, erwischt und eingesperrt. Die Behörden wollen ihn freilassen, wenn er mit Kenji Andoh und seiner Ex-Frau Masako die Folgen des Einschlages auf einer Insel untersuchen würde. Kurz überlegt: Takuya entscheidet sich, die beiden zu begleiten.

Auf der Insel passieren ihnen nur Missgeschicke. Dann entdeckt Takuya eine Höhle mit geheimnisvollen Wandmalereien und ein großes buntes Ei sowie die Feenzwillinge Cosmos. Sie erzählen ihnen, dass das Ei Mothra gehöre, und sie vor tausenden Jahren gegen Battra gekämpft habe. Battra, der von dem Meteoriteneinschlag geweckt wurde, macht sich auf den Weg nach Japan. Als er die Hafenstadt Nagoya erreicht, kann ihn die Armee nicht mehr aufhalten. Doch so schnell er kam, so schnell ist er auch wieder verschwunden.

Plakatmotiv (Jap.): Godzilla – Kampf der Saurieremutanten (1992)Inzwischen hat man beschlossen, das Riesenei mit nach Japan zu nehmen. Doch Masako und Takuya wissen nicht, dass das Ei für den geldgierigen Konzern der Tomo Company ist. Nicht nur Battra wurde von dem Meteoriteneinschlag zu neuem Leben erweckt, auch Godzilla taucht auf, und will sich an dem Ei vergreifen.

Plötzlich schlüpft aus dem Ei die Mothra-Larve und ist den Angriffen von Godzilla schutzlos ausgeliefert …

Was zu sagen wäre

Diese regelmäßig unerwarteten Überfälle gigantischer Ungeheuer in Japan sind im Grunde wie eine Naturkatastrophe, wie Hochwasser, Wirbelstürme oder dergleichen. Man sieht sie irgendwie kommen, ist dann aber immer überrascht und gegen die Wucht der Monster wehrlos. So, wie das Klima seine Extreme immer ausgleicht – die Dürre hier ist die Überschwemmung dort, so gleichen sich auch die Ungeheuer aus – das eine Ungeheuer liegt am Boden, das siegreiche wendet sich ab und spaziert nach Hause. Nie bleibt eines, um den Rest zu Klump zu hauen. Dieses Gleichgewicht hat einen Grund: Es heißt Cosmo, welches zwei daumengroße Feen sind, Erdgeister.

Wir achten darauf, dass die Natur auf diesem Planeten in der Balance bleibt. Vor mehr als 12.000 Jahren lebte auf dieser Erde ein Wesen, das Mothra hieß. Mothra war die Beschützerin des blauen Planeten. Damals war die Erde noch in Ordnung. Dann geschahen entsetzliche Dinge: Wissenschaftler entwickelten ein Gerät, womit sie das Klima der Erde beeinflussen konnten. Dieses neuartige Gerät beleidigte die Erde.“ „Sagt Ihr 'beleidigt‘?“ „Man kann sie beleidigen, weil die Erde ein lebendiger Planet ist.“ Und jetzt ist also ein Meteorit eingeschlagen, hat den schwarzen Battra geweckt. Deshalb muss nun Mothra erweckt werden, um das Gleichgewicht der Kräfte wiederherzustellen.

Der „Kampf der Sauriermutanten“ ist so gesehen eine Parabel auf die Natur in ihrem Gleichmut und den Menschen in seinem eng getakteten Alltag, seinen gigantischen Häuserschluchten, in denen er sich präsentiert, aufbrodelt. In denen es aber auch ein gigantischer, noch als Raupe verpupptet Schmetterling reicht, um all die menschliche Herrlichkeit zum Einsturz zu bringen, so wie Wintereinbruch oder Hochwasser.

Videocover: Godzilla – Kampf der Saurieremutanten (1992)Provoziert wurde das Monster-Erwachen indirekt durch den Großindustriellen Marutomo, der den Boden des Landes rücksichtslos ausbeutet, die Luft mit seinen Schornsteinen verpestet und dadurch erst die Grundlagen dafür geschaffen hatte, dass der abgestürzte Meteorit so viel loses Erdreich verschieben und dadurch die Monster wecken konnte. „Dieser überhebliche Ignorant!“, schimpft einer. „Er und seine geldgierigen Leute vernichten die Wälder im ganzen Land. Und jetzt nehmen sie in Kauf, dass vielleicht die Erde zerstört wird.“ Am Ende müssen's wieder die Ungeheuer richten … die Drachen aus der japanischen Mythologie. „Los Mothra!“, faucht der skrupellose Großindustrielle. „Vernichte ganz Tokio! Ich bau's wieder auf, was für ein Geschäft!

Dass auch Godzilla aufgewacht ist, macht die Geschichte etwas kompliziert – jedenfalls für Godzilla, der in dieser Geschichte wirkt wie das sprichwörtliche fünfte Rad am Wagen. Er spielt für die Handlung keine tragende Rolle. Seine erste Schlägerei mit der frisch geschlüpften Raupe Mothra ist eher ein Fall für Witze über ungleiche Gegner; wahrscheinlich deswegen verschwindet Godzilla dann auch erstmal für eine Weile wieder von der Leinwand. Er bleibt Lückenfüller, der als Prügelknabe herhalten muss. Während Yin und Yang – Mothra und Battra – ihre Magie füreinander entfalten, bleibt Godzilla ein gedankenloser Schläger mit hohem Aggressionspotenzial.

Dramaturgisch hangelt sich der Film an gängigen, aus Hollywood bekannten Strukturen entlang. Los geht's mit einem klassischen Indiana-Jones-Opening, einem Ehepaar in Scheidung, das sich noch liebt und das eine gar herzige Tochter hat: „Bitte sagt Mothra, dass sie aufhören soll“, bittet die kleine Tochter die Erdgeister. „Sonst sterben ganz viele Leute und mein Daddy kann mir nicht beweisen, dass er nie wieder stehlen wird. Und das wäre doch ganz schade, oder?“ „Sie braucht einen Vater, auf den sie stolz sein kann“, fleht die geschiedene Mama.

Die Kinderfreundlichkeit für die ganze Familie gehörte schon früher zum Godzilla-Konzept. Hier verbindet der Film die Unschuld des Kindes mit der wehrhaften – und darin auch gnadenlosen – Natur. Deswegen gibt es auch die Anklage gegen den industriellen Weltzerstörer nochmal plakativ: „Sie wollten aus Geldgier die Erde zerstören. Und jetzt zahlt sie es Ihnen heim!“ Die Zielgruppe bleibt Unter-20-Jahre, da muss man für klare Verhältnisse, eindeutige Erklärungen sorgen.

Wertung: 6 von 10 D-Mark
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