Kinoplakat: So wie wir waren
Eine unmögliche Love-Story
als feinfühlig inszeniertes Epos
Titel So wie wir waren – Cherie Bitter
(The way we were)
Drehbuch Arthur Laurents
Regie Sydney Pollack, USA 1973
Darsteller
Barbra Streisand, Robert Redford, Bradford Dillman, Lois Chiles, Patrick O'Neal, Viveca Lindfors, Allyn Ann McLerie, Murray Hamilton, Herb Edelman, Diana Ewing, Sally Kirkland, Marcia Mae Jones, Don Keefer, George Gaynes, Eric Boles u.a.
Genre Drama, Romantik
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
7. März 1974
Inhalt

Katie und Hubbell begegnen sich in den 1930er Jahren an der Universität. Katie ist eine jüdische Marxistin, die an der Uni für den Frieden kämpft. Hubbell ist ein gutaussehender Student aus reichem Hause, der sich mit seinen Freunden über die engagierte Katie lustig macht. Während sie sich ihr Studium als Kellnerin verdient, ist Hubbell Gast des Restaurants, in dem sie arbeitet. Beide haben trotz aller Unterschiedlichkeit eine Gemeinsamkeit: Eine Leidenschaft für das Schreiben. Katie hält Hubbell für einen äußerst talentierten Schriftsteller, dem sie eine große Zukunft voraussagt.

Jahre später, während des Zweiten Weltkriegs, sehen sie sich in einer Bar in New York City wieder. Katie arbeitet für das Radio und Hubbell ist als Marineoffizier auf Fronturlaub. Aus den beiden wird ein Paar. Nach dem Krieg gehen sie nach Hollywood, wo Hubbell Karriere als Drehbuchautor beim Film macht. Für Katie bedeutet das eine Verschwendung seines Talents. In der Zeit der McCarthy-Hysterie wird den beiden Katies Vergangenheit als Marxistin zum Verhängnis. Katie ist nicht kompromissbereit, während Hubbell ein Talent dafür hat, sich jeder Gegebenheit anzupassen. Sie beginnen sich wieder zu entzweien. Katie wird schließlich schwanger, doch Hubbell hat während der Schwangerschaft eine Affäre mit der attraktiven Carol Ann. Die Ehe ist endgültig zerstört.

Jahre später treffen sich Katie und Hubbell in New York vor dem Plaza Hotel zufällig wieder. Er schreibt Drehbücher für Sitcoms. Sie, inzwischen wieder verheiratet, ist immer noch politisch engagiert und verteilt Flugblätter. Sie erinnern sich an die alten Zeiten, so wie sie damals waren …

Was zu sagen wäre

Gegensätze ziehen sich an. Und was für Gegensätze: hier die aparte Kämpferin wider die Unterdrückung, die ihr Studium hinter der Theke eines Cafés verdient, da der gut aussehende Bub aus gutem Hause – Barbra Streisand und Robert Redford, ein etablierter Superstar und einer auf dem Weg dorthin. Frau und Mann auf Augenhöhe. Ein Bild, das eingetrübt wird durch die immer perfekt lackierten, sehr langen Fingernägel der Streisand, die gar nicht zum Outfit der revolutionären Intellektuellen passen.

Sydney Pollack (Jeremiah Johnson – 1972; „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“ – 1969) und sein Autor Arthur Laurents beleuchten bewegte Zeiten für die USA, die 30er Jahre nach dem Börsencrash, Weltkrieg und später die Kommunistenjagt des Senators McCarthy und weil Hubbell, Vertreter des liberale Establishments, erst studiert, dann in der Armee dienst und schließlich Drehbücher in Hollywood verkaufen will, bekommen wir die Auswirkungen der jeweiligen Großereignisse hautnah mit, gefiltert freilich durch die Dramaturgie eines Spielfilms – über Kriegsopfer erfahren wir nur dergestalt, dass man da selten zuhause ist.

Kinoplakat (US): So wie wir warenAber wir erleben diese Zeit immer aus zwei Blickwinkeln. Hubbell hält sich raus, biegt sich elegant immer so weit, dass er durchkommt. Er ist charmant, bringt ein gewinnendes Lächeln mit, das hilft. Aus Katies Sicht erleben wir die Schattenseiten direkter, wenn auch in nur Form kantiger Reden, nicht im Zeigen echter Opfer. Das war durchaus anders geplant, negative Auswirkungen durch das Komittee gegen unamerikanische Umtriebe waren durchaus gedreht worden. Um den Unterhaltungswert seines Films nicht zu mindern, schnitt Pollack aber Sequenzen, die sich kritisch mit den repressiven Praktiken der McCarthy-Ära auseinandersetzen, vor dem Start des Films wieder raus. So wirkt es bisweilen, als halte sich ein lebensfrohes Establishment (Redford) die charmant-kantige Revolution (Streisand) als dekoratives Schoßhündchen, das man nicht tatsächlich ernst nehmen muss. Wenn die Realität ruft, sollte man die Ideologie ablegen. Das tut dem großen Liebesmelodram keinen Abbruch, im Gegenteil, die plakativen Gegensätze befeuern die Spiellaune der beiden Hauptdarsteller, also auch die Intensität der erzählten Liebe.

Pollack erzählt in seinem episodenhaft angelegten Film keine stringente Story – wenn man nicht die erzählte Liebe der beiden Hauptfiguren, die irgendwie da ist und später zwar nicht abhanden kommt, aber verschwindet, als solche benennt. Der Film beleuchtet über zwei Jahrzehnte schlaglichtartig einzelne Momente, deren zeitliche Einordnung sich ebenso über den Dialog erschließt, wie diee charakterliche Verschärfung der beiden Liebenden.

Als sie sich nach längerer Trennung – sie in Washington, er in Hollywood – wiedersehen, auf dem Höhepunkt der McCarthy-Hatz, haben die beiden einen für den Film zentralen Dialog:

Hubbell: „Und dass Du gerade in Hollywood unsere Welt madig machst, hast Du auch nicht erwartet. Oder?“
Katie: „So siehst Du das also.“
„Ja wie denn sonst?“
„Ich mache unsere Welt nicht madig. Ich kämpfe lediglich für etwas, woran ich glaube! Macht es Dich nicht wütend, wie George diese Leute lächerlich macht? Er sie ironisch Märtyrer nennt, weil sie die Courage haben, die er nicht hat? Sie kämpfen für ihre Prinzipien und Bürgerrechte; für seine und für Deine!“
„Was für Bürgerrechte? Wir haben keine Bürgerrechte! Wir haben auch keine Redefreiheit in diesem Land. Wir werden sie niemals haben!“
„Nur solange nicht, wie das Volk nicht gewillt ist, seine Rechte zu erkämpfen!“
„Wir werden sie niemals haben, weil das Volk Angst hat! Wir sind hier nicht im College! Hier geht es um ausgewachsene Politik! Und die ist dumm und gefährlich“
„Ja, was soll ich denn tun? Nur weil‘s gefährlich ist, einfach ruhig zusehen?“
„Die Mühe ist umsonst. Das gebe ich Dir schriftlich! Und diese Männer und ihre Familien werden nur Ärger kriegen und ändern wird sich nichts. Gar nichts! Und wenn nach fünf oder sechs Jahren, mit Gefängnis und Anpöbeleien, ein faschistischer Produzent einen kommunistischen Autor braucht, um aus einem verkorksten Stoff noch einen großen Erfolg zu machen, dann wird er ihn nehmen. Sie werden wie zuvor zusammen Filme machen, essen gehen, Tennis spielen, sich gegenseitig ihre Frauen ausspannen … und wozu hat dann einer im Gefängnis gesessen? Wofür? Für Hirngespinste?“
„Hubbell … Du erwartest von mir, dass ich mich blind stelle, wenn sie die Menschen fertig machen? Nur damit Du in Ruhe arbeiten kannst?? In einer Stadt ohne Rückgrat, für die nichts anderes gilt als Gdld verdienen als oberstes Gebot?“
„Und ich sage Dir, dass Menschen wichtiger sind, als irgendeine Hexenjagd. Du und ich – das zählt. Nicht irgendwelche Prinzipien!“
„Hubbell … die Menschen sind ihre Prinzipien!“
„Ach … Sch …!“

In diesem Dialog steckt die ganze Unmöglichkeit dieser Liebe. Er zynisch, sie unbeirrbar. Es steckt aber auch die ganze Liebe in diesem Dialog, denn sie streiten sich ja wenigstens, anstatt einfach ihrer Wege zu gehen. Bei aller Vereinfachung, die man dem Film leicht vorwerfen kann – Schwarz/Weiß, Links/Rechts, Reich/Arm – macht genau die den Film so kostbar. So einfach, wie das im Film bisweilen wirkt, ist dass richtige Leben ja nicht, was sogar unsere Hauptfiguren im Laufe der Jahre zur Kenntnis nehmen. Aber die Simplifizierung macht es uns im Kinosessel einfacher, uns in die Love-Story zu vertiefen, die trotz aller Widigkeiten immer wieder einen Weg findet.

Und das sehr traurige Finale, dass dann eben doch die ganze Kompliziertheit des Lebens in fünf Minuten packt, zeigt, dass auch in diesem Film – wie im Leben da draußen vor dem Kino – das Leben nicht einfach nicht, manchmal so komplex, dass man Niederlagen einfach ertragen muss. Mit psychologischem Feingefühl inszeniert ist „The way we were“ eine Liebesgeschichte mit all den unmöglichen Träumen und und irrealen Idealen. Großes Kino!

Wertung: 8 von 8 D-Mark