Kinoplakat: Superman IV – Die Welt am Abgrund
o jeh, o jeh, o jeh …
die Luft ist raus
Titel Superman IV – Die Welt am Abgrund
(Superman IV: The Quest for Peace)
Drehbuch Lawrence Konner + Mark Rosenthal + Christopher Reeve
nach den Comics von Jerry Siegel und Joe Shuster
Regie Sidney J. Furie, UK, USA 1987
Darsteller

Christopher Reeve, Gene Hackman, Margot Kidder, Jackie Cooper, Mariel Hemingway, Sam Wanamaker, Marc McClure, Jon Cryer, Mark Pillow, Damian McLawhorn, William Hootkins, Jim Broadbent, Stanley Lebor, Don Fellows, Robert Beatty u.a.

Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 93 Minuten
Deutschlandstart
24. März 1988
Website SupermanWiki.com
Inhalt

Lex Luthor wird aus dem Arbeitslage befreit, in dem er seit seiner Festnahme schmort. Sein Neffe Lenny war so frei, das zu erledigen. Luthor kommt in eine Welt, in der Superman der Superstar der gesamten Menschheit ist – gerade erst hat er wieder ein paar Russen auf deren Raumstation das Leben gerettet. Luthor muss würgen: Sein Erzfeind, Liebling der Menschen. Das muss er ändern.

Supermans Alter Ego Clark Kent hat da gerade ganz andere Probleme. Das gravierenste heißt Lacy Warfield und ist die Tochter des Boulevardzeitungs-Magnaten David Warfield. Der wiederum hat gerade den „Daily Planet” gekauft und geht nun daran, das Qualitätsblatt auf wirtschaftliche Beine zu stellen. Keine langweilige Politik mehr auf der Titelseite, sondern Boulevard, Superman und Sex – und eine investigative Serie über die angesagtesten Nightclubs der Stadt, die Clark zusammen mit Lacy schreiben soll.

Während Lacy versucht, Clark den Kopf zu verdrehen, Lois Lane versucht, den Kontakt zu Superman endlich zu intensivieren, versucht Lex Luthor, Superman aus dem Verkehr zu ziehen. Der Mann aus Stahl hat soeben vor der UNO-Vollversammlung erklärt, dass er, der Mann von Krypton, der sich mittlerweile auf der Erde heimisch fühle, alle nuklearen Waffen auf der Erde vernichten werde. Die Welt applaudiert, Superman zerstört, die Waffenlobby zählt die Verluste in der Kasse. Warum also nicht sich mit Lex Luthor zusammentun? Luthor verspricht, den Kryptonier los zu werden, den Bedarf an Atomraketen wieder anzuheizen und dafür will er nur die Hoheit über Australien haben.

Über ein paar gezielt geplante Umwege kommt Luthor an die DNA des Stählernen und erschaft den „Nuclear Man”, einen blonden Kämpfer, der neben Supermans Stärke noch einmal die Kraft der Sonne in seinen scharfen Krallen hält.

Für Superman beginnen ein paar schwere Tage …

Was zu sagen wäre

Der Boulevard-Verleger heißt Warfield (Schlachtfeld) und tatsächlich versuchen die Produzenten, ihrer CashCow ein wenig Sex und Femme Fatale beizugeben und verwandelten das Set hinter den Kulissen in ein Schlachtfeld des Geizes.

Mariel Hemingway – Ein Fisch auf dem Trockenen

Mariel Hemingway fällt als Lacy die Aufgabe zu, den braven 50er-Jahre-Biederman Clark Kent an die emanzipierten Clubs der 80er Jahre heranzuführen und Hemingway passt in dieses Holzkulissenambiente der Superman-Welt und zu Christopher Reeves Clark Kent, wie ein Fisch auf ein Fahrrad. Egal: Anything goes war schon immer das Motto der Superman-Verfilmer; und Friede und Freude für Jedermann. Deshalb hält Superman mal eben eine Rede vor der UNO, erklärt, er werde nun alle Atomwaffen vernichten – und die gesamte Vollversammlung applaudiert stehend. Die Welt ist schön bei Superman, dem freundlichen Superhelden. Oder hat sie sich dem Unzerstörbaren insgeheim längst ergeben, der eine Art friedlichen Krypto-Faschismus einleitet?

Wahrscheinlich ist Lex Luthor deshalb nicht tot zu kriegen: Die Welt braucht ihn, um den Eindruck zu haben, etwas gegen diesen Superman tun zu können, wenn es mal, naja, hart auf hart kommen sollte. Anything goes, wie gesagt. Und deshalb kann Lex Luthor auch im Superman-Museum mit einer handelsüblichen Papierschere Supermans unzerstörbares Haar durchschneiden. Merke: Nichts Irdenes kann Superman verletzen; außer einer Papierschere in der Hand von Lex Luthor. Deshalb klont Luthor aus dem Haar einen „Nuklear-Man“, der inklusive Goldenem Superdress und Flash-Gordon-Gedächtnis-Flisur aus der Sonne ersteht. Der prügelt sich dann mit Superman, stampft ihn in den Boden des Mondes. Und wenn Superman sich daraus Stunden später (???) befreit hat, atmet er erst einmal tief durch … auf dem Mond! Regisseur Sidney J. Furie („Der stählerne Adler“ – 1985; Ipcress – Streng geheim – 1965) muss sehr gelitten haben unter dem harten Spardiktat des Studios (s.u.).

Ein lichtes Toupet und unterirdische Special Effects

Warum Lex Luthor noch immer Toupet trägt – noch dazu eines, dass schütteres Haupthaar zeigt, das oben schon licht ist, bleibt unerklärt. Und die Flugszenen sehen immer noch Mist aus – bei aller Liebe und allem Wollen (als Zuschauer und als Fan), aber das ist peinlich. Als das Studio 1978 den ersten Superman-Film in die Kinos brachte, bewarben sie den mit dem Satz „Es ist nicht zu fassen: Ein Mensch kann fliegen!” und der Super-Mensch konnte das auch damals schon nicht, noch weniger als heute, aber immerhin verströmte der damalige Film so ein Jungs-spielen-im-Sandkasten-und-lassen-mal-Menschen-durch-die-Luft-fliegen-Flair – mal seh'n, wie's hinterher aussieht. Aber das war vor neun Jahren.

Es ist eine Sache, wenn ein Regisseur Leute in ein Automodell setzt, hinter dem eine Rückprojektion „Fahren“ simuliert, während sich die Leute vorne am Steuer unterhalten, bedrohen oder küssen – da ist der Vordergrund spannender, als der wackelnde Hintergrund. Etwas anderes ist es, wenn da einer nur fliegen – und den Zuschauer damit beeindrucken – soll … da tunkt die Sonne ins Abendrot, die John-Williams-Streicher fiedeln in Dur und der Stählerne soll fliegen. Dumm, dass diese Flug-SFX so gar nicht mehr beeindrucken – wir haben Raumschiffe in weit, weit entfernen Galaxien begleitet, monströse Aliens bekämpft, sind vor Robotern aus der Zukunft geflohen. Da kann mich ein Film solcher Machart nicht beeindrucken; auch nicht über ein Charmante Jungs-im-Sandkasten-Image.

Ein Superheld wird verschachert wie ein Stück Fleisch

Warner Bros. hatte nach dem kommerziellen Flop von Superman III – Der stählerne Blitz die Rechte der Figur an die Cannon-Group verkauft. Die machte dann den Hauptdarstellern etliche Zugeständnisse, damit die nicht vom Projekt abspringen – sie behandelte das Medium wie eine x-beliebige Ware, deren Inhalt richtig verkauft werden muss – ein Superman-Logo sollte für die Wiedererkennbarkeit sorgen, der Rest würde sich schon ergeben. Christopher Reeve bekam Mitspracherecht am Script, Gene Hackman („Reds – Ein Mann kämpft für Gerechtigkeit“ – 1981; Superman – 1978; „Die Brücke von Arnheim“ – 1977; French Connection II – 1975; Frankenstein Junior – 1974; „Der Dialog“ – 1974; Die Höllenfahrt der Poseidon – 1972; French Connection – Brennpunkt Brooklyn – 1971; „Bonnie und Clyde“ – 1967) erhielt ein Freilos für die Hauptrolle in einem anderen Film seiner Wahl.

Laut Wikipedia war Superman IV im Original eigentlich 134 Minuten lang. Der Film wurde schließlich auf 90 Minuten heruntergekürzt, da man die so gewonnenen Szenen für den damals geplanten fünften Teil „Superman V – The New Superman” verwenden wollte. Ein anderer Grund war, dass die damals finanziell angeschlagene Cannon Group das Filmbudget von 36 auf 17 Millionen US-Dollar herunterkürzte, um Geld (u.a. durch Wiederverwendung von Spezialeffekten) zu sparen. In den USA spielte „Superman IV – Die Welt am Abgrund” dann 15,7 Millionen Dollar ein, nicht ganz die Produktionskosten. Damit hatte der rot-blau-gelbe Superheld seinen persönlichen Abgrund erreicht und verschwand für 19 Jahre von der Leinwand.

Wertung: 3 von 9 D-Mark