Kinoplakat: Superman II – Allein gegen alle

Zwei Regisseure und kein Plot

Titel Superman II – Allein gegen alle
(Superman II)
Drehbuch Mario Puzo + David Newman + Leslie Newman + Tom Mankiewicz
nach den Comics von Jerry Siegel und Joe Shuster
Regie Richard Lester & Richard Donner, USA, UK 1980
Darsteller

Christopher Reeve, Margot Kidder, Gene Hackman, Terence Stamp, Sarah Douglas, Jack O'Halloran, Jackie Cooper, Ned Beatty, Valerie Perrine, Susannah York, Clifton James, E.G. Marshall, Marc McClure, Leueen Willoughby, Robin Pappas u.a.

Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 127 Minuten
Deutschlandstart
2. April 1981
Website SupermanWiki.com
Inhalt

Terroristen haben den Eiffelturm in Paris unter ihre Kontrolle gebracht. Lois Lane ist es gelungen, sich an den Wachen vorbei in den Turm zu schmuggeln. Sie wittert die Exklusiv-story, die ihr endlich den Pulitzerpreis bringen soll. Nun hängt sie unter einem Fahrstuhl im Eiffelturm und droht, wahlweise ins Bodenlose zu stürzen oder mit einem Wasserstoffbombe und dem ganzen Turm in die Luft zu fliegen.

Wenige Sekunden, bevor die Zeit abläuft, taucht Superman auf, setzt Lois im Gestänge ab, schnappt sich den Fahrstuhl samt Wasserstoffbombe und bugsiert ihn in die sonne, wo die Bombe gefahrlos detoniert.

Gefahrlos?

Nicht ganz. Die Explosion im All hat einen Riss in der Phantomzone verursacht. Den dort inhaftierten General Tod, Ursa und Non gelingt die Flucht. Im Licht der gelben Sonne kommen sie schnell zu Kräften und fliegen gen Erde. Zod will hier sein neues Königreich errichten.

Dortselbst hat Clark Kent seiner Kollegin Lois Lane gerade seine wahre Identität – Kal-El, oder „Superman” – offenbart und dafür in der Festung der Einsamkeit seine Kräfte für immer abgelegt.

Zod, Ursa und Non haben leichtes Spiel: Die Welt ist in Nullkommanichts unterjocht, wer Zod Forderung, vor ihm zu knien, nicht nachkommt, stirbt. Jemand erzählt ihnen von dem einzigen Wesen, das sie aufhalten kann und aufhalten wird: Superman! Also fordern sie Superman ultimativ heraus: Entweder er stellt sich ihnen im Kampf, oder die Menschheit wird vernichtet.

In dieser verfahrenen Situation taucht Lex Luthor auf. Der hat unterdessen die Festung der Einsamkeit ausfindig gemacht, dort erfahren, was es mit Zod und der Phantomzone auf sich hat und wanzt sich nun Zod und dessen Spießgesellen ran, indem er Superman als Sohn Jor-Els und Lois als Supermans Freundin entlarvt. Clark erkennt, dass er die Verantwortung, die ihm seine Kräfte verleihen, über seine Liebe zu Lois stellen muss, findet einen Weg, seine Kräfte zurückzuholen und zieht in den Kampf.

In den Straßen Metropolis' entbrennt die Schlacht um die Zukunft der Menschheit …

 

Was zu sagen wäre

Um als Regisseur dieses Films in den Credits zu erscheinen, muss Richard Lester mindestens 50 Prozent des Films inszeniert haben. Richard Donner hatte während der Profuktion zu Superman – The Movie (1978) aber schon 70 Prozent dieses zweiten Teils gedreht. Also musste umgeschrieben, neu inszeniert, anders besetzt werden. Das sieht man dem Film an, der, während er vom Pathos seines Vorgängers nun komplett eingeseift wird, in hilflosen Comedy- und Prügel-Acts ersäuft.

Ein teurer Tausch der Regisseure

Der Zuschauer muss die Auswirkungen der Streitereien bezahlen, die Richard Donner und die Produzenten Ilya und Alexander Salkind während der Produktion des ersten Superman-Films ausgetragen haben. Zum Beispiel ist Marlon Brando zu sehen, aber auffallend nicht zu sehen – genau genommen sieht man nur Hände, die aus dem ersten teil recycled in diesem Film für Rückblenden hergenommen wurden.

Marlon Brando sollte für Superman II eine beträchtliche Gewinnbeteiligung erhalten. Salkind und Salkind wollten das Geld Brando vorenthalten und entschieden, alle Szenen mit Brando aus dem Film zu entfernen. Es kam zum Streit: Donner wollte die bereits gedrehten Brando-Szenen nicht entfernen – und wurde gefeuert. Geholt wurde Richard Lester, der sich mit den Beatles-Filmen „Yeah Yeah Yeah” (1964) und „Help!” (1965) sowie verschiedenen kleinen Genre-Highlights („Robin und Marian” – 1976; 18 Stunden bis zur Ewigkeit – 1974; „Die drei Musketiere” – 1973) einen Namen gemacht hatte; und Lester musste nun also etwa ein Fünftel der von Donner schon gedreten/erzählten Story neu drehen.

Kinoplakat: Superman II – Allein gegen alle

Die Erfindung des Product Placement

Die zwangsläufige Wirrnis sieht man dem Film an: Er nimmt sich acht Minuten Zeit, um während der Titelsequenz Teil 1 Revue passieren zu lassen. Aber Lex Luthor findet in Nullzeit heraus, dass Superman eine Festung im Ewigen Eis hat und kommt da auch völlig ungehindert hinein. Superman braucht Sekunden, um mit der Pariser Bombe zur Sonne zu fliegen, aber um von Metropolis nach Paris zu fliegen, braucht er eine halbe Ewigkeit. Da fliegt er mit Lois in die Festung der Einsamkeit, verliert dort seine Kräfte und beide stehen dann da im dünnen Windjäckchen, ohne auf der Stelle den Kältetod zu sterben; und Clark, seiner Superkräfte beraubt, schafft es auch spielend leicht, zu Fuß in die Festung mitten in der Arktis zurückzukehren. Und die hochgerüstete Weltgemeinschaft streckt sofort die Waffen, wenn da einer kommt, der Panzerrohre verbiegen kann … wenn ich da an die Japaner denke, die Godzilla noch bekämpfen, wenn der ganze Städte platt getrampelt hat … irgendwo zwischen diesen Extremen hätte doch erzählerisch was gehen müssen.

Der Film kommt nicht vom Fleck, ist unter den Händen der beiden Regisseure verendet: In Metropolis werfen sich die Kontrahenten Fahrzeuge und Leuchtreklamen um die Ohren; mittendrin erkennt man Richard Lesters Handschrift, als eine davon fliegende Telefonzelle einen Mann nicht daran hindert, in dieser Zelle weiterhin zu telefonieren, während Richard Donner draußen seinen Superman Metropolis-Bürger vor den bösen Zod-Schergen retten lässt. Da stürzt die Antenne des Empire State Building vom Dach, unten stehen Leute, auch eine Mutter mit Kinderwagen; aber anstatt zur Seite zu gehen – wozu genügend Zeit wäre – bleibt sie stehen, schreit „Oh no, my Baby” und erwartet schicksalergeben Hilfe. Alle schreien nach Superman, sind aber zu faul, feige, blöde, um sich selbst zu kümmern. Auch eine Art Message. Und die Salkinds zeigen ihre Message: wie man im Spielfilm Werbung verkauft. Superman fliegt in einen Lkw mit frisch lackierter Zigarettenwerbung, Zod kracht in ein gigantisches Neon, das für Colabrause wirbt, Ursa vergeht sich an einem Linienbus, der Werbung für das Musical „Evita” macht. Ein verwehter Zeitungskiosk wirbt für „Ein Käfig voller Narren”. Das passt.

„KNIE NIEDER VOR ZOOOD!!!”

Und wäre das des Schrecklichen alles nicht genug, tut Zod außer sich prügeln nicht mehr, als andauernd zu brüllen „Knie nieder vor Zod!” – als wäre das Ausdruck des Herrschens in einer so fortschrittlichen Gesellschaft, wie Krypton sie einst war. Als Filmkunst im weitesten Sinne kann man das eigentlich nicht betrachten. Das ist Bauen-mit-Lego-was-grad-geht. Script? Rafinesse? Wer braucht das? Hauptsache, Donner/Lester bringen noch Clifton James als fettigen Zigarre kauenden Sheriff unter. Toller Gag: Den kennen die Zuschauer noch aus den beiden Bond-Filmen Leben und Sterben lassen (1973) und Der Mann mit dem Goldenen Colt (1974) – da spielt er einen fettigen, Zigarre kauenden Sheriff.

Der Film war in etwa so teuer wie sein Vorgänger – 54 Millionen Dollar. Er war aber nicht so erfolgreich. 108 Millionen Dollar spielte er in die US-Kinokassen; Superman – The Movie hatte 134 Millionen rein geholt. Ein Rohkrepierer ohne Sinn und Verstand, eine Fortsetzung, deren Spezial effekte nicht besser geworden sind.

Wertung: 4 von 9 D-Mark