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Kinoplakat: Superman (1978)
Blau und Rot und Goldig
aber fliegen kann er nicht
Titel Superman – Der Film
(Superman – The Movie)
Drehbuch Mario Puzo + David Newman + Leslie Newman + Robert Benton
nach den Comics von Jerry Siegel und Joe Shuster
Regie Richard Donner, USA, UK, Panama, Switzerland, Canada 1978
Darsteller

Christopher Reeve, Margot Kidder, Gene Hackman, Ned Beatty, Marlon Brando, Jackie Cooper, Glenn Ford, Trevor Howard, Jack O'Halloran, Valerie Perrine, Maria Schell, Terence Stamp, Phyllis Thaxter, Susannah York u.a.

Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 143 Minuten
Deutschlandstart
26. Januar 1979
Website SupermanWiki.com
Inhalt

Der Planet Krypton steht kurz der seiner Zerstörung. Der weise Rat der Herrscher hat die Warnungen des Wissenschaftlers Jor-El ignoriert oder als Unsinn abgetan. jetzt ist es – fast – zu spät. Vor der Detonation gelingen noch zwei Dinge. Die drei Verräter General Zod, Ursa und Non werden in die Phantomzone verbannt, in der sie für ihre Verbrechen in körperlosem Zustand auf ewig büßen sollen. Und Jor-El schickt seinen neu geborenen Sohn in einer Kapsel quer durch das Universum zum Planeten Erde. Hier soll er aufwachsen, lernen und die Menschheit vor sich selber retten – die geringere Schwerkraft des neuen Planeten sowie die Strahlen einer gelben Sonne (im Unterschied zur roten Sonne, die Krypton bescheint) werden ihm dabei helfen.

Auf der Erde fliegt die Kapsel auf den Acker des kinderlosen Ehepaares Jonathan und Martha Kent, die bei Smallville in Kansas eine Farm bewirtschaften. Sie wundern sich kurz über das kleine Kind, das der Kapsel entkrabbelt und ihnen dann beim Reifenwechsel hilft, indem es ihren Pick-Up-Truck mühelos anhebt … und nehmen den Jungen dann an Kindes statt an. Sie hütendas Geheimnis seiner Kräfte und wenn jemand fragen sollte, ist der Junge Spross einer entfernten Kusine, die zu früh verstorben ist. Sie nennen ihn Clark.

Clark hat in Smallville eine glückliche Kindheit, wenn auch keine sehr abwechslungsreiche. Seine Zieheltern haben ihm eingebläut, bloß seine Kräfte nicht zu zeigen. Es stünde zu befürchten, dass sonst „Männer von der Regierung” kämen und ihn in ihren Labors untersuchen würden. Also wirkt Clark im Verborgenen.

Als Jonathan Kent stirbt, zieht sich Clark für einige Jahre ins ewige Eis zurück. Ein grüner Kristall, der in seiner Raumkapsel lag, weist ihm den Weg und wird der Grundstein für einen gigantischen Bau in der Arktis, in der er von einem Hologramm seines Vaters Jor-El in allem Wissenswerten unterwiesen wird.

Nach vielen jahren kehrt Clark in die Zivilisation zurück und kommt nach Metropolis, wo er eine Stelle als Reporter bei der Tageszeitung „The Daily Planet” antritt. Es bleibt in der Großstadt nicht aus, dass sich bald herumspricht, dass ein fliegender Mann in blau und rot Heldentaten vollbringt, Menschen rettet, Ölkatastriphen verhindert – und die verirrten Katzen kleiner Mädchen aus Bäumen befreit. Lois Lane, Starreporterin beim „Planet” nennt ihn in einem Artikel einen „Superman” und damit hat er seinen Namen weg.

Niemand weiß, dass Superman und Clark Kent ein und dieselbe Person sind. Das wäre ja auch noch schöne: Der trottelige Kent und der Mann aus Stahl? Nicht mal Lois merkt was. Und die hat sich sofort in den Mann in rot, blau und gelb verliebt; wohingegen sie von Clark nicht viel hält – zu tollpatschig.

Lex Luthor beunruhigt der Mann aus Stahl nur kurz. Der Mann, der sich selbst als das größte Verbrechensgenie aller Zeiten und Welten bezeichnet, ist dabei, die Wüste von Nevada aufzukaufen, anschließend mittels zweier Atomraketen Kalifornien im Meer zu versenken und dann die Preise für die nun in Küstennähe liegenden Nevada-Grundstücke gewinnbringend zu veräußern. Dazu muss er Superman ausschalten?

Kein Problem für das größte Verbrechensgenie aller Zeiten und Welten. Wenn die Erdatmosphäre den Kryptonier zum Mann aus Stahl macht, dann müsste Gestein von Krypton den Mann ja gut ausbremsen, mutmaßt Luthor, besorgt sich Meteoritengestein, das mit dem Superbaby auf die Erde gelangt sein muss, klaut wie geplant die beiden Atomraketen und geht ans Werk.

Kurze Zeit später reißt die St.-Andreas-Spalte auf, Kalifornien droht, im Meer zu verinken …

Was zu sagen wäre

Teaserplakat: SupermanEs ist nicht zu fassen: Ein Mensch kann fliegen!“ Mit diesem Satz bewirbt das Studio Warner Bros. auf dem Plakat seine neueste Produktion, die Verfilmung des Comichelden „Superman”. Bis jetzt hat Superman ein Leben als Comicfigur oder als TV-Held am seidenen Faden gelebt. Jetzt ermöglicht es die Technik der Green Screen, ihn richtig über Metropolis, ins All und über Feld, Wald und Wiese fliegen zu lassen – sagen die Produzenten und es ist ihr wichtigstes Verkaufsargument. Da ist es schade, dass sie ihr Versprechen nicht halten können.

Die Flugeffekte sind scheußlich

Die Flugeffekte sind in ihrer Mehrzahl scheußlich. Da hängt also nun ein Mann im Strampler an unsichtbaren Fäden und fliegt vor einer Rückprojektion des nächtlichen Manhattan oder er liegt auf einem Gerüst, streckt die Faust nach vorne und dreht sich ein bisschen im Gegenwind aus der Windmaschine – und das Gerüst wird dann später weggetrickst. In jedem einzelnen Fall bewegen sich Vorder- und Hintergrund gegeneinander, als hätte nicht John Dykstra gerade erst die Motion-Control-Camera erfunden, die er erfolgreich bei Krieg der Sterne (1977) eingesetzt hat. Außerdem gibt es unschöne schwarze Ränder um den fliegenden Mann, die den Rest der Illusion rauben.

Der Mensch kann eben doch nicht fliegen. Das ist eine Binse, aber der Film sieht aus, als hätten ein paar Jungs im Sandkasten gespielt und einfach mal Sandburgen gebaut, wohl wissend, dass der Sand für eine Burg viel zu trocken ist. Es bleibt die Frage, ob man für Sandburgen 55 Millionen Dollar ausgeben soll (zum Vergleich: Star Wars hat im vorigen Jahr rund 10 Millionen Dollar gekostet). „Wohl eher nicht”, hat das Studio ursprünglich gedacht, aber die Produktion, die gleich zwei Teile drehen wollte, lief aus dem Ruder, die Effekte klappten nicht so recht, die Produzenten Alexander und Ilya Salkind brauchte immer mehr Geld, musste schließlich die Rechte an der Filmfigur „Superman” an das Warner-Studio abtreten und irgendwann war der Film fertig, die Luft dick und „Superman – The Movie” ab der Premiere ein Riesenerfolg, der am Ende 300 Millionen US-Dollar einbrachte. Also: Ja, man kann 55 Millionen Dollar für spielfreudige Jungs und ihre Sandburgen ausgeben.

Lex Luthor und seine Volldeppen aus dem Chaos-Verein

Der Film ist … albern, naiv, verspielt und manchmal einfach schlecht. Das größte Ärgernis sind gar nicht die schlechten Flugtricks. Die Kinoplakate hätten das Gefliege bloß nicht so in den Vordergrund stellen sollen; besser geht das halt nicht. Das größte Ärgernis ist die Nemesis des Mannes aus Stahl, the one and only Lex Luthor, dem hier Gene Hackman Statur und Haar verleiht („Die Brücke von Arnheim“ – 1977; French Connection II – 1975; Frankenstein Junior – 1974; „Der Dialog“ – 1974; Die Höllenfahrt der Poseidon – 1972; French Connection – Brennpunkt Brooklyn – 1971; „Bonnie und Clyde“ – 1967). Lex Luthor ist einer der berühmtesten Glatzenträger des bekannten Universums; in diesem Film trägt er Perücke(n). Am Ende zieht er sie ab. Warum er Perücken trägt, spielt im Film keine Rolle. Ist Gene Hackman zu eitel, um unter einer Plastik-Glatze aufzutreten? Seine Entourage besteht aus zwei Volldeppen: Ned Beatty als fetter Clown mit Ketchupflecken, an dem Luthor – zu Recht – bewundert, dass ein solcher Organismus in der Lage ist, selbständig zu atmen, und Valerie Perrine als leichtbekleidetes blondes Dummchen namens Eve Teschmacher; auf einer Karte der zukünftigen neuen Westcoast sind die „Teschmacher Peaks“ eingezeichnet – zwei abgerundete spitze Hügel nebeneinander (ein Brüller). Eine redundante Truppe, die aus jeder simplen Erklärung einen Fünf-Minuten-Zweite-Schulklasse-Dialog macht. Dieses Trio wäre im richtigen Leben nicht einmal in der Lage, eine Tankstelle zu überfallen. Hier klauen sie dem Militär zwei Atomraketen. 

Ja: Richard Donner („Das Omen“ – 1976) will dieser tonnenschweren, andauernd die-Welt-tragenden Jesus-Figur namens „Superman“ eine ironische Note beimischen. Superman, dieser Nitzsche'sche Übermensch mit Jor-el als Gottvater, den hier kein geringerer als Schauspiel-Ikone Marlon Brando (Duell am Missouri – 1976; Der letzte Tango in Paris – 1972; Der Pate – 1972; „Die Gräfin von Hongkong“ – 1967; „Meuterei auf der Bounty“ – 1962; „Die Faust im Nacken“ – 1954; „Der Wilde“ – 1953; „Julius Caesar“ – 1953; „Viva Zapata“ – 1952; „Endstation Sehnsucht“ – 1951) spielt, der seinem blau-rot-gelben Jesus Sätze wie diesen mit auf den Weg gibt: „Sie (die Menschen) können ein großartiges Volk sein. Sie möchten so gerne. Was ihnen fehlt ist nur das Licht, das sie leitet. Deswegen habe ich Dich zu ihnen geschickt, mein einziger Sohn!“ Solchen Rat nimmt der einzige Sohn wörtlich und rät der harten Reporterin Lois Lane: „Sie sollten wirklich nicht rauchen!“ Und als die fragt, warum er hier sei, sagt Superman: „Ich bin hier, um für Frieden, Freiheit und den american way zu kämpfen¡“ Solche bedeutungsschwere Sentenzen gab es im Kino zuletzt, als Ben Hur 1959 Messala zu Grabe ritt. Als sich am Ende ein Gefängnisdirektor für Supermans heldenhafte Hilfe bedankt – "Dieses Land ist sicherer geworden durch Sie, Superman“ – winkt der bescheiden ab: "Oh, danken Sie nicht mir. Wir sind alle Teil desselben Teams!“ Sagt's und entschwebt in den Nachthimmel, um eine Runde mit Lois Lane, die Margot Kidder (Die Schwestern des Bösen – 1972) als hibbelig-sympathische Großstadtpflanze spielt, in der Stratosphäre zu drehen, die dazu wenig mehr trägt als ein dünnes Negligé. Ironie tut dem Werk also gut. Aber aus dem grausamen, genialen Lex Luthor eine Witzfigur zu machen, ist keine Ironie. Das ist falsch.

Sprüche so ölig wie Supermans Locke

Vielleicht hätte er diese Norman-Rockwell-artige Kindheit des Clark Kent mehr durch den Kako ziehen sollen; die Farmer-Idylle mitsamt dem Leben vom wir-haben-nur-das-Nötigste war schon  eine idealisierte Traumlandschaft, als Jerry Siegel und Joe Shuster sie in den 1930er Jahren erfanden. Jetzt, 1978, hätte Richard Donner die Chance gehabt, diese Welt zu entstauben – aber da fällt ihm nicht mehr ein, als eine Welt mit lustigen, poppigen Primärfarben zu zeichnen, in der sogar der Pick-Up im leuchtendem Himmelblau strahlt, und in der Superboy sich Wettrennen mit dem Schnellzug liefert. Das ist schön anzuschauen, ganz pfiffig, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass weder Autor Mario Puzo (der den Roman „Der Pate“ geschrieben hat) noch Richard Donner sehr viel mehr mit ihrem Titelhelden anfangen können, als ihn fliegen zu lassen. Und weil er das kann, rettet er dann auch ein kleines Kätzchen aus dem Baum und verrät: "Ich trinke nie, wenn ich fliege!“ Das so ölig wie Supermans Locke.

Hinterher weiß man immer alles besser: Richard Donner und die Salkinds wollten Geld sparen, indem sie für zwei Filme gleichzeitig drehten. Das ging schief, machte allein den ersten Film super teuer und zeigt, dass, wenn beide ihre Energie auf diesen einen Film konzentriert hätten, der sicher besser geworden wäre. In der Fortsetzung sollen nun die zu Beginn dieses Films in die Phantomzone verbannten Kryptonier um General Zod angreifen. Die sind so stark wie Superman. Und Zod braucht auch keine Perücke.

Wertung: 6 von 9 D-Mark
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