Plakatmotiv: Brubaker
Spannendes Gefängnisdrama
um einen aufrechten Streiter
Titel Brubaker
(Brubaker)
Drehbuch W.D. Richter + Arthur A. Ross + Bob Rafelson
nach dem Tatsachenbuch „Accomplices to the Crime: The Arkansas Prison Scandal“ von Thomas O. Murton + Joe Hyams
Regie Stuart Rosenberg, USA 1980
Darsteller
Robert Redford, Yaphet Kotto, Jane Alexander, Murray Hamilton, David Keith, Morgan Freeman, Matt Clark, Tim McIntire, Richard Ward, Jon Van Ness, M. Emmet Walsh, Albert Salmi, Linda Haynes, Everett McGill, Val Avery u.a.
Genre Drama
Filmlänge 131 Minuten
Deutschlandstart
22. Januar 1981
Inhalt

Der amerikanische Gefängnisalltag ist hart. Der Gouverneur von Arkansas möchte in seinem Staat Reformen durchführen lassen. Mit Henry Brubaker glaubt er den richtigen Mann für diese Aufgabe gefunden zu haben. Brubaker will sich ein genaues Bild vom Leben im Gefängnis machen, damit er genau weiß, womit er es zu tun hat. Als Leiter des Wakefield-Gefängnisses lässt er sich zur Tarnung in seinen eigene Knast einliefern.

Dabei muss Brubaker feststellen, dass die Realität des Gefangenenalltags noch weit schlimmer ist, als er das annehmen konnte. Kriminelle Machenschaften sind hier an der Tagesordnung. Brubaker will dieses Zustände nicht dulden. Deswegen beginnt er einen Feldzug gegen die Missstände des amerikanischen Strafvollzugs, der seinen vormaligen Gönnern schließlich gefährlich wird. Sie wollen Brubaker stoppen …

Was zu sagen wäre
Die ganze Welt ist am Arsch“, sagt der Gefangene im Todestrakt. „Hat alles keinen Zweck!“ Knastfilme sind Metaphern auf die Welt als solche, auf die Gesellschaft. Es sind Filme über harte Männer, die erniedrigt werden, die unter Druck in einem System jenseits von Recht, Gesetz und Moral bestehen müssen – oder untergehen.

Stuart Rosenberg, der Regisseur von „Brubaker“ – wieder ein Gefängnisfilm – hat vor 13 Jahren einen Klassiker des Genres geschaffen – mit Paul Newman als Cool Hand Luke). Dieser Luke brach immer wieder aus seinem Gefängnis aus, wurde wieder eingefangen, wurde von seinen Mithäftlingen zum Helden stilisiert, bis sie den Glauben an ihn verloren – der Häftling, auf der Flucht erschossen, wurde zum wiedergeborenen Jesus, der sein Leben für die Kameraden gegeben hat in einem staubigen Gefängnis in den heißen Südstaaten.

In „Brubaker“, einer fürs Kino dramaturgisch umgebauten Verfilmung eines Tatsachenromans, schickt Rosenberg Newmans Buddy aus Butch Cassidy … und aus Der Clou in einen ähnlich gottverlassenen Knast im Süden – aber während Paul Newman für Parkuhr-Demolierung in die Hölle geht, outet sich Redfords Figur nach einer halben Filmstunde als neuer Direktor des Horrorknasts. Er soll reformieren und wer könnte das besser, als just Robert Redford, jener aufrechte Streiter für Moral und Recht, dessen Filmfiguren in den zurückliegenden Jahren ein ums andere Mal gegen die allmächtigen Windmühlen angeritten sind. Das Etablissement, das er vorfindet, ist eine gottverlassene Gesellschaft, in der Farbige ausgepeitscht werden (um „ein Signal zu setzen“), in dem nur der, der Geld hat, einigermaßen vernünftiges Futter bekommt – und anders, als (Vieh)Futter kann man das nicht bezeichnen, was die Gefangenen bekommen. Und er besorgt dann mal als erstes Sonnenbrillen für die Gefangenen im Todestrakt, die in dauernder Dunkelhaft vegetieren, damit diese wieder ans Tageslicht können, ohne sich die Augen zu verbrennen. Auf den Wachtürme tauscht er die Gewehr-bewehrten Fälscher und Räuber gegen Affektmörder, „die machen sowas nicht zum zweiten Mal“; nur Gewohnheitskillern könne man nicht trauen.

Rosenberg portraitiert eine Gesellschaft, in der es Tradition ist, „die Klappe zu halten. Die Dinge laufen zu lassen, wie sie seit hunderten Jahren laufen (…) Sie sollten nicht versuchen, Traditionen zu ändern.“ Draußen haben diese Zustände lange niemanden gestört und wie ernsthaft die Reformbestrebungen sind, die nun Henry Brubaker einleiten und umsetzen soll, bleibt zunächst vage und zerplatzt dann in einer beeindruckend gefilmten Konferenz mit lauter Anzugträgern, Funktionären, Politikern, Beamten zu wohlmeinenden Sonntagsreden – „Wir haben Wahljahr. Mr. Brubaker. Niemand interessiert sich für die ausgewogene von Mördern und Vergewaltigern, solange Kinder hungern!“ So lebt die Gefängnisgesellschaft ganz gut von ihrer Verlassenheit. man hat sich mit örtlichen Betrieben vernetzt, lässt Gefangene wie Sklaven 15 Stunden am Tag schuften und vertickt die Nahrungsmittellieferungen, die regelmäßig kommen, lieber in den umliegenden Hurenhäusern. Wen interessiert‘s?

Sie wollten es so? Sie können es so haben. Viel Glück!“, sagt Brubakers Vorgänger. Interesse des Films ist nicht, den harten Knastalltag zu zeigen, er will anprangern und politische Sonntagsreden als solche entlarven. Der gesellschaftskritische Film singt ein Hohelied auf den mutigen Einzelkämpfer, der sich Widerständen entgegenstellt und aufrecht zu seinen Überzeugungen steht, komme was das wolle. Am Ende muss er unverrichteter Dinge abziehen. Die Zustände waren stärker. Aber die Gefangenen haben etwas gelernt und so deutet dieser spannende Film doch noch eine Erlösung zumindest an.


 

Wertung: 8 von 9 D-Mark