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Plakatmotiv: Die Strohpuppe
Schöne Menschen tun schöne Dinge und
drehen dem Zuschauer die Luft ab
Titel Die Strohpuppe
(Woman of Straw)
Drehbuch Robert Muller + Stanley Mann + Michael Relph
nach dem Roman „La Femme de paille“ von Catherine Arley
Regie Basil Dearden, UK 1964
Darsteller Gina Lollobrigida, Sean Connery, Ralph Richardson, Alexander Knox, Johnny Sekka, Laurence Hardy, Peter Madden, Danny Daniels, Noel Howlett u.a.
Genre Krimi
Filmlänge 117 Minuten
Deutschlandstart
27. August 1964
Inhalt

Der an einen Rollstuhl gefesselte, steinreiche Charles Richmond tyrannisiert seine ganze Umgebung, auch seinen Neffen Anthony und die zu seiner Betreuung engagierte, attraktive Krankenschwester Maria. Als Anthony merkt, dass Richmond eine Schwäche für seine hübsche Pflegerin besitzt, versucht er, diese für seine Ziele einzuspannen.

Plakatmotiv: Die StrohpuppeEr will an das Vermögen seines Onkels gelangen. Der Plan scheint zunächst aufzugehen, bis sich die Ereignisse anders entwickeln als ursprünglich vorgesehen …

Was zu sagen wäre

Es beginnt etwas zäh. Zu klar verteilt scheinen die Rollen der Figuren, die wir in der ersten halben Stunde zu gesicht bekommen: ein reiches Arschloch, ein Cocktail schwenkender Neffe, eine schöne Frau. So offensichtlich wird‘s‚ nicht bleiben.

Basil Dearden inszeniert ein Drama, in dem schöne Menschen schöne Dinge in schöner Umgebung. Bis sich herausstellt, dass jemand weniger schöne Dinge tut. Es beginnt als Kammerspiel mit drei Personen, weitet sich zu einer leidlich spannenden Erbschleichergeschichte und gipfelt in einem düsteren Thriller im Mittelmeerraum rund um Mallorca.

Otto Heller taucht die Settings in warme Brauntöne, Beatrice Dawson kleidet die Figuren in edles Tuch und Ken Adam stellt sie sie hochherrschaftliche, klassizistischen Herrenhausarchitektur – alles an diesem Film wirkt teuer. Es ist eine Lust, nur der Eleganz nur zuzusehen.

Geschickt schnürt Deardon dem Zuschauer langsam die Luft ab, am Ende ist nicht nur Nichts, wie es eingangs schien, es ist auch keine der handelnden Personen mehr das, was er, bzw. sie eingangs schien. Vor allem Sean Connery zeigt eine gute Vorstellung, die er damit beginnt, dass er einmal mehr sein gut aussehendes Ego über seinen Filmcharakter stellt, mit gelupfter Augenbraue und ironischem Grinsen. Damit wickelt er Gina Lollobrigida genau ao gut ein wie – wie sich herausstellen wird – den Zuschauer. Bis der das merkt, ist die Schlinge längst zu.

Plakatmotiv: Die StrohpuppeGina Lollobrigida zeigt sich zunächst entweder in hochgeschlossener Schwesterntracht, oder in seidenem Spitze-Mieder – als reiche Gattin übernimmt dann das Haus Dior ihre Kostüme. Sie spielt die an Geld desinteressierte, mühsam um Eigenständigkeit bemühte Frau, die der Zauber des Vermögens, das Mitleid mit dem an den Rollstuhl gefesselten Despoten sowie die Faszination des schönen Neffen um Verstand und Gesundheit bringt. Und wenn dann noch die eingangs nur als Staffage im Bild stehenden, stummen Bediensteten eigene Regungen zeigen, wird es langsam unheimlich.

Ralph Richardson gibt ein rassistisches Arschloch, so böse, dass seine Wandlung zum zahmen Kater unter Lollobrigida Fürsorge schwer zu glauben ist. Aber Richardson bespielt die ganze emotionale Palette und bietet großes Schauspiel. Seine Leiche ist wunderbar in Szene gesetzt. Einmal rutscht ihm die Sonnenbrille von der Nase, hinter der der tote Charles seine fröstelnde Witwe anstarrt – da fröstelt auch die Leinwand.

In der letzten halben Stunde, als aus der minderspannenden Erbschleichergeschichte ein kalter Psychothriller geworden ist, stehen plötzlich viele kleine Szenen, Verhaltensweisen in einem anderen Licht. Da offenbar sich die ganze dämonische Kraft eines kalkulierten Drehbuchs. Das englische Plakat erklärt den vertrackten Filmtitel: „Es ist so leicht, eine Strohpuppe in Brand zu setzen.“ Eine solche spielt La Lollobrigida, selbst in Spitzenunterwäsche.

Wertung: 5 von 7 D-Mark
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