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Kinoplakat: Straßen in Flammen
Ein zeitloser Klassiker des Rock‘n‘Roll-Kinos
Titel Straßen in Flammen
(Streets of Fire)
Drehbuch Walter Hill + Larry Gross
Regie Walter Hill, USA 1984
Darsteller

Michael Paré, Diane Lane, Rick Moranis, Amy Madigan, Willem Dafoe, Deborah Van Valkenburgh, Richard Lawson, Rick Rossovich, Bill Paxton, Lee Ving, Stoney Jackson, Grand L. Bush, Robert Townsend, Mykelti Williamson, Elizabeth Daily u.a.

Genre Rock ‘n Roll, Action
Filmlänge 93 Minuten
Deutschlandstart
13. Juli 1984
Inhalt

Ellen Aim ist in der Stadt; ihrer Heimatstadt. Die Rocksängerin hat gerade den Opener ihres Konzerts vor ausverkauften Haus beendet, da stürmen die „Bomber“ die Bühne, entführen die Sängerin und machen ordentlich Rabatz in den Straßen. Die Polizei – Officer Ed Price und sein Häuflein Aufrechter – ist machtlos.

Restaurantbesitzerin Reva Cody setzt sich an den Fernschreiber und schreibt an Tom Cody: „Dear Tom, please come home. I need You!“ Tags darauf ist Tom in der Stadt – Ex-Soldat, Ex-Lover der Rocksängerin Ellen Aim, der einzige, der jetzt helfen kann. Für zehn Riesen verspricht er Ellens Manager Fish, Ellen aus den Händen der Bomber unter der Führung des kalten Raven Shaddock zu befreien.

Gemeinsam mit der Soldatin McCoy macht er sich auf in die Battery und mischt die Rocker ordentlich auf. Bald ist Ellen in Sicherheit, in den Händen Fishs, der schon große Pläne hat.

Aber die Bomber sind nicht zufrieden. Sie wollen ihre Beute zurück. Und sie wollen Cody. Cody weiß das. Und er hat nichts dagegen, dass sie ihn holen wollen …

Was zu sagen wäre

„A Rock & Roll Fable … Another Time, Another Place …“. So überschreibt Walter Hill (Long Riders – 1980) seinen Neon-Western mit 50er-Jahre Autos, Long-Rider-Staubmänteln und Prinzessinnen, die aus der Hand des Drachen befreit werden müssen. Ein ganz und gar artifizieller Film, der keine Anleihen an der Wirklichkeit macht. Hill bedient sich aus dem Rhythmus des Rock & Roll und der Bildsprache des klassischen Kinos. Mit „Streets of Fire“ präsentiert er ein Kino, wie es Quentin Tarantino zehn Jahre später für sich reklamiert - Filmzitate neu gemischt. Hill selbst sagt, es handele es sich bei „Streets of Fire“ um eine Graphic Novel – nur habe es diesen Begriff damals noch nicht gegeben.

Ursprünglicher Plakatentwurf für „Streets of Fire“

Ein Auftakt in purem Rythm and Rock

Mit ausgesuchter Coolness geht Hill in seinen Film. Titelmelodie, Setting Shots, Opener des Rock-Konzerts, Entführung, Hilferuf, Auftritt Tom Cody – das geht alles ineinander über, ist Rhythmus pur. Hill nutzt Wischblenden, die an Comicgemälde erinnern. Jedes Bild ein kleines Kunstwerk, jede Szene eine Miniatur, die rauen Men's Talks haben sich über die Jahrzehnte etwas abgenutzt, aber an Frische hat „Streets of Fire“ nichts eingebüßt. Das Rock’n’Roll-Lebensgefühl und Dekors der späten fünfziger Jahre, eingepackt in Bildtechnik und Musik der achtziger Jahre, Ry Cooders Musik vibrierend, treibend, leidenschaftlich, ausgebrannt; erzählt durch Typen, nicht durch psychologisch durchdachte Menschen, die Personen sind im besten Sinne zeitlos.

Hill entfaltet eine Neonwelt, die mit ihren Primärfarben aus dem Farbfilm einen Film Noir macht, die nur von Jugendlichen und Polizisten bewohnt ist, er legt sich da nicht fest – als Gerüst dienen Western, Konzertfilm, Copmovie, Gangflic, Testosteron-Action, von allem ein bisschen und es gipfelt in … einem leidenschaftlichen Kuss im strömenden Regen – das Testosteronkino zeigt sich auch von der Romantischer-Traum-Seite. 

Junge Gesichter, unschuldiger Charme

Hill setzt vor der Kamera auf junge Gesichter, Neue auf der Bühne. Das gibt dem Film bei aller Härte einer wunderbare Unschuld und Leichtigkeit. Tom Cody, der Lonesome Cowboy, der heimkehrt, der Wanderer zwischen den Welten, ist Michael Paré („Undercover“ – 1984; „Eddie and the Cruisers“ – 1983), der noch am Anfang seiner Karriere stand und sich Hoffnungen auf Größeres machte. Er blieb aber dem Genre des B-Films treu und wurde später Stammschauspieler des deutschen Regisseurs Uwe Boll (Assault on Wall Street – 2013). Sein Side-Kick ist Amy Madigan („Love Letters“ – 1983; „Liebe hinter Gittern“ – 1982), deren attraktive Weiblichkeit nahezu völlig unter dem rauen Charme der Soldatin McCoy verschwindet.

Rick Moranis („Zwei Superflaschen räumen auf“ – 1983), Star der legendären Saturday-Night-Live-TV-Show, spielt den Musikmanager Billy Fish, der mit Ellen Aim gerne mehr anstellen würde, als nur deren Musikerinnenleben zu managen und der zu Beginn ein schnöseliger Widerling ist und sich im Laufe der Story als verlässlicher Geschäftsmann herausstellt. Willem Dafoe („New York Nights“ – 1984; „Begierde“ – 1983; „The Loveless“ – 1981) gibt die Nemesis, den in schwarzes Leder gehüllten Motorradrocker, der geradewegs aus der Hölle kommt und zwischendurch auch immer wieder dorthin zurückkehrt.

Filmszene: Küsse im Regen in „Streets of Fire“Der Score von Ry Cooder

Und schließlich Ellen Aim – Diane Lane (Rumble Fish – 1983; Die Outsider – 1983; „Ladies and Gentlemen, the Fabulous Stains“ – 1982). Wenn es an ihr etwas auszusetzen gibt, dann, dass ihr auf der Rock-&-Roll-Bühne etwas die Leidenschaft zum Playback fehlt und ihre Hairstylistin gefeuert gehört. Die 19-jährige Schauspielerin (Jahrgang 1965) sieht auf der Bühne aus wie eine Frau Mitte 30. Aber das sind Erscheinungen an der Peripherie, gegen die Lane selbst wenig machen kann. Sobald sie spielt – ohne Rock-&-Roll-Bühne, schafft sie spielend den Spagat zwischen taffer Sängerin und verletzlicher Freundin; man(n) möchte sie in den Arm nehmen, gleichzeitig aber nochmal gucken, ob ihr das auch recht ist.

Und dann haben wir über den heimichen Hauptdarsteller ja noch gar nicht gesprochen – was daran liegen mag, dass ich zu Musik fachlich nicht viel mehr sagen kann als gefällt mir oder gefällt mir nicht. Hier gilt: gefällt mir. Aber das ist nicht so der Punkt. Neben Ry Cooders fantastischem Score haben verschiedene Band Rocksongs beigetragen (Fire.Inc, Dan Hartman, The Blasters u.a.), die Teil der Handlung werden. Da wirkt „Streets of Fire“ fast wie ein Musical – auch die Bilder werden geschnitten im Takt zur Musik – damals, in den Zeiten vor MTV noch eine Ungehörigkeit. Bei einer Szene, in der Tom, Ellen, McCoy und Billy Fish auf der Suche nach einem Unterschlupf sind und Marilyn Martin als einer der Singstimmen Ellen Aims ihr „Sorcerer“ singt, schneidet Hill sogar Schwarzbilder in den Film, ordnet seinen Film ganz dem Takt der Musik unter (später wurde sowas Usus, hier war es noch … neu). Es sind diese Dinge – Musik, Montage, Neon, das ganze artifizielle Ambiente – die den Film aus der Masse hervorheben und ihn – trotz dünner Handlung und offen gesagt begrenzter Schauspielkunst – zu einer Ikone des 1980er-Jahre-Kinos machen, der bis weit ins 21. Jahrhundert ausstrahlt.

Bilder, Musik, Montage, Typecasting … an diesem Film passt alles zusammen. Ein ewiger Klassiker des modernen Kinos: Tonight ist what it means to be young!

Wertung: 9 von 9 D-Mark
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