Kinoplakat: Stereo
Handwerklich sauber konstruiertes
Verwirrspiel mit großen Darstellern
Titel Stereo
Drehbuch Maximilian Erlenwein
Regie Maximilian Erlenwein, Deutschland 2014
Darsteller

Jürgen Vogel, Moritz Bleibtreu, Petra Schmidt-Schaller, Georg Friedrich, Rainer Bock, Helena Schönfelder, Mark Zak, Fabian Hinrichs, Valery Tscheplanowa, Jürgen Holtz, Paul Fassnacht, Adrian Can, Julian Schmieder, Gerdy Zint, Sophie Melbinger u.a.

Genre Thriller
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
15. Mai 2014
Inhalt

In einer kleinen Stadt eröffnet Erik eine Motorrad-Werkstatt. Alles scheint zunächst super zu laufen: In der Beziehung mit seiner neuen Freundin Julia geht Erik voll auf, mit Julias Tochter Linda kommt er ebenfalls hervorragend klar.

Eines Tages taucht ein geheimnisvoller Unbekannter auf: Der undurchsichtige Henry drängt sich wie ein Parasit in Eriks neues Leben und lässt sich einfach nicht abschütteln. Doch mit diesem Problem bleibt der Geplagte erst einmal allein, denn nur er kann den aufdringlichen Gesellen überhaupt sehen! Aber es kommt noch schlimmer für Erik, als Gaspar mit seinem zwielichtigen Gefolge auftaucht.

Die Gangster setzen Erik massiv unter Druck und wollen ihn zwingen, bei illegalen Machenschaften mitzumischen. Der Bedrängte muss eine Entscheidung treffen: Soll er Henry vertrauen und seine Hilfe annehmen oder soll er die Erpresser alleine bekämpfen …

Was zu sagen wäre

Schön, dass solche Filme noch produziert werden. Sind wir ehrlich: Das einzige, was uns Kinoprogramm-Checkern hier auffällt, sind die Namen Moritz Bleibtreu (Quellen des Lebens – 2013; Schutzengel – 2012; Soul Kitchen – 2009; Free Rainer – Dein Fernseher lügt – 2007; Germanikus – 2004; Lammbock – 2001; Das Experiment – 2001; Lola rennt – 1998; Knockin' on Heaven's Door – 1997) und Jürgen Vogel (Quellen des Lebens – 2013; „Die Welle“ – 2008; „Der freie Wille“ – 2006; Nackt – 2002; „Emil und die Detektive“ – 2001). Weder der Titel, „Stereo“, noch gar dieses interessante Vexierbild, das als Plakatmotiv dient, sagt uns irgendwas über diesen Film. Was also soll uns … anders gefragt: Wer geht nur wegen dieser beiden Namen in einen Film? Aus der Perspektive des modernen Marketings stimmt an diesem Titel, an diesem Plakat nichts!

Ein klasse Thriller mit allen Zutaten, um 90 Minuten lang lieber mal nicht ins Foyer zu rennen, um nochmal die Nacho-Schale aufzufüllen. Nach längstens 20 Minuten ist klar, wohin die Reise geht – ungefähr – und ich verrate nicht zuviel, wenn ich von einer Story zwischen Realität, Traum, Wahn und Mord spreche.

„Stereo“ ist tatsächlich ein Jürgen-Vogel-Moritz-Bleibtreu-Film in der Hand eines strukturierten Regisseurs – Maximilian Erlenwein, noch am Anfang einer möglichen Karriere, nutzt die Gunst der Stunde und zeigt sauberes Handwerk, dem seine beiden Hauptdarsteller willig folgen. Der Film wäre aber zum Scheitern verurteilt ohne Petra Schmidt-Schaller, die die unbedarfte Landpomeranzen-Freundin Jürgen Vogels spielt. Sie erdet das Chaos; mit ihr in der Hinterhand trauen wir uns immer weiter vorwärts in diesen irrwitzigen Irrealis, der am Ende in einem bizarren Blutbad gipfelt.

Bei Licht betrachtet fallen mir viele Dinge auf, die den Filmspaß stören: das ganze Konstruierte, das albern alle Realitäten des modernen Lebens Ignorierende. Dass deutsche Filmemacher sich immer noch an nackten Frauen und bizarren Blutbädern abarbeiten müssen, die von findigen Marketing-Leuten als zwingend notwendiger Höhepunkt eines Films gefordert werden.

Im Kinosessel aber, im Dunkel des Saals, klebe ich an der Leinwand. Ein spannender Zeitvertreib.

Wertung: 6 von 8 €uro