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Kinoplakat: State of Play - Stand der Dinge
Eine Verbeugung vor
Paculas „President’s Men“
Titel State of Play - Der Stand der Dinge
(State of Play)
Drehbuch Matthew Michael Carnahan + Tony Gilroy + Billy Ray
nach der gleichnamigen TV-Serie von Paul Abbott
Regie Kevin MacDonald, USA, UK 2009
Darsteller Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Jason Bateman, Jeff Daniels, Michael Berresse, Harry Lennix, Josh Mostel, Michael Weston, Barry Shabaka Henley, Viola Davis, David Harbour, Sarah Lord u.a.
Genre Politthriller
Filmlänge 127 Minuten
Deutschlandstart
18. Juni 2009
Website state-of-play.com
Inhalt
Stephen Collins sitzt in Washington auf dem aufstrebenden Ast. Der Vorsitzende des Komitees für Verteidigungsausgaben wird für höchste Ämter gehandelt. Dann stolpert seine engste Mitarbeiterin vor die U-Bahn. Tot.

Und es war offenbar kein Unfall. Zeitungen, Blogs, TV-Sender überbieten sich schnell mit wilden Spekulationen, ausgelöst durch einen ungewohnten Gefühlsausbruchs des jungen Politstars Collins während der Anhörung. War es Selbstmord? Aus verzweifelter Liebe? Collins hatte offenbar ein Verhältnis mit der jetzt Toten.

„Washington Globe“-Reporter Cal McCaffrey denkt noch einen Schritt weiter: War es Mord? Er ist ein alter Freund von Collin aus Studententagen. Collins versichert ihm, dass die Selbstmord-These Quatsch ist. Noch am Morgen ihres Todes hatte sie ihm ein fröhliches „ich freue mich auf nachher”-Video auf sein Handy geschickt. Aber wer sollte einen Nutzen daraus ziehen, Collins' Assistentin zu töten? Sie hatte Zugang zu allen Unterlagen, die bei einer Anhörung eines privaten Militäranbieters eine Rolle spielen. War es der viel beschworene militärisch-industrielle Komplex? Aber warum dann nicht Collins selbst bei einem Unfall hopps gehen lassen.

McCaffrey recherchiert auf die altmodische – sprich: langwierige – Art die Fakten und Hintergründe einer großen Geschichte. Zu langsam für seine Verlegerin Cameron, die den neuen Zeitungsbesitzern gegenüber sinkende Auflagen begründen muss. Außerdem bringen Konkurrenzblätter immer neue Schlagzeilen über das schmutzig-ausschweifende Leben des Politstars. McCafrey bekommt Della Frye an die Seite gestellt. Sie schreibt einen tägichen Internet-Blog für den Globe. „Internet” … mit diesem modernen Zeugs kann McCaffrey gar nichts anfangen. „Mit Papier übersähte Schreibtische” … mit sowas kann Della Frye wenig anfangen. Sie liebt kurze Spitzen im Politdschungel von Washington.

Dann wird ein potenzieller Zeuge erschossen. Im Krankenhaus. Durchs Fenster. Von einem Profi. Jetzt fangen auch Verlegerin Cameron und Bloggerin Frye an, McCaffreys These vom Mord-in-der-U-Bahn zu glauben.

Nur wer? Warum? Für alle Beteiligten gilt einmal mehr: In Washingtons Politsumpf ist nie alles so simpel, wie es auf den ersten Blick erscheint. Und auch der zweite Blick reicht meist nicht …

Was zu sagen wäre

Sie sind aus der Mode, aber nicht tot zu kriegen, was ein großes Glück ist: die Politthriller. Verschwörungsparanoia, dunkle Tiefgaragen, fragwürdige Zeugen, dunkle Schattenmänner in hell erleuchteten Hinterzimmern.

Dieses Genre ist klar strukturiert: In keinem anderen müssen Autor und Regisseur so streng auf jeden noch so kleinen Handlungsfaden, jede Nebenfigur, jede Kameraeinstellung achten, wie hier – nicht in der Romanze, in der Science Fiction nicht und bei der Action gilt so was gar als derselben nicht förderlich.

Entsprechend groß ist die Lust der Künstler, hier dabei zu sein. Die Besetzung von „State of Play“ ist imposant, die Verbeugung der Macher vor Alan J. Paculas Die Unbestechlichen (All the President's Men – 1976) unübersehbar – wieder sind es Zeitungsreporter, wieder werden diesen Türen vor der Nase zugeschlagen; es gibt sogar die Szene in der Tiefgarage. Und der von Ben Affleck gespielte aufstrebende Politiker heißt so, wie ein Schauspieler, der bei Pakula den Hugh Sloan gespielt hat.
Im direkten Vergleich muss der vorliegende Film abstürzen. Er zeigt aber, wie man so einen Thriller heute erzählen kann.

Schön ist die Beziehungsgeschichte der Figuren untereinander: Russel Crowe (Ein gutes Jahr – 2006; A Beautiful Mind – 2001; Insider – 1999) als alternder Schmierlappen und Enthüllungs–Profi gegen die junge, gelackte, wie ein Abziehbild wirkende Hübschie-mit-den-großen-Augen wirkende Bloggerin - Dinosaurier gegen Moderne. Die Zimmerkumpel aus Studientagen, McCafrey und Collins, dazwischen dessen Ehefrau Anne – großartig gespielt von Robin Wright Penn (Pippa Lee – 2009; „Inside Hollywood“ – 2008; Das Versprechen – 2001; Unbreakable – 2000; Message in a Bottle – 1999; Forrest Gump – 1994; Die Braut des Prinzen – 1987) – die diverse unausgesprochene Sträußchen miteinander auszufechten hätten, dies aber lieber unterlassen wollen. Die Herausgeberin Cameron, der die distinguierte Britin Helen Mirren (The Queen - 2006) eine reizvolle Mischung aus Zeitungsadel und Gossensprache verleiht, zwischen Verlegern und Reportern, zwischen Umsatzzahlen und Reporterehre.

Ein großartiger Thriller, dem man höchstens vorwerfen mag, dass ihm etwas an Schärfe fehlt – aber was will man machen? Bei einem Mord-in-Washington-Film glaubt doch der Zuschauer ohnehin zuerst an den Präsidenten als Täter. Jeder darunter ist dann eine Enttäuschung. Mit diesem Dilemma muss jeder Thriller kämpfen seit den verschwörungsseligen Filmen der 1970er Jahre.

Wertung: 5 von 6 €uro
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