Kinoplakat: Star Trek - Nemesis
Picards letzter Auftritt
Spaß und Wehmut
Titel Star Trek - Nemesis
(Star Trek - Nemesis)
Drehbuch John Logan
nach Motiven von Gene Roddenberry
Regie Stuart Baird, USA 2002
Darsteller Patrick Stewart, Brent Spiner, Jonathan Frakes, Marina Sirtis, Michael Dorn, LeVar Burton, Gates McFadden, Tom Hardy, Ron Perlman, Dina Meyer, Steven Culp, Kate Mulgrew, Whoopi Goldberg, Bryan Singer, Nicholas Lanier u.a.
Genre Science Fiction
Filmlänge 116 Minuten
Deutschlandstart
16. Januar 2003
Website startrek.com
Inhalt

Ein strahlend schöner Tag, irgendwo in Kanada: Es ist Hochzeit. Cmdr. Riker und Deanna Troi haben sich – endlich – das Ja-Wort gegeben. Eine launige Stegreif-Rede des Captains läutet den Abschied der Crew voneinander ein; Data singt Irving Berlin, Worf hat einen dicken Kopf von zu viel romulanischem Ale und während des gemeinsamen Fluges nach Betazed – dem Heimatplaneten Deannas – sucht Picard den Fitness-Raum auf; die zweite Hochzeitsfeier wird – nach betazoidischer Tradition – nackt begangen werden.

Die Crew der Enterprise NCC - 1701-E wird einen Umweg fliegen müssen. Von der Erde erreicht sie die Nachricht, dass ein Remaner den Vorsitz des romulanischen Senats eingenommen hat und zu ersten Friedensgesprächen lädt. Die Enterprise ist am nächsten dran an der neutralen Zone und macht sich auf den Weg, bereits um ein Besatzungsmitglied bereichert: auf einem abgelegenen Planeten hatte man die Einzelteile eines „frühen” Data entdeckt und wieder zusammengebaut – entstanden ist eine infantile Data-Kopie namens B-4 (dessen englisch ausgesprochener und dann doppeldeutiger Name „Bifour” in das sinnbefreit deutsche „Bevor” übersetzt werden musste).

Dass ein Remaner den romulanischen Senat führt, lässt Picard nichts Gutes ahnen - der romulanische Nachbarplanet Remus ist bekannt für seine Minen, in denen romulanische Sklaven und – mehr oder weniger – alle Remaner Dilithium abbauen. Wie kommt ein Remaner an die politische Spitze von Romulus?

Dieser Remaner heißt Shinzon, sieht nicht nur nicht so aus wie der typische Durchschnittsremaner (die alle aussehen, wie der kleine Bruder eines Herr-der-Ringe-Orks), sondern zudem, wie ein juveniler Picard. Kein Wunder: Shinzon ist ein Klon des großen Captains und will dem, wie sich schnell herausstellt, an die Wäsche, um selbst überleben zu können, und dann die Erde mittels tödlicher Strahlen in Nullkomma-Nichts in Asche verwandeln.

Picard gegen Picard, erfahrene Weisheit gegen jugendliches Draufgängertum, hier sind Picards spezielle Waffen gefragt - seine diplomatischen Fähigkeiten und die Kunst, die Jugend im Alter nicht zu verleugnen.

Kurz: Nach dem Satz „Wissen Sie, was man mir vorwarf, als ich in Ihrem Alter war? Meine Überheblichkeit!” geht Jean-Luc Picard in die Geschichte ein als der Captain, der nach Cmdr. Riker (in Generations) der Enterprise mehr zufügt als nur ein paar Schrammen …

Was zu sagen wäre

Teaser-Plakat: Star Trek - NemesisEs hatte schon so ausgesehen, als hätten Picard und Crew still und leise abgedankt. Vier Jahre nach dem Aufstand ziehen sie wieder los.Und wie!

Schon bei der Hochzeit macht sich Wehmut breit: Angekündigt ist „Die letzte Reise einer Generation”, also der Abschied von Picard, Data und Co. Und ähnlich wie zum – eigentlichen – Abschied von Kirk, Spock und Co. in Das unentdeckte Land werden auch diesmal Friedensverhandlungen angekündigt, ist auch diesmal der ganze Film von selbstironischem Witz, Zitaten und großen Momenten durchzogen.

Es ist endlich mal wieder ein Raumschiff-StarTrek, also eine Story die auf und mit der Enterprise stattfindet. Planeten-Erkundungen finden wenig statt – genaugenommen nur, wenn B-4 gefunden wird und ein flottes Fahr-Vehikel vorgestellt wird (Picard: „Jetzt ist es Zeit, die gefährlichen Geschwindigkeiten auszuprobieren!”)

Endlich also darf die Enterprise 1701-E noch mal zeigen, was sie drauf hat im Kampf. „Nemesis” ist im auf Moral und Völkerverständigung ausgelegten Trekker-Universum ungewöhnlich actionorientiert. Das kommt der Leinwandversion sehr entgegen. Regisseur Stuart Baird ist von Haus aus Cutter und diese Fähigkeit setzt er ein - gut choreographierte Action, große Szenen etwa mit der Enterprise als Rammbock. Diese finale Taktik Picards gegen den übermächtigen Feind – er rammt den remanischen „Super-Raubvogel” frontal – kommt einfach saugut!

Brent „Data” Spiner hat am Script mitgearbeitet und es mag daran liegen, dass er so viele gute Auftritte hat und schließlich sogar die Schlüsselrolle innehat. Data ist wieder großartig!

Verwunderlich am Rande: Picard und Data eruieren die Lage eines Planeten und treffen sich im Kartenraum, den ich aus „Generations” noch als imposantes 3D-Hologramm in Erinnerung weiß. Jetzt ist es nur noch ein langweiliger Raum mit großem Bildschirm.

Dieser Film macht einfach Spaß und entlässt mich mit einer Abschiedsträne aus dem Kinosaal.

Wertung: 6 von 6 €uro