Kinoplakat: Star Trek - Der Film
Großer Sprung auf die große Leinwand
Gewagtes Projekt, gelungener Versuch
Titel Star Trek - Der Film
(Star Trek - The Motion Picture)
Drehbuch Alan Dean Foster + Harold Livingston
nach Motiven von Gene Roddenberry
Regie Robert Wise, USA 1979
Darsteller William Shatner, Leonard Nimoy, DeForest Kelley, James Doohan, George Takei, Walter Koenig, Nichelle Nichols, Majel Barrett, Persis Khambatta, Stephen Collins, Grace Lee Whitney, Mark Lenard, Billy Van Zandt, Roger Aaron Brown, Gary Faga u.a.
Genre Science Fiction
Filmlänge 132 Minuten
Deutschlandstart
27. März 1980
Website startrek.com
Inhalt

In den Tiefe des Weltraums gerät eine Flotte der Klingonen in eine gigantische Wolke rätselhafter Zusammensetzung und wird vernichtet. Die Wolke hält Kurs auf die Erde.

Das einzige verfügbare Raumschiff, das die Wolke erforschen und nötigenfalls bekämpfen könnte, liegt seit Monaten im Trockendock und harrt seiner Fertigstellung: die U.S.S. Enterprise 1701.

James Tiberius Kirk, inzwischen zum Admiral und Schreibtischhengst befördert, setzt sich kurzerhand selbst wieder in Dienst, trommelt seine alte Crew zusammen und macht sich mit der noch nicht voll einsatzbereiten Enterprise auf den Weg.

Während an Bord Kompetenzstreitigkeiten mit dem neuen Captain beigelegt werden wollen, nähert man sich der geheimnisvollen Wolke.

Sie gibt sich als „V'ger” (sprich: Wiedscher) zu erkennen, auf der Suche nach dem „Schöpfer” …

Was zu sagen wäre

Vorhang auf für die U.S.S: Enterprise 1701: Die Das TV-Raumschiff betritt die Bühne der großen Weltraumoper. Nach der Wiederbelebung des SciFi-Genres durch George Lucas' „Star Wars” wurde 1979 eine erfolgreiche TV-Serien aus den 1960er Jahren auf die Leinwand gerufen, die eine treue Fangemeinde generiert hatte. Kino ist „Bigger Than Life”, also wurde die Serie, die von Pappmaché, Plastik und lustig kostümierten Aliens gelebt hatte, entrümpelt und dem Cinemascope angepasst. Das Schiff wurde größer, die Welten weiter, große Soundstages in den Paramount-Studios wurden in gigantische Hangars umgebaut und mit unzähligen Statisten bevölkert - aus der im Fernsehen behaupteten „400 Mann starken Besatzung” wurde hier eine sichtbare mehrere hundert Mann starke Besatzung.

Das ist echt. Das ist Kino.

Die Hauptdarstellerin selbst, die Enterprise, wurde in einem langsam sich steigernden Crescendo enthüllt und gefeiert, das Umrunden des filigranen Raumers in seinem Dock im Orbit wollte gar kein Ende nehmen. Jede Einstellung in den ersten zwanzig Minuten signalisiert: Das ist nicht mehr TV. Das hier ist echt. Das ist großes Kino. Cinemascope!. 35 Millionen Dollar durften die Produzenten ausgeben - „Star Wars” zwei Jahre vorher hatte noch zehn Millionen gekostet..

Hinter der Kamera nahmen die großen Namen des Kinos Platz: Regisseur Robert Wise war mit Filmen wie „Der Tag, an dem die Erde still stand” (1951), „West Side Story” (1960) oder „Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All” (1971) unsterblich geworden. Special Photographic Effects Director Douglas Trumbull hatte schon die flirrenden Lichteffekte für Stanley Kubriks ”2001 - A Space Odyssee” (1968) entworfen und sichtbar gemacht, von dort kamen auch die Brüder Richard und Matthew Yuricich - Richard filmte und inszenierte mit FX-Kameras die Matte-Paintings seines Bruders -, John Dykstra hatte für „Star Wars” gerade die Motion Control Camera erfunden, die er hier wieder zum Einsatz brachte. Auch Kameramann Richard Kline war nach Filmen wie „Andromeda” (1971), „Jahr 2022 ... die überleben wollen” (1973), ”Die Schlacht um den Planet der Affen” (1973) oder der Neufassung von „King Kong” (1976) kein unbeschriebenes Blatt mehr im Großleinwand-Kino. Beraten wurden die Autoren von SciFi-Legende Isaac Asimov („Sterntagebücher”, Solaris) und NASA-Experte Jesco von Puttkamer.

Familienzoff auf der Brücke

Nur die Crew ist die alte. Das ist wichtig. Die TV-Serie lebte von einer tiefen humanistischen Prägung und ihren Figuren, nicht von großen Effekten: Als Captain agiert ein besserer Cowboy, der schon mal erst schießt und dann fragt. Als Gegengewicht agiert ein ausschließlich logisch denkender und handelnder Mann vom Planeten Vulkan. Zwischen beiden zetert ein ewig skeptischer Schiffsarzt. Diese drei – Kirk, Spock, McCoy – sind veritable Schauspieler, und machen – anders als in der TV-Seie – eine Entwicklung durch im Film, sind nicht nur Schablonen für eine Captain-Rolle oder die Arzt-Rolle.

Die anderen wiederkehrenden Figuren – Pilot Hikaru Sulu, Navigator Pavel Chekov, Kommunikationsofizierin Nyota Uhura und der Spezialist im Maschinenraum, Montgomery „Scotty” Scott – wurden und werden von Akteuren dargestellt, die wenig mehr können, als Schablonensätze wie „Phaserbänke feuerbereit” oder „Ich versuche es, Sir, aber das fremde Raumschiff antwortet nicht” im Stehen und Sitzen aufzusagen. Das reichte im Fernsehen der 1960er Jahre, auf der Leinwand reicht das nicht, also wurden zwei weitere Hauptfiguren auf die Brücke gestellt, die hauptsächlich dafür da sind, Scotty, Uhura, Sulu und Chekov nicht so oft zu Wort kommen zu lassen. Decker und Ilia (Stephen Collins und Persis Khambatta) wurde eine geschichte auf die Leiber geschrieben - aber eigentlich stören sie nur das eingespielte Familienleben auf der Brücke mit Papa Kirk, Mama Spock und Sohnemann McCoy.

Kreativ ausgetobt für 35 Millionen Dollar

Zu einer großen Space Opera gehört ein zünftiger 2001-Moment - den hat The Motion Picture beim Einflug ins Herz der Finsternis, ins Herz V'gers. Ein geradezu verschwenderischer Umgang mit Filmzeit. Es passiert wenig, aber Trumbull, Yuricich und Dykstra können sich kreativ austoben - bei den SFX haben sie den großen Geldbeutel aufgemacht. Zu einer Oper gehört natürlich auch eine Ouvertüre - drei Minuten bleibt die Leinwand schwarz, zu hören sind die Star-Trek-Fanfaren vom Notenblatt Jerry Goldsmiths. Daran anschließend nutzt Robert Wise die Gelegenheit, gleich mal drei Klingonen-Schiffe zu zerstören. Das Signal ist klar: Hier gibt es keine Schlachten, hier gibt es Epos - mindestens sowas wie 2001 - Revisited!

Neu war das Konzept des Filmplots nicht; man hatte dieselbe Idee bereits in der Raumschiff-Enterprise-Folge „Ich heiße Nomad” (1967) verarbeitet.

„Star Trek - The Motion Picture” ist ein großartiger Reboot der Serie für die große Leinwand, aber alles in allem waren die eingefleischten Fans da ganz anderer Meinung. Die Neugier war groß, deshalb spülte der Film allein in den USA mehr als 82 Millionen Dollar in die Kinokassen; aber all das Großartige an diesem Film war den Fans fremd, ihnen fehlte das Menschelnde, das die Serie ihrer Meinung nach ausmachte. Sie vermissten den naiven Charme der TV-Folgen, der dem neuen Look zum Opfer gefallen war.
Die Folge dieses Unmutes war drei Jahre später zu erleben: In „Star Trek II: Der Zorn des Khan” krächzten Schießereien zwischen Pappmachéfelsen mit TV-Anmutung.

Wertung: 8 von 9 D-Mark