Kinoplakat: Star Trek - Das unentdeckte Land
Dem unentdeckten Land wohnt eine
Melancholie des Abschieds inne
Titel Star Trek VI - Das unentdeckte Land
(Star Trek VI - The undiscovered Country)
Drehbuch Leonard Nimoy + Lawrence Konner + Mark Rosenthal + Nicholas Meyer
nach Motiven von Gene Roddenberry
Regie Leonard Nimoy, USA 1984
Darsteller William Shatner, Leonard Nimoy, DeForest Kelley, James Doohan, Walter Koenig, Nichelle Nichols, George Takei, Christopher Plummer, Kim Cattrall, Mark Lenard, David Warner, Michael DornGrace Lee Whitney, Brock Peters, Leon Russom, Kurtwood Smith, Rosanna DeSoto u.a.
Genre Science Fiction
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
5. März 1992
Website startrek.com
Inhalt

Über Kronos, dem zentralen Planeten des klingonischen Reiches, explodiert der Mond Praxis. Dem Reich der Klingonen geht die Lebensgrundlage aus. Letzte Rettung sind sofortige Friedensverhandlungen mit den Erzfeinden der Föderation.

Captain Kirk und die Crew der Enterprise sollen dem Kanzler der Klingonen Geleitschutz zu den Friedensgesprächen geben. Ausgerechnet Kirk, der die Klingonen seit jeher hasst und ihnen, nachdem sie Kirks Sohn ermordet hatten, ewige Rache geschworen hatte.

Ein erstes Treffen mit dem friedenswilligen Feind an Bord der Enterprise verläuft steif, bei geistvollen Gesprächen zitiert man Shakespeare und giftet sich ein wenig an.

Wenige Stunden später wird die Kanzlerfähre beschossen, der Kanzler der Klingonen stirbt und Kirk wird zur Verantwortung gezogen. Von einem hohen klingonischen Gericht wird er auf einen Gefängnisplaneten verbannt. Lebenslänglich. Überlebenschance dort: Null.

Spock, an Bord der Enterprise, muss Kirk da rausholen und dessen Unschuld beweisen. Nicht einfach: An Bord der Enterprise befinden sich Verräter …

Was zu sagen wäre

Abschied liegt in der Luft, es herrscht eine Atmosphäre der Veränderung. Der Erzfeind der Föderation, die Klingonen, gibt klein bei. Mr. Spock will sich in die Sphären der Diplomatie verabschieden. Kirk und McCoy sehen ihrer Pensionierung in drei Monaten entgegen. Captain Sulu ist nicht länger Steuermann der Enterprise, er sitzt auf dem Stuhl des Captains der U.S.S. Excelsior, jenem Flagschiff der Föderation, das Auf der Suche nach Mr. Spock noch gerade für ein paar gönnerhafte Schmunzler gut war … Wendezeit im 23. Jahrhundert. Und was für eine großartig erzählte!

Nach dem Totalausfall zwei Jahre zuvor haben sich Studio und Produzenten besonnen und wieder Kino gemacht, mit Nicholas Meyer einen Veteranen der Kinoserie zurückgeholt, der nach dem esoterischen 2001-Ableger Star Trek - The Motion Picture (1979) mit Der Zorn des Khan die Fans durch Kleinkunstdramaturgie und Pappmaché-Kulissen mit der Kino-Enterprise versöhnt hatte. Im vorliegenden Fall braucht Meyer kein Pappmaché mehr, noch dazu spielte ihm die internationale Politik in die Hände, um im besten Gene-Roddenberry-Sinne eine Geschichte über die Versöhnung von Erzfeinden mit Humor und Liebe zum Detail zu erzählen.

Shakespeare als gemeinsame Basis

Der Kalte Krieg zwischen den USA und der nicht mehr existenten UdSSR war vorbei, die Entspannung zwischen den Erzfeinden übertrug sich auf die Leinwand. Das unentdeckte Land (gemeint ist die ungekannte Möglichkeit einer friedlichen Ko-Existenz beider Völker) geriet zu einem bestechend schnellen, klug erzählten, amüsanten Abenteuerfilm jenseits unserer Galaxien. Die zentrale Szene dieses neben den Teilen Eins und Vier besten Films der bisherien Serie ist das gemeinsame Welcome-Dinner der Erzfeinde an Bord der Enterprise. Wie die Igel beim Liebesakt tasten sich beide Seiten ganz vorsichtig aneinander heran, stolpern über Worte, die Streit auslösen können - „Schon dieses Wort … 'Menschenrechte' ... ist eine rassistische Beleidigung jeder anderen Rasse im Universum!” - und finden in Shakespeare eine gemeinsame Basis.

„Ein Toast auf das Unentdeckte Land ... Die Zukunft!”, sagt der klingonische Kanzler, den irritierenderweise schon wieder David Warner spielt, der im vorherigen Teil noch der Konsul der Föderation auf Nimbus III war.
„Ah”, erwidert Spock, der Vulkanier, „Hamlet, dritter Akt, erster Aufzug.” Darauf erhebt der Kanzler sein Glas und sagt: „Sie werden Shakespeare erst wirklich genießen, wenn Sie ihn im klingonischen Original lesen!” und General Chang, oberster Militär der Klingonen, erhgänzt, „Pah Paa Pah Pää!” … wahrscheinlich aus Hamlet. Diese Szenen und der daraufhin unermüdlich bis zu seinem Tod Shakespeare rezitierende Chang motivierten die Gelehrten unter den Star-Trek-Fans, Shakespeare ins Klingonische zu übersetzen. Die Aufgabe übernahm das 1992 gegründete Klingon Language Institute. Dies ist gelungen für „Viel Lärm um nichts” (kling. paghmo' tIn mIS) und „Hamlet, Prinz von Dänemark” (kling. Qo'noS ta'puq, Hamlet lotlut). Auch einige Sonette Shakespeares wurden übersetzt.

Morphing ist der letzte Schrei

Seit Michael Jacksons Musikvideo zu seinem Hit Thriller waren in der Bewegtbild-Industrie Morphing-Effekte der letzte Schrei - ein Mensch verwandelt sich vor laufender Kamera in einen Panther. Das wollte Nicholas Meyer auch für seinen Science Fiction Film. Also castete er das Model Iman als undurchsichtige Chamäleonitin Martia auf dem Gefängnisplaneten Rura Penthe. Die Schöne wandelte sich in etwas hässlich Großes, in ein verschmutztes kleines blondes Mädchen, das ein wenig an die kleine Rebecca „Newt” aus James Camerons „Aliens - Die Rückkehr” (1986) erinnert und in James T. Kirk. Mehr Verwandlungseffekte gab das Budget nicht her. Aber da die Chamäleonitin auch jeder anderen, nicht gestaltwandlerischen Rasse hätte angehören können, weil der Effekt für die Story abseits der hübschen SFX überhaupt keine Rolle spielte, waren mehr Effekte auch gar nicht nötig.

„Das unentdeckte Land” liefert eine komplexe Story. Spannend. Witzig und mit vielen Überraschungen. In seiner Abschiedsvorstellung ist das Team komplett aufeinander eingespielt, hat aus den indivduellen Fehlern von einst gelernt: Krk unterwirft sich der Geduld strategischer Planung, Spock improvisiert mit viel Phantasie, Bones findet Spocks Ideen „faszinierend” … die Manchaft funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk.

Und Christopher Plummer als ununterbrochen Shakespeare rezitierender Klingonen-General Chang ist ganz großes Tennis. Und am Ende … fliegt die Enterprise – „Hinter dem zweiten Stern links und dann bis zum Morgengrauen” - Peter-Pan-gleich in die Unendlichen Weiten.

Ein schöner Abschied ..!

Wertung: 10 von 10 D-Mark