Kinoplakat: Stand by me - Das Geheimnis eines Sommers
Die erste adäquate
Stephen-King-Adaption
Titel Stand by me - Das Geheimnis eines Sommers
(Stand by me)
Drehbuch Raynold Gideon + Bruce A. Evans
nach der Novelle "Die Leiche" von Stephen King
Regie Rob Reiner, 1986
Darsteller Wil Wheaton, River Phoenix, Corey Feldman, Jerry O'Connell, Richard Dreyfuss, Kiefer Sutherland, John Cusack, Casey Siemaszko, Gary Riley, Bradley Gregg, Jason Oliver, Marshall Bell, Lee McCain, Bruce Kirby, William Bronder, Scott Beach, Madeleine Swift, Geanette Bobst, Art Burke, Matt Williams, Andy Lindberg, Dick Durock, O.B. Babbs, Charlie Owens, Kenneth Hodges u.a.
Genre Drama, Abenteuer
Filmlänge 89 Minuten
Deutschlandstart
26. Februar 1987
Inhalt

Sommer in Castle Rock, Main: Schon seit Tagen verfolgen Gordi, Chris, Teddy und Vern von ihrem Baumhaus aus die Radiomeldungen über einen Jungen, der vom Blaubeerenpflücken nicht zurück gekommen ist. Da überrascht Vern mit der Neuigkeit, der Junge sei wohl vom Zug überfahren worden und liege - noch unentdeckt - im Gebüsch nahe der Gleise.

Die vier Jungen haben Sommerferien und Bock auf Abenteuer. Sie packen ihre Rucksäcke und ziehen los, die Leiche zu suchen und „berühmt zu werden”.

Was sie finden, ist nicht nur die Leiche …

Was zu sagen wäre

Regisseur Rob Reiner legt mit „Stand by me“ die erste richtig gute Verfilmung einer Stephen-King-Story vor. Zuvor hatten die Verfilmungen Carrie und „Shining“ für Furore gesorgt, die aber beide weit weg von der literarischen Vorlage blieben. Brian de Palmas Version von Carrie schnitt gar das wichtge Ende ab und klebte ein Hollywood-kompatibles an.

Die Rückkehr der Kindheit in diesem einen Sommer

In „Stand by me“ versammelt Reiner einen wunderbaren Cast mit den Jungstars Wil Wheaton, River Phoenix (Explorers – 1985) und Corey Feldman (Die Goonies – 1985), die auf ihrer langen Suche nach der Leiche leidenschaftliche Debatten über die Frage führen, wer in einem Kampf Superman gegen Mighty Mouse wohl gewinnen würde (s.u.) und die Frage erörtern, was wohl das richtige Mahl wäre, wenn es Dein letztes wäre. Neben den sonnensatten Farben der Bilder aus Thomas Del Ruths Kamera, die mich ohne Zwischenstation in meine eigene Kindheit katapultieren sind die Dialoge in Reiners Film – und das Spiel der Jungen dazu – herausragend. Kiefer Sutherland, der einen der School-Bullies gibt, ist ordnungsgemäß bedrohlich und Richard Dreyfuss als erwachsener Gordie, der das Abenteuer aus dem Off kommentiert, ist eine notwendige Idee. Wenn man Reiners Film einen Fehler andichten will, dann den, das Stephen Kings Story eine perfekte Erzählung in Schriftform ist und dieser Film zeigt, dass man sie ganz streng genommen nicht verfilmen kann; denn in der perfekten Version benötigt ein Film keinen Off-Erzähler. dieser braucht ihn. Und er stört nicht. Und dass Reiner sein Regiehandwerk beherrscht, zeigt exemplarisch die Szene mit dem Zug auf der Brücke über den Fluss.

Die vier Jungs folgen den Gleisen und kommen an eine Brücke, die die Gleise über ein 100 Meter tiefes Tal führt. Sie wissen nicht, ob und wann der nächste Zug kommt. Sie haben die Wahl, einen zehn Kilometer weiten Umweg zu laufen, oder zehn Minuten über diese Brücke – mit dem Risiko, dass ein Zug kommen könnte, dem auszuweichen auf der Brücke kein Platz ist. Reiner zeigt diese Brücke zunächst aus der Perspektive der Jungs. Das sieht alles machbar aus; von welcher Seite da ein Zug auch kommen mag, das kann man per Laufen erledigen. Dann zeigt er uns die Brücke vom Tal aus. Oben links erscheinen klein die Jungs – plötzlich wirkt die Brücke doppelt so lang. Dann schneidet er close auf die vorsichtigen Schritte von Vern von Planke zu Planke, die deutlich machen, wie vorsichtig man seine Schritte setzen muss, dass an Lauen im Fall der Fälle gar nicht zu denken wäre. Dann fasst Gordie an die Schiene, spürt etwas, sieht den Rauch des nahenden Zuges und Schreit „TRAAAAAAAAIIIIIIIIIIIINNNNN!!“ Die Szene hat keine Musik. Rob Reiner hält die Spannung durch gute Jungschauspieler, durch dramatische, lange Brennweiten (Teleobjektiv) und den Schnitt, der von Einstellung zu Einstellung das Tempo anzieht. Bei so einer Regie stört auch kein Off-Kommentar. Und dann ist da ja auch noch diese Szene mit dem Reh. Gordie sitzt am frühen Morgen auf dem Gleisen, blättert in einem Kriminalmagazin und plötzlich kommt das Reh aus den Büschen. Keine Musik. Unter allen Magic Moments des Kinos ist dies einer der magischsten.

Keiner der vier Jungs steht im Vordergrund. Gerade glaubt man, X sei die eigentliche Hauptperson, da macht sie sich komplett lächerlich und ein anderer der Vier übernimmt die Hauptrolle – für fünf Minuten. Der Erzähler aus dem Off ist Gordie, somit ist er die genuine Hauptfigur. Aber als die Blutegel kommen, hat er auch die größte Prüfung zu bestehen. Noch so eine bezaubernde Szene.

Der von der internationalen Kritik gefeierte Überraschungserfolg „Stand by me“ (weit über 50 Millionen Dollar Einspielergebnis allein in den USA) wurde im Sommer 1985 in Brownsville, Oregon, und im Mount Shasta in Kalifornien gedreht. Die literarische Vorlage, „Die Leiche“, ist in Deutschland in der Novellensammlung „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“ zu finden, in der auch die Novelle „Pin Up“ enthalten ist, die als „Shawshank Redemption - Die Verurteilten“ mit Tim Robbins und Morgan Freeman in die Kinos kam.

Der Mann, der Die Braut des Prinzen schuf

Rob Reiner, Sohn von Regisseur Carl Reiner („Tote tragen keine Karos“, „Solo für Zwei“) studierte Film an der University of California in Los Angeles. Sein in den USA sehr erfolgreicher Film Sure Thing (1985) ging bei uns als „Der Volltreffer“ mit John Cusack leider unter. Sein „This is Spinal Tap“, ein satirischer Blick auf die Rock-Szene, kam gar nicht erst in die deutschen Kinos. Danach drehte er Die Braut des Prinzen nach einem Drehbuch von William Goldman, der in diesem Fall seinen eigenen Roman adaptiert hatte. Reiners Durchbruch kam dann 1989 mit Harry und Sally.

River Phoenix starb an einem Drogencocktail in seiner Lieblingsdisco. Seine Kindheit verbrachte er in Mittel- und Südamerika, wo seine Eltern als Missionare arbeiteten. Nach mehreren Fernsehfilmen und TV-Serien bekam er seine erste Filmrolle in Joe Dantes Explorers. In "Mosquito Coast“ von Peter Weir spielte er Harrison Fords älteren Sohn.

Richard Dreyfuss (American Graffiti, Oscar 1977 für „Der Untermieter“) war in einigen der erfolgreichsten Filme aller Zeiten zu sehen, so in Der weiße Hai und Unheimliche Begegnung der dritten Art.

Wertung: 10 von 10 D-Mark