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Kinoplakat: Staatsanwälte küsst man nicht
Drei Schauspieler
in Höchstform
Titel Staatsanwälte küsst man nicht
(Legal Eagles)
Drehbuch Ivan Reitman + Jim Cash + Jack Epps Jr.
Regie Ivan Reitman, USA 1986
Darsteller

Robert Redford, Debra Winger, Daryl Hannah, Brian Dennehy, Terence Stamp, Steven Hill, David Clennon, John McMartin, Jennifer Dundas, Roscoe Lee Browne, Christine Baranski, Sara Botsford, David Hart, James Hurdle, Gary Howard Klar u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 1986 Minuten
Deutschlandstart
2. Oktober 1986
Inhalt

Staatsanwalt Tom Logan sieht sich bei seinem neuen Fall zwei Frauen gegenüber, die ihn um ein Haar beruflich und privat ruinieren. Es geht dabei um einen heißen Fall: Die blonde, aufreizende Chelsea Deardon soll angeblich Gemälde ihres in einem Feuer ums Leben gekommenen Vaters gestohlen haben. Chelsea behauptet, es handelt sich um eines der Werke ihres Vaters, das im selben Brand zerstört worden sein sollte, in dem Sebastian Deardon umgekommen ist. Als der Galerist Victor tot aufgefunden wird, ist Chelsea die Hauptverdächtige.

Verhaftet wird sie im Bett des Staatsanwaltes, der den Reizen der Blondine erlegen ist, obwohl er sich eigentlich gerade in seine Kollegin Laura verliebt. Die verschwundenen Gemälde interessieren auch den vermeintlichen Polizisten Cavanaugh, der Kelly vertrauliche Unterlagen zukommen lässt.

Es erweist sich, dass Cavanaugh nicht bei der New Yorker Polizei angestellt ist …

Was zu sagen wäre

Eigentlich kann so ein Film gar nicht funktionieren: eine komplizierte Kunstraub-Geschichte, zwei Zeitebenen, elitäre Künstler-Schwätzer und dann eingebettet in das Format einer Screwball Comedy, die es seit den ausgehenden 1950er Jahren gar nicht mehr gibt.

Der Film funktioniert; sehr gut sogar. Es ist ein Krimi in der mondänen Welt der New Yorker Kunstszene mit schöner Kunst und schönen Schauspielern, die viel Spaß an ihrer Arbeit für diesen Film haben. Für den komplizierten Kunstraub auf zwei Zeitebenen findet Ivan Reitman klare, den Zuschauer führende Bilder. Robert Redford, Debra Winger und Daryl Hannah ergänzen sich prächtig und spielen sich bei ihren Wortgefechten elegant die Bälle zu. Winger („Zeit der Zärtlichkeit“ – 1983; „Ein Offizier und Gentleman“ – 1982; „Urban Cowboy“ – 1980) und der 19 Jahre ältere Redford geben ein überraschend leichtfüßiges, gut aufeinander abgestimmtes Leinwandpaar, das sich traditionell erst anfaucht, dann sich gegenseitig rettet und dann in den Armen liegt. Redford macht es offensichtlich Spaß, sein Image als viriler Romantiker ein wenig zu karikieren.

Es gibt zwei Szenen, die das unterstreichen. Einmal hat Logan, der als in alltäglichen Dingen als leicht schusslig eingeführt ist, seine Autoschlüssel stecken lassen. Die dadurch notwendigen Autoknack-Szene sprüht vor erotischer Doppeldeutigkeit. Dann gibt es Logans Eröffnungsplädoyer zur Chelsea-Deardon-Anklage – große Rhetorik, große Blicke voller Liebe. Ja! Es ist ein Film aus Männerperspektive. Das mag man ihm ankreiden (ich tue das nicht). Wenn ich es überdenke, dann ist der ganze Film voll von Szenen, die ich mir gerne ansehe, weil das Spiel der Protagonisten sympathisch und überzeugend ist. Selbst, wenn die Story bisweilen aus dem Ruder läuft – die Protagonisten halten sie in der Spur.

Daryl Hannah („Ayla und der Clan des Bären“ – 1986; Splash: Jungfrau am Haken – 1984; Blade Runner – 1982; Teufelskreis Alpha – 1978) als um ihr Erbe betrogene Chelsea ist auch hier wieder vor allem zu schön um wahr zu sein. Ihre limitierte Schauspielkunst überspielt Ivan Reitman, der schon den Marshmellow Man zum Stadtbummel animiert hat, mit eleganten Outfits, die Hannahs große Leinwandpräsenz unterstreichen. Wie man schön aussieht, hat sie gelernt. Einen schönen Auftritt hat Brian Dennehy in einer Brian-Dennehy-Rolle (F/X - Tödliche Tricks – 1986; „Silverado“ – 1985; Cocoon – 1985; „Gorky Park“ – 1983; Rambo – 1982). Er spielt Cavenaugh, den Polizisten. Dennehy spielt (fast) immer Polizisten, er ist darin so erfahren, dass er sich in seinem Spiel zwangsläufig selbst zitiert. Ich mag den Typen, er ist präsent, knarzig und nie so ganz zu fassen.

Wenn die Screwball Comedy seit 30 Jahren ausgestorben ist, dann kann man für diesen Film ruhig mal ein altertümliches Adjektiv verwenden: Eine schwungvolle Komödie, deren Soundtrack (Titelsong: „Love Touch“ von Rod Stewart) ebenso ins Ohr geht wie die wunderbaren Dialoge.

Wertung: 10 von 10 D-Mark
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