Kinoplakat: St. Pauli Nacht
Ein schwächelnder Ensemble-Film und
Lauterbach hat da „keinen Bock auf”
Titel St. Pauli Nacht
Drehbuch Frank Göhre
nach seinem eigenen Roman
Regie Sönke Wortmann, Deutschland 1999
Darsteller

Benno Fürmann, Oliver Stokowski, Maruschka Detmers, Armin Rohde, Timo Rathjens, Florian Lukas, Ill-Young Kim, Axel Milberg, Christian Redl, Doreen Jacobi, Kathleen Gallego Zapata, Heiner Lauterbach u.a.

Genre Drama
Filmlänge 95 Minuten
Deutschlandstart
2. September 1999
Inhalt

Der Hamburger Kiezganove Johnny erlebt seinen ersten Tag in Freiheit seit einem Aufenthalt im Gefängnis. Durch einen Anruf wird er abends auf die Reeperbahn gelockt und setzt damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die zunächst nichts miteinander zu tun haben:

Teaserplakat: St. Pauli Nacht

- Die junge Bankangestellte Steffi und der Ex-Knacki Johnny lieben sich – doch als Johnny versucht, solide zu werden, steht er vor einem großen Problem.

- Taxifahrer Rasta Robby hat schon Menschen jeden Schlags gefahren, doch die letzte Fahrt in dieser Nacht beschert ihm eine Überraschung.

- Postbote Manfred wird aus Verzweiflung zum Amokläufer.

- Ulrike und Peter befreien sich radikal aus ihrer lähmenden Ehe.

- Die Crashkids Timo und Erik stellen sich Fragen über Sex und Geschlechter, deren Antworten wir schon immer wissen wollten.

- Sven, ein Informant für Polizei und Milieu, fällt bei einem Dachstuhlbrand nicht nur in das Sprungtuch der Feuerwehr, sondern vielleicht in ein neues Leben.

- Kiezgröße Brilli hat ein Geheimnis, das nur Varieté-Star Roberta kennt.

- Und Grafikerin Dorit findet im Großstadtdschungel überraschend in einem wortkargen Friesen die große Liebe …

Was zu sagen wäre

Eine Nacht in St. Pauli, die das Leben einer Handvoll Menschen auf Dauer verändern wird. In mehreren miteinander verketteten Episoden erzählt der Film den vergangenen Tag aus der Perspektive verschiedener beteiligter Personen zwischen Sonnenuntergang und Morgendämmerung, in denen Lieben entflammen, Illusionen geraubt, Menschen ermutigt, geliebt und auch verlassen werden.

Das Schöne an diesen spätestens mit Robert Altmans Short Cuts (USA 1993) „The Player” (USA 1992) wieder schwer in in Mode gekommenen Episodenfilmen ist, dass der Regisseur nicht den einen Spannungsbogen des Gesamtfilms aufrecht erhalten muss und wenn er Pech hat, schaltet der Zuschauer dann gelangweilt ab; der Episodenfilm bietet viele Geschichten und viele kleine spannungsbögen, von denen einer ruhig mal ein Ausfall sein kann. Gleichzeitig erhöht die episodische Struktur automatisch das Tempo. Hier kommt noch hinzu, dass die Geschichten nicht chronologisch erzählt werden; darin erinnert Sönke Wortmanns (Der Campus – 1998; „Das Superweib“ – 1996; „Der bewegte Mann“ – 1994; „Mr. Bluesman“ – 1993; Kleine Haie – 1992; „Allein unter Frauen“ – 1991) variantenreiches Drama an Pulp Fiction (USA 1994).

Benno Fürmann steht auf der Besetzungsliste ganz oben. Er spielt den Knacki Johnny und fesselt mit seinen stahlblauen Wasseraugen, bleibt in seinem Spiel aber limitiert. Armin Rohde (Lola rennt – 1998; „Das Leben ist eine Baustelle“ – 1997; Rossini, oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief – 1997; „Der bewegte Mann“ – 1994; Kleine Haie – 1992) als Amok laufender Postbote darf einmal mehr einfach zu des Menschen Wolf werden und Heiner Lauterbach (Der Campus – 1998; „Das Superweib“ – 1996; „Charlie & Louise - Das doppelte Lottchen” – 1994; „Paradies“ – 1986; „Männer“ – 1985) hat den schönsten Monolog des Film – auf der Rückbank eines Taxis sinniert er über die moderne Gesellschaft zwischen Fitnessstudios, Gesundheitswahn und Damenbinden … „Alle reden nur Scheiße! Scheiße, Scheiße, Scheiße! Hab ich doch keinen Bock auf” (siehe nebenstehenden Clip). Wunderbar – und ein einsamer Höhepunkt im schwächelnden Ensemble.

Wertung: 7 von 11 D-Mark