Kinoplakat: St. Elmo‘s Fire – Die Leidenschaft brennt tief
Jugend in den Achzigern:
Orientierungslos nach vorne
Titel St. Elmo's Fire – Die Leidenschaft brennt tief
(St. Elmo's Fire)
Drehbuch Joel Schumacher + Carl Kurlander
Regie Joel Schumacher, USA 1985
Darsteller
Emilio Estevez, Rob Lowe, Andrew McCarthy, Demi Moore, Judd Nelson, Ally Sheedy, Mare Winningham, Martin Balsam, Andie MacDowell, Joyce Van Patten, Jenny Wright, Blake Clark, Jon Cutler, Matthew Laurance, Gina Hecht u.a.
Genre Drama
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
17. April 1986
Inhalt

St. Elmo’s Fire erzählt die Geschichte von sieben Jugendlichen, die nach ihrem Schulabschluss in das Berufsleben eintreten und versuchen, ihre eigene Identität zu finden.

Kinoplakat (US): St. Elmo‘s FireErzählt wird die Geschichte episodenartig.

  • Billy träumt von einer Karriere als Musiker, verfällt aber dem Alkohol.
  • Die kokainabhängige Jules schläft mit ihrem Chef, um in der Bank die Karriereleiter hoch zu klettern.
  • Sozialarbeiterin Wendy kommt nicht von den Eltern los und ist in Billy verliebt.
  • Jurastudent Kirby, der nebenbei kellnert, verliebt sich in die angehende Ärztin Dale.
  • Yuppie Alec arbeitet für einen republikanischen Senator und will Architekturstudentin Leslie heiraten.
  • Kevin, der Träumer der Truppe, will Schriftsteller werden.
Was zu sagen wäre

Die Schule ist vorbei. In dieser – inoffiziellen – Fortsetzung des Breakfast Club (1985) steht der Ernst des Lebens in der Tür, hat aber noch nicht begonnen. „Liebe wurde von Menschen erfunden, die hofften, mit 20 noch nicht vom Dinosaurier gefressen zu sein.“, sagt Kevin, der seit High-School-Tagen in Leslie verliebt ist, ihr das aber nie gesagt hat, auch die letztendliche Notwendigkeit dazu nie gespürt hat – das Leben ist lang und der Ernst hat ja noch nicht begonnen – we have all the time in the world.

„Das ist Fortschritt“, erklärt Jules ihr Verhältnis mit ihrem Chef. „Ich treib‘s mit ihm noch ‘n paar Jahre, übernehme seinen Job, wenn er seinen Laden beschissen hat, werde zur Legende, laufe Reklame für schwarze Nerze, werde in einen Sexkandal verwickelt und, falle gewaltig in Ungnade, schreibe einen Bestseller und werde ein berühmter Gast in meiner eigenen Talkshow!“ Demi Moore fast die Träume der Jugend der 80er Jahre gut zusamen, gefangen zwischen elterlichem Erwartungsdruck, dem eingeredeten Zwang zur Selbstverwirklichung und dem medialen Overkill.

Joel Schumachers Film ist das Portrait der Zwischenzeit, in der Du die fremdbestimmte Schulzeit noch nicht aus den Knochen, die Schönheit der freien Entfaltung noch nicht verinnerlicht haben. Dazu holt er sich lauter Archetypen vor die Kamera.

Videocover (US): St. Elmo‘s Fire

Da ist der Karrierist Alec, der als Demokrat angefangen hat und zu den Republikanern wechselt, weil das für seine Karriere opportun erscheint. Er glaubt, alles ist vorherbestimmt, er hält sich für den Größten und die Wünsche seiner Freundin Leslie für übergehbar; bis die Beziehung platzt. Nutznießer – ausgerechnet – ist Kevin, der Träumer, Zyniker, der in seinem Leben nur ein Mädchen geliebt hat und dieses landet plötzlich, unvorherbestimmt, in seinem Bett. Dann ist da Kirby, der sein Jurastudium begonnen hat, weil er das für die richtige Wahl hält, um zu Geld zu kommen und weil das ja auch irgendwie was mit Hilfe-am-Menschen zu tun hat. Wenigstens Billy, der Musiker, hatte nie einen anderen Traum, als sein Saxofon – ausgrechnet er ist viel zu früh Vater geworden; und die Frau, die in ihn verliebt ist, Wendy, die biedere Tochter aus gutem Hause, kämpft für ihren Traumjob in der Sozialstation.

Es sind die Jungs, deren Leben hier erzählt wird. Die Mädchen sind Junkies (Jules), unselbständig (Wendy) oder wehrlos (Leslie). Und es zeigt sich, dass es am Ende die Mädchen sind, die den Jungs den rechten Weg weisen, ihren Wünschen und Vorstellungen den Kopf zurechtrücken.

„St. Elmo‘s Fire“ ist das dramatisierte Portrait einer Jugend, der die Orientierung verschütt gegangen ist. Schumachers Archetypen haben gelernt, dass es okay ist, eigene Wünsche und Vorstellungen zu haben, dass es erlaubt ist, nicht den Vorstellungen der Eltern zu entsprechen („Du kannst Deinen Job doch behalten, bis Du schwanger bist.“). Aber sie haben keine Wünsche, oder gerade wenig mehr als eine sehr diffuse Vorstellung ihrer Wünsche, überhaupt keine Vorstellung, wie sie die als saturierte Kinder reicher Eltern eigentlich erkämpfen, erarbeiten, erreichen sollen und dazu Eltern, deren Vorstellung darin gipfelt, der spross steige in die Familienfirma ein und heirate den erfolgreichen Fillialleiter. Die Eltern in diesem Film sind wahlweise ein Vater, der die Tochter im Stich lässt, weil die Stiefmutter im Koma liegt oder der liebe, reiche Sugardaddy, der so herzensgut ist, dass er – hilflos – seiner Tochter kein Vorbild sein kann. „Tja, weißt Du. Die Ewigkeit ist auf einmal viel kürzer geworden.“ „Ich hätte nie gedacht, dass ich mit 22 schon so müde bin.“

Angereichert is dieser Ensemblefilm mit den Stars der Saison – Emilio Estevez („Die Outsider“ – 1983), Demi Moore („Eine starke Nummer“ – 1984), Rob Lowe („Class - Vom Klassenzimmer zur Klassefrau“ – 1983), Andrew McCarthy („Die Himmelsstürmer – 1985), Judd Nelson (Breakfast Club – 1985), Ally Sheedy (Breakfast Club – 1985; „War Games – Kriegsspiele“ – 1983) – krachendem Soundtrack, Neonbars und schnellen Schnitten. Der Film hat das Zeug zum Klassiker seiner Ära.

Wertung: 8 von 10 D-Mark