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Kinoplakat: Spurwechsel
Großes Schauspielerkino
mit glänzenden Dialogen
Titel Spurwechsel
(Changing Lanes)
Drehbuch Chap Taylor + Michael Tolkin
Regie Roger Michell, USA 2002
Darsteller Ben Affleck, Samuel L. Jackson, Toni Collette, Sydney Pollack, William Hurt, Amanda Peet, Richard Jenkins, Kim Staunton, Jennifer Dundas, Matt Malloy, Tina Sloan, Akil Walker, Cole Hawkins, Ileen Getz, Myra Lucretia Taylor, Bruce Altman, John Benjamin Hickey, Dylan Baker u.a.
Genre Drama
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
7. November 2002
Inhalt
Es ist Freitag, und eigentlich waren sie beide auf dem Weg ins Gericht: Gavin Banek, ein Yuppie-Wallstreet-Anwalt mit Ambitionen, dem eine hochbrisante Akte Zugriff auf ein millionenschweres Erbe bringen könnte. Und der alkoholkranke Vertreter Doyle Gipson, der wegen privater Zores beim Familienrichter vorsprechen soll. Doch an diesem Tag ist es für alles zu spät.

Auf einem New Yorker Highway prallen die Wagen der beiden - und Welten - aufeinander. Zwar haben ihre Autos nur Blechschäden, doch ihre Leben tragen tiefe Blessuren davon. Banek verliert am Unfallort das millionenschwere Dokument und Gipson, den er einfach stehen lässt, 20 Minuten, die er zu spät zum Scheidungsprozess kommt.

Banek muss das Dokument bis 17.00 Uhr bei Gericht abgeliefert haben. Und Gipson könnte es ihm geben, denn er hat es am Unfallort an sich genommen. Aber warum sollte Gipson das tun? Kann denn Banek ihm die verlorenen, alles entscheidenden 20 Minuten zurück geben?

Im Laufe des kürzer werdenden Tages wird Banek Gipson seine Existenz ruinieren und Gipson die Muttern an Baneks Mercedes-Reifen lösen.

Aber der Tag ist ja noch nicht zu Ende …
Was zu sagen wäre

Die beste Szene in diesem an guten Szenen reichen Film liefert Amanda Peet als Ehefrau von Ben Afflecks Gavin Banek. Sie trifft sich mit ihm zum Lunch, um ihm über mehrere Drehbuchseiten ihre Liebe zu gestehen, ihre unbedingte Treue und dass Mutter ihr großes Vorbild sei, die 20 Jahre damit hätte leben können, dass ihr Mann - Dad - eine Freundin hatte.

Und ach, diese Szene entwickelt sich romantisch, lässt ahnen, dass Baneks Frau zu ihm steht, wo der doch schon an seinem eiskalten Tun zweifelt und die ganze Geschichte mit der verlorenen Akte, die höchst kriminelle Machenschaften der Kanzlei seines Schwiegervaters offenbaren würde, auffliegen lassen möchte. Und dann dreht sich der Dialog langsam und die nette, sympathische, liebevolle Ehefrau erweist sich als hinterlistiges Biest, das genau weiß, was es will, und wie sie es bekommt. „Weißt Du, ich hätte auch einen Literaturprofessor heiraten können. Aber ich wollte einen Wall Street Anwalt!”

Großartige Szene! Alle, die mal einen exzellent geschriebenen Dialog sehen wollen: In dieser Szene ist er.

Der Film entwickelt sich schnell und entfaltet Sogwirkung. Sogar Affleck (Daredevil, USA 2003) schafft es, nicht zu stören und statt dessen verstört zu wirken. Samuel L. Jackson (Stirb Langsam - Jetzt erst recht, USA 1995; Shaft, USA 2000), der den trockenen Alkoholiker gibt, liefert wieder mal eine große Nummer ab. In einer Szene sitzt er vor einem Glas Bourbon und die Legende behauptet, dass Jackson, der ebenfalls ein trockener Alkoholiker ist, aus Versehen ein echter Bourbon vor die Nase gesetzt wurde - es wundert nicht, dass er in dieser Szene brillant ist.

Eine Story, die weh tut, so gut ist sie erzählt. Das Happy-End stört da nur insofern, als dass ein so boshafter Film eigentlich boshaft ausgehen muss und sich die Autoren aber heraus reden, sie hätten eine Geschichte über Moral machen wollen.

Na gut …

Wertung: 6 von 6 €uro
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