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Kinoplakat: Spieglein, Spieglein
Eine schöne neue Version
des klassischen Märchens
Titel Spieglein, Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen
(Mirror, Mirror)
Drehbuch Marc Klein + Jason Keller + Melisa Wallack
nach den Märchengeschichten der Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm
Regie Tarsem Singh, USA 2012
Darsteller Julia Roberts, Lily Collins, Armie Hammer, Nathan Lane, Jordan Prentice, Mark Povinelli, Joe Gnoffo, Danny Woodburn, Sebastian Saraceno, Martin Klebba, Ronald Lee Clark, Robert Emms, Mare Winningham, Michael Lerner u.a.
Genre Märchen
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
5. April 2012
Inhalt

In einem Königreich wird eine Prinzessin geboren und, weil sie eine so makellos weiße Haut hat, auf den Namen Schneewittchen getauft. Kurz nach ihrer Geburt stirbt ihre Mutter. Die Bevölkerung, der es unter seiner Regierung wohl ergeht, liebt den König.

Als Schneewittchen herangewachsen ist, heiratet der König eine neue Frau, Clementianna, die die schönste Frau der Welt sein will, und des Königs Herz durch einen Liebestrank erobern konnte. Mit einer Halbmondkette schafft sie es, den König zu verhexen. Daraufhin verschwindet er in den naheliegenden Wald, wird von nun an nicht mehr gesehen und lässt sein Königreich zurück.

Weg gesperrt in ein Turmzimmer wächst Schnewittchen zu einer schönen jungen Frau heran und an ihrem 18. Geburtstag – während die böse Stiefmama und Königin abgelenkt ist mit gesellschaftlichem Spiel bei Hofe, schlüpft Schneewittchen durch die Tür und kommt erstmals nach vielen Jahren wieder in das kleine Dorf am Fuße des Schlosses – und ist entsetzt. Die Bevölkerung hungert, leidet unter immer neuen Steuern, die die Königin erhebt, um ihre rauschenden Bälle zu finanzieren – sie ist zwar die schönste Frau im Land, aber auch pleite. Außerdem steht ihr Schneewittchen mit einem Mal im Weg.

Der Königin Spiegel verrät ihr, dass ihre Schönheit schwindet, dass Schneewittchen noch viel schöner sei, als sie. Das kann die Königin nicht auf sich sitzen lassen und befiehlt Schneewittchens unmittelbaren Tod. Der mögliche Mörder aber bekommt Skrupel, und Schneewittchen in ihrem Waldversteck neue Freunde. Sieben räuberische Zwerge führt das unschuldige Geschöpf auf den Pfad der Tugend zurück.

Und sie lernt Prinz Alcott kennen, einen charmanten jungen Mann, versiert in der Fecht-Kunst und der bösen Königin zur Ehe zugeführt. Rechtzeitig bemerken Schneewittchen und ihre neuen Freunde, dass der Prinz verhext wurde und sich willenlos seinem Schicksal beugt. Das muss verhindert werden …

Was zu sagen wäre

Teaserplakat: Spieglein, Spiegeln - Lily Collins ist Schneewittchen2012 war das Jahr Schneewittchens. In gleich drei Produktionen vergiftete die böse Stiefmama das holde Mädchen. Der vorliegende Film eröffnete den Reigen, wenige Wochen später gefolgt von Snow White and the Huntsman mit Charlize Theron als Stiefmutter, Twilight-Star Kristen Steward in der Titelrolle und Chris Hemsworth (Thor, USA 2011) als stolzen Recken. Und schließlich tauchte noch eine - bei Produktionen dieser Größenordnung mittlerweile übliche - Billigkopie des Stoffes in den Video-Regalen auf, so genannte Mockbuster.

Dieser hier ist so etwas, wie die allfällige Neuinterpretation des klassischen Märchens, angeregt wahrscheinlich durch den Erfolg des Disney-Trickfilms „Rapunzel - Neu verföhnt”. Entsprechend der Heldin dort ist die Heldin hier voll emanzipiert. „Ihr seid eine Verräterin!?!” „Und Ihr ein Idiot!” Der schon in der Grimm'schen Vorlage entscheidende Kuss der Liebe holt ihn zurück ins Leben, nicht sie. Gemäß der Zielgruppe, die der Film anspricht – Kinder ab 6 Jahre (FSK o.A.) – passiert in den ersten 20 Minuten wenig, die Einführung in die verschiedenen Personen muss auch von den lieben Kleinen verstanden werden. Die beisitzenden Eltern können sich in der Zwischenzeit höchstens darüber freuen, dass es auf der Leinwand nicht gar so blutig und gruselig zugeht, wie daheim im Vorabendprogramm und Julia-Roberts-Fans freuen sich über Julia Roberts in lustvoll-boshafter Pose, die Gift und Galle spritzt.

„Du weißt doch Frauen werden immer irre, wenn ein Prinz in der Nähe ist.”
„Nein, nein. Es gib den neben-mir-steht-ein-Prinz-Irrsin und dann gib es noch den guten alten, ganz normalen, klassischen Psycho-Irrsinn.”

Teaserplakat: Spieglein, Spiegeln - Armie Hammer als Prinz AlcottBei der Figur des Prinzen ist nicht recht klar, ob Armie Hammer (beide Winkelvoss-Zwillinge in the social network - 2009) sich die Rolle zu eigen gemacht hat und deshalb so komplett in deren öligem Charme und hündischer Unterwerfung aufgeht … oder ob die Produzenten bewusst dieses Gesicht wollten, weil Armie Hammer aussieht wie das Klischee des schmierigen Charming Boy aus jeder TV-Soap. Auf jeden Fall: Hammer ist perfekt besetzt für die Rolle des Prinzen Alcott. Einige seiner Szenen wirken, wie bei Rob Reiners „Die Braut des Prinzen” (1987) ausgeliehen. Das Konzept, im Märchen-Realfilm immer dann, wenn's in der Vorlage schwülstig wird, einen Gag rauszuhauen, wurde dort erfolgreich ausprobiert.

Natürlich bedient der Film die Must Haves seines Genres: Er präsentiert prächtige Cinemascope-Landschaften (aus dem Computer), gönnt majestätische Kameraflüge und zeigt bizarre Rituale der Körperpflege zum Erhalt der schönsten Schönheit. Die Story als solche ist konventionell erzählt – hier will niemand das Kino neu erfinden. Hier wollen Leute erkennbar unterhalten. Das gelingt ihnen gut, etwa auch mit diversen Überraschungen. So wird Schneewittchen von den sieben Zwergen in Rocky-Manier auf die kommenden Ereignisse vorbereitet, unterlegt mit schmissiger Musik lernt das Mädchen in drei Minuten Schwert– und Faustkampf, das Überleben im Wald und das Frau sein. Die sieben Zwerge sind übrigens auch nicht originär. Deren äußeres Erscheinungsbild erinnert an Terry Gilliams „Time Bandits” (1981) und den Figuren aus Jim Hensons „Die Reise ins Labyrinth” (1986).

Ein prächtig ausgestattetes Märchen für Mädchen zwischen 10 und 18, in dem sich auch die Eltern nicht langweilen müssen.

Wertung: 5 von 7 €uro
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